Tennis von

Dominic Thiem über seine Erfolge

Demnächst feiert er sein Davis-Cup-Debüt - Nächstes Ziel sind die Top 50

Dominic Thiem © Bild: GEPA pictures/ USA TODAY Sports Images/ Geoff Burke

Er hat in diesem Jahr den Durchbruch auf der ATP-Tour geschafft, ist mit 20 der jüngste Tennis-Profi in den Top 100 und hat sich seit Jahresbeginn um rund 50 Plätze verbessert. Kommende Woche feiert Dominic Thiem nicht nur sein Debüt beim Davis Cup in Bratislava, sondern figuriert nach dem Ausfall des verletzten Jürgen Melzer sogar als Nummer eins.

Thiem äußert sich im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur über seinen Erfolgslauf und die Gewissheit, im Profitennis angekommen zu sein. Als Top-80-Spieler hat er einige seiner Ziele schon erreicht und muss sich neue setzen. Darunter erwähnt er einen Vorstoß in die Top 50 und den Traum vom Sieg bei einem Heimturnier. Für Österreich anzutreten, erfüllt ihn mit Stolz: "Ich liebe das Land."

Gratulation zum Aufstieg in die Top 80. Haben Sie schon realisiert, wie schnell Ihnen der Durchbruch im internationalen Tennis gelungen ist?
Dominic Thiem: "Danke. Ja, auf jeden Fall, aber es ist ja erst März und es geht ja noch weiter."

Hat Sie die Selbstverständlichkeit, mit der Sie sich für die großen Turniere qualifiziert haben, überrascht?
"Ja, sicher. Es waren auch in der Quali viele enge Matches dabei. Zum Glück habe ich alle gewonnen und zum Schluss habe ich die Qualis auch sehr gut gespielt. Das war echt okay."

Wie geht es Ihnen jetzt körperlich?
"Ich habe es ganz gut überstanden, aber es ist halt schon noch neu für mich, auf der großen Tour so viele Turniere spielen. Ich bin schon müde, aber ich werde mich schnell wieder erholen."

Wie hat sich Ihr Tennis seit dem Match gegen Tsonga im vergangenen Herbst in Wien weiterentwickelt?
"Natürlich habe ich da gut gespielt, aber es war ein Match, genauso wie gegen Murray. Das Gute bis jetzt war, dass ich sehr konstant gespielt habe und die Gegner, gegen die ich gewinnen sollte, auch geschlagen habe. Diese Ausreißer gibt es immer, aber das Wichtigste ist, dass man auch gewinnt, wenn man keinen Traumtag hat. Aber es ist auf jeden Fall eine große Verbesserung da seit dem Tsonga-Match."

Wie wichtig war die Wintervorbereitung auf Teneriffa?
"Man zehrt sicher extrem davon, wenn man so einen guten Aufbau macht. Ich habe zum ersten Mal dieses Jahr einen guten Saisonanfang gehabt, das war sicher dank Teneriffa."

Haben Sie eigentlich einen Mentalcoach?
"Habe ich nicht, weil ich nicht viel davon halte, weil man, finde ich, die Situationen in einem Match mit einem Mentaltrainer nie nachmachen kann."

Günter Bresnik ist seit Jahren Ihr Trainer. Wie wichtig ist eigentlich Ihr Vater in Ihrer Entwicklung?
"Noch immer sehr wichtig. Wenn der Günter nicht da ist, dann trainiere ich mit meinem Vater und er kann mir immer noch wertvolle Tipps geben."

Nach vielen Jahren mit finanziellen Problemen: Zahlt es sich schön langsam auch finanziell für Sie aus?
"Na ja, es ist jetzt so, dass meine Familie nichts mehr zahlen muss, sondern, dass ich mich selbst finanzieren kann. Das ist ein großer Vorteil und darüber bin ich froh, dass ich sie nicht mehr belasten muss. Es sind immer noch so viele Aufgaben und ich bin noch im Aufbau der Karriere. Alles, was ich verdiene, wird wieder investiert."

Sie haben vor kurzem wieder mit Roger Federer trainiert. Worüber haben Sie mit ihm gesprochen?
"Wir haben ganz normal über private Sachen geplaudert und Davis Cup und Turniere, sonst nichts. Theoretisch könnte es ja passieren, dass ich (bald, Anm.) gegen ihn spiele."

Wie haben Sie die große Tennis-Welt erlebt?
"Ich weiß jetzt, warum es ein Traum ist für jeden Spieler, da hinzukommen. Es ist wirklich super und nicht zu vergleichen mit irgendetwas, was vorher war. Bei jedem Match und sogar bei den meisten Trainings schauen viele Leute zu. Und es gibt auch gute Hotels - irgendwie hat man sich das auch verdient nach diesen harten Jahren auf Futures und bei Juniorenturnieren."

»Österreich bedeutet mir extrem viel. Ich liebe das Land.«

Sie feiern kommende Woche Ihr Davis-Cup-Debüt. Was bedeutet es Ihnen, für Österreich zu spielen?
"Tennis ist eine Einzelsportart, deshalb ist es umso schöner, dass man auch zwei-, dreimal mit dem Team spielen kann. Österreich bedeutet mir extrem viel, weil es ist mein Land. Ich liebe das Land und komme gerne immer wieder zurück heim. Somit bin ich extrem froh, dass ich jetzt das erste Mal für das Land spielen kann."

Sie sind ein Spieler, der sich mit vielen Fans im Rücken sogar steigern kann.
"Auf jeden Fall. Ich liebe es, vor vielen Leuten zu spielen und je mehr Stimmung, desto besser für mich."

Wie schätzen Sie die Chancen gegen die Slowakei ein?
"Ich glaube, wenn alle von unserem Team eine gute Leistung bringen, dann haben wir sehr gute Chancen, dass wir sie schlagen. Aber wenn wir nicht unsere Leistung bringen, werden wir sicher verlieren."

Rechnen Sie mit einem Einsatz im Doppel?
"Das wird viel vom ersten Tag abhängen und darauf ankommen, was der Alex (Peya, Anm.) sagt, weil der ist einer der besten Doppelspieler auf der Welt."

Sie haben schon alle zuvor gesteckten Ziele erreicht. Wie sieht die neue Zielsetzung aus?
"Ich will auf jeden Fall bei den zwei Heimturnieren gut spielen und mich verbessern gegenüber dem Vorjahr. Der ganz große Traum, vielleicht sogar dieses Jahr, wenn alles passt, ist, dass ich ein Heimturnier gewinne."

Und wenn Sie ans Ranking denken?
"Mein großes Ziel sind die Top 50 dieses Jahr. Das ist natürlich sehr schwer, aber wenn ich so konstant weiter spiele wie am Anfang vom Jahr, dann ist das durchaus drinnen."

Sie feuern sich auch auf Facebook immer mit "Bamos" an. Haben Sie sich bei der Tastatur vertippt und statt dem V das B erwischt?
"Nein. Die ganzen Spanier und Slowenen, Amerikaner haben alle ein cooles Wort, sich anzufeuern. 'Auf geht's' oder 'komm jetzt' taugt mir alles nicht und dann habe ich irgendwann ein eigenes Wort erfunden."

(Das Gespräch führte Gerald Widhalm/APA)

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