Fakten von

Tempo 80 auf Landstraßen - Für Verkehrsministerium kein Thema

Niedrigeres Limit allein laut ÖAMTC nicht sinnvoll für Sicherheit

Die französische Regierung hat in der Vorwoche das Tempolimit auf Landstraßen von 90 auf 80 km/h gesenkt, um die Zahl der Unfallopfer zu reduzieren. In Österreich sind derartige Überlegungen derzeit kein Thema, hieß es im Verkehrsministerium auf APA-Anfrage. Der ÖAMTC hält ein niedrigeres Tempolimit ohne weitere Maßnahmen nicht für zielführend, der Verkehrsclub (VCÖ) betont die positive Wirkung.

Die meisten bei Verkehrsunfällen getöteten Personen in Österreich kommen auf Landesstraßen inklusive der ehemaligen Bundesstraßen ums Leben. 272 Todesopfer waren es im Vorjahr, teilte das Innenministerium der APA mit. Werden die Unfälle im Ortsgebiet ausgeklammert - wo ohnehin fast überall Höchstgeschwindigkeiten von deutlich unter 80 km/h gelten - so gab es 210 Verkehrstote auf Freilandstraßen.

Die Zahl ging in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück. 2012 waren es noch 352 Opfer auf Bundes- und Landesstraßen, davon 267 außerhalb des Ortsgebiets. Auch im Vergleich vom Jahr 2016 zum Vorjahr gab es auf Freilandstraßen 29 Getötete weniger. Bei den Verkehrstoten insgesamt wurde 2017 mit etwas mehr als 400 Opfern die absolut niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. In Frankreich waren im Jahr 2016 fast 3.500 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben, die Zahl stieg zuletzt drei Jahre in Folge.

Geschwindigkeitsverringerung allein wird "punkto Sicherheit nichts bringen", betonte Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Die Maßnahme in Frankreich sei "schon fast eine Alibiaktion". Wichtig sei es, die Überwachung der Tempolimits systematisch zu verstärken. Auch Vorschläge wie nun in Deutschland, Tempo 80 für kurvige Landstraßen mit einer maximalen Breite von sechs Metern zu überlegen, ist laut Wiesinger sinnvoller als eine generelle Senkung.

In Österreich muss der Straßenerhalter bei gefährlichen Strecken ohnehin Tempolimits einführen, erläuterte der Experte. Im Westen des Landes gibt es "geografisch engere Situationen und daher weniger 100er-Stücke". Auf geschätzt 40 bis 50 Prozent der Straßen in Österreich würden bereits Tempolimits unter 100 km/h gelten. "Mit generell Tempo 80 erreiche ich wahrscheinlich gar nicht mehr so viel", sagte Wiesinger in Bezug auf die Verkehrssicherheit.

"Das Beste ist, ich verhindere Begegnung", so die Meinung des Experten. Als "Vorbildprojekt" hob er die Horner Straße (B4) in Niederösterreich mit ihren drei Spuren hervor, wobei die mittlere abwechselnd je Fahrtrichtung als Überholspur genutzt wird. Neben der Breite der Straße ist nach Aussagen von ÖAMTC-Unfallforschern auch die Qualität des Belags ein entscheidender Faktor für die zulässige Höchstgeschwindigkeit.

Tempo 80 kann die Zahl der Verkehrstoten auf Freilandstraßen um 20 Prozent verringern, heißt es dagegen beim Verkehrsclub Österreich. Die "positive Wirkung" habe sich Anfang der 1990er-Jahre in Tirol gezeigt, wo auf Freilandstraßen eine 80-km/h-Beschränkung eingeführt wurde, bis dies der Verfassungsgerichtshof wieder aufhob, sagte VCÖ-Sprecher Christian Gratzer zur APA. In Österreich gebe es zudem fast doppelt so viel Verkehrstote wie in der Schweiz, wo auf Autobahnen Tempo 120 und auf vielen Freilandstraßen Tempo 80 gilt. Unter anderem werde dort auch konsequent gegen Schnellfahren vorgegangen und es gebe ein dichtes Bahnnetz.

Bei Tempo 80 beträgt der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) auf trockener Fahrbahn 55 Meter. Bei 100 km/h ist ein Pkw bei einem Bremsvorgang nach 55 Metern noch 68 km/h schnell, rechnet der VCÖ auf seiner Internet-Seite vor. Ein Zusammenprall bei dieser Geschwindigkeit sei für Fußgänger mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich.

Kommentare