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Tennis: Thiem verpasst
London-Halbfinale

Thiem: "Leistung war bis auf ein paar Sachen in Ordnung"

Die bisher erfolgreichste Saison des Dominic Thiem ist am Donnerstagabend bei den mit 7,5 Mio. Dollar dotierten ATP-Finals in der O2-Arena in London zu Ende gegangen. Im Spiel um den Aufstieg aus der Gruppenphase ins Semifinale gegen den als Nummer vier gesetzten Kanadier Milos Raonic musste sich der 23-jährige Niederösterreicher nach exakt 90 Minuten mit 6:7(5),3:6 geschlagen geben.

"Glücklich bin ich nie, wenn ich verliere und natürlich bedaure ich einige Sachen im Tiebreak. Die Leistung war in Ordnung bis auf ein paar Sachen", resümierte ein müder Thiem nach seiner bisher mit Abstand erfolgreichsten Saison, die er als Nummer 8 der Weltrangliste beenden wird.

"Sicher bin ich jetzt ziemlich leer, aber nicht mehr oder weniger als bei einer anderen Niederlage. Die Woche war in Ordnung. Ich bin nicht mit einem so großen Selbstvertrauen hergekommen, was aus den letzten Wochen resultiert und am Anfang habe ich mir mit dem Belag schwergetan", erklärte Thiem. Er habe das in der Folge gut in den Griff bekommen. "Der erste Satz gegen Djokovic hat mir natürlich auch ein gewisses Selbstvertrauen zurückgebracht. Und über den Sieg (gegen Monfils, Anm.) bin ich natürlich sehr glücklich", sagte Thiem.

Das Match begann völlig nach dem Geschmack der Zuschauer und verlief äußerst spannend. Obwohl Raonic wie zu erwarten war seine Aufschlag-Games über weite Strecken dominierte und nur einmal über den Einstand gehen musste, hielt Thiem ausgezeichnet mit. Nach 45 Minuten ging die Partie ins Tiebreak und da hatte Österreichs Aufsteiger vor den Augen von u.a. David Beckham alle Chancen zur 1:0-Satzführung.

4:2 führte Thiem nach 0:2-Rückstand da schon und hatte in der Rally eine gute Möglichkeit zum 5:2, vergab diese aber mit einem Rückhand-Cross ins Aus. In der Folge glich der Kanadier aus, krachte Thiem die Asse 10 und 11 um die Ohren und holte sich bei 5:4 mit einem Vorhand-Winner zum 6:4 gegen Thiems Service zwei Satzbälle. Mit dem zwölften Ass zum 7:5 war der erste Satz nach 53 Minuten eine Beute von Raonic.

"Man kann nicht alles auf den Punkt bei 4:2 aufhängen. Man erinnert sich an den Fehler bei 4:2 am ehesten, aber das war einer von drei schlechten Punkten im Tiebreak. Das ist der Unterschied zu einem Djokovic, der das relativ trocken vor zwei Tagen runtergespielt hat", erinnerte Thiem an den 7:6,7:6-Erfolg des Weltranglisten-Zweiten über den Kanadier.

Raonic selbst wusste auch, dass der erste Satz entscheidend war. "Ich hatte Glück, dass ich am Ende des ersten Satzes drei Asse geschlagen habe. Das hat mir geholfen und mein Service hat mich in vielen wichtigen Momenten gerettet", meinte der Wimbledon-Finalist, der insgesamt 13 Asse geschlagen hat. "Es war ein wichtiges Match für mich, das war kein Round-Robin-Match, das war ein Viertelfinale für uns beide. Ich bin glücklich, dass ich gewonnen habe."

Der zweite Durchgang begann leider aus Sicht Thiems wie alle anderen zweiten Sätze bei diesen ATP-Finals mit einem Rückstand. Thiem musste sofort den Aufschlag abgeben und vermied bei 0:2 erst nach Abwehr zweier Breakbälle mühevoll das Doppelbreak. Raonic war mit dem Break im Rücken aber für Thiem, der 18 unerzwungene Fehler bei 17 Winnern beging, dann nicht mehr zu biegen. Der Weltranglisten-Vierte (14 unerzwungene, 31 Winner) servierte zum Halbfinaleinzug und zum zweiten Sieg im zweiten Treffen mit dem Niederösterreicher aus. Zur Freude seines Coaches Carlos Moya und auch seinem in der Box sitzenden Berater John McEnroe.

Alles in allem war Thiem freilich nach seinem ersten Auftritt bei einem der größten Turniere überhaupt zufrieden. "Ich hätte auch nicht unbedingt erwartet, dass ich hier einen Sieg einfahre. Es war super für mich, dass ich heute sogar die Chance gehabt habe, noch ins Semifinale einzuziehen, von dem ich im Endeffekt doch weit entfernt war."

Thiem hat jedenfalls mit seinen Auftritten bewiesen, dass er in den Kreis der Großen gehört und hat auch Blut geleckt: "Nachdem ich alles gesehen habe, ist es ein ganz ganz großes Ziel, in Zukunft wieder hierherzufahren."

Für Thiem war schon die Qualifikation für das Saison-Finale der besten acht Spieler ein Riesen-Erfolg gewesen. Der French-Open-Halbfinalist und vierfache Turniersieger 2016 bot im ersten Match gegen den fünffachen ATP-Finals-Triumphator und Weltranglisten-Zweiten Novak Djokovic eine starke Leistung und schaffte seinen ersten Satzgewinn.

Mit dem Sieg über Gael Monfils holte sich Thiem bei seinem Turnier-Debüt bei diesem Saison-Abschluss 200 ATP-Punkte und wird ab Montag als Nummer 8 der Welt überwintern. Zudem hat er 358.000 US-Dollar brutto (334.516,91 Euro) für Teilnahme und Match-Sieg gewonnen. Nun geht es für Thiem in den Urlaub, den er auf den Malediven verbringen wird.

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