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Eklat bei den US Open:
Referee "coachte" Kyrgios

"Ich will dir helfen": Australisches Enfant terrible gewann dann noch

Tennis - Eklat bei den US Open:
Referee "coachte" Kyrgios © Bild: Getty Images

Eklat bei den US Open: Stuhl-Schiedsrichter Mohamed Lahyani stieg im Match des lustlos spielenden australischen Nick Kyrgios vom Stuhl, um diesen aufzumuntern.

Kyrgios, der zum Zeitpunkt der Worte Lahyanis mit 4:6,0:3 zurücklag, gewann in der Folge gegen Pierre-Hugues Herbert noch mit 4:6,7:6(6),6:3,6:0. Coaching ist den jeweiligen Trainern der Spieler untersagt, aber das ein Unparteiischer mehr oder weniger Partei ergreift, hat auch in sozialen Netzwerken für Empörung, auch unter Experten wie dem früheren Weltklasse-Schiedsrichter Richard Ings, gesorgt.

Laut der französischen Agentur Agence France Presse sagte Lahyani zu Kyrgios wörtlich: "Ich will dir helfen. Ich sehe deine Matches und du bist jemand, der wunderbar für diesen Sport sein kann. Das bist nicht du, das weiß ich."

Der unterlegene Herbert war - speziell beim Betrachten der Szenen nach dem Match - alles andere als erfreut. "Mit Mohamed werde ich sicher ein Gespräch führen. Ich denke, er ist für seinen Job einen Schritt zu weit gegangen", sagte Herbert.

Kyrgios selbst spielte die Szene später herunter. "Ich bin nicht sicher, ob das Ermutigung war. Er hat gesagt, dass er mich mag und dass es nicht gut ausschaut. Ich weiß, dass das, was ich da draußen gemacht habe, nicht gut ausgeschaut hat. Ich habe ihm nicht wirklich zugehört", behauptete der Australier.

Kyrgios braucht wirklich einen Coach

Das Riesentalent aus "down under" fällt immer wieder mit teilweise extrem lustlosen Spiel auf, wofür er auch schon in der Vergangenheit - allerdings vom Stuhl aus und via Mikrofon - verwarnt worden war. Kuriosum am Rande: Kyrgios hat seit Jahren selbst keinen Coach.

In einem Statement durch Turnier-Oberschiedsrichter Brian Earley wurde Lahyani damit verteidigt, dass dieser wegen des Lärms vom Stuhl gestiegen war, damit dieser ihn hören könne. Angeblich sei Lahyani besorgt gewesen, dass Kyrgios ärztliche Hilfe brauche. Außerdem habe er den Australier darüber informiert, dass er bei weiterer Lustlosigkeit als Schiedsrichter Maßnahmen ergreifen müsse.

Gegner: Referee "heute zu weit gegangen"

Herbert scherzte vielleicht mit kleinem ernsten Hintergrund als er die Frage, welche Maßnahme die Turnierleitung ergreifen sollte, beantwortete. "Vielleicht sollte man mir das Preisgeld des Gewinners geben, das wäre fair, denke ich", meinte er lächelnd.

Allerdings sollte aus seiner Sicht schon etwas getan werden. Wenn er eine Verwarnung oder einen Strafpunkt oder auch eine Strafe bekommen könne, warum solle das nur einseitig gelten. "Wenn er einen Fehler macht, sollte auch er bestraft werden. Mohamed macht nicht so viele Fehler, er ist ein guter Referee. Aber heute ist er zu weit gegangen."

Schon am Dienstag hatte Alize Cornet, eine Landsfrau Herberts, eine umstrittene Stuhlschiedsrichterentscheidung zu verdauen. Weil sie nach einer Hitzepause das Leibchen verkehrt herum angezogen hatte und dieses im hinteren Bereich des Courts umdrehte, erlitt sie eine Verwarnung. Sexismus-Debatten waren in den sozialen Netzwerken die Folge. Der US-Tennisverband bedauerte den Vorfall einen Tag später, selbstverständlich dürften auch Frauen auf dem Platz ihr T-Shirt wechseln.

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