Telekom III Prozess von

Vernichtende Gutachten

Experte stuft Rumpolds Konzepte als "Blindgänger" ein und keine 600.000 Euro wert

Telekom-Prozess, Gernot Rumpold © Bild: APA/Schlager

Mit einem für den FPÖ-Werber Gernot Rumpold durchaus vernichtenden Gutachten ist am Donnerstag im Straflandesgericht der sogenannte "Telekom III"-Prozess fortgesetzt worden. Georg Jeitler, gerichtlich beeideter Sachverständiger für Medienwesen, Wirtschaftswerbung und Marketing, setzte den Wert der insgesamt vier Konzepte, die Rumpold der Telekom Austria (TA) zukommen hatte lassen, meilenweit unter den 600.000 Euro an, die Rumpolds Agentur "mediaConnection" im Frühjahr 2004 dafür erhalten hatte. Drei der vier Konzepte nannte Jeitler "Blindgänger", die "auf Risiko" bzw. "auf Halde" produziert worden seien.

Jeitler legte seine Expertise in Form einer ausführlichen Powerpoint-Präsentation mündlich dar. Dass seine Darstellung nicht in schriftlicher Form vorlag, rügten die Verteidiger als Beschneidung ihrer Rechte und Verletzung der Waffengleichheit vor Gericht. Für den Schöffensenat (Vorsitz: Michael Tolstiuk) war dieses Vorgehen aber von der Strafprozessordnung gedeckt.

"Keine professionelle Deckung"

Aus sachverständiger Sicht sei hinsichtlich der zu beurteilenden Konzepte "keine professionelle Deckung mit den strategischen Anforderungen der Telekom Austria nachvollziehbar", stellte der Gutachter fest. Ihre behauptete Werthaltigkeit war für ihn "nicht nachvollziehbar". Eine subjektive Nützlichkeit im Sinne einer sinnvollen Umsetzung sei für die TA "nicht gegeben" gewesen, so der Sachverständige.

"Q-Bus" - ein zwölf Seiten umfassendes Konzept für mobile Verkaufseinheiten - bewertete Jeitler grundsätzlich als problematisch. Die Design-Vorgaben erschienen ihm "scheinbar verfehlt", eine strategische Einbettung in das Unternehmen TA "nicht nachvollziehbar". Da es sich um ein schon bestehendes Vertriebskonzept handelte, rechnete Jeitler den "Q-Bus"-Unterlagen "keinen spezifischen Wert" zu.

"Kein strategischer Mehrwert"

Zum selben Ergebnis kam Jeitler bei "Park Your Bike", das sich auf fünf Seiten mit Werbeflächen an Fahrrad-Abstellplätzen auseinandersetzte, das als Werbemittel der Firma TCI längst vorhanden war und von Telering - einem unmittelbaren Konkurrenten der TA - im Jahr 2004 bereits genutzt wurde. Für den Gutachter war daher "kein strategischer Mehrwert" erkennbar, hätte die TA auf "Park Your Bike" gesetzt.

Die 16-seitige "B2B"-Fibel wiederum - ein redaktionelles Produkt für neue Medien - war laut Jeitler "sehr allgemein und wenig strategisch gehalten". Das Konzept sei "unklar", eine Umsetzung für die TA - etwa in Form einer Marken-Implementierungs-Kampagne "de facto unmöglich" gewesen. Den Erstellungswert der Fibel bezifferte Jeitler mit 1.000 bis 2.000 Euro.

Riskante Themenverfehlung

"Tele-Champion" - ein Telefon-Gewinnspiel, das über Mehrwertnummern abgewickelt werden sollte - umfasste neun Seiten. Dieses Konzept nannte Jeitler "ein enormes Image-Risiko für jeden Auftraggeber" und als mögliche Verkaufsförderung, Imagebildung oder Markenimplementierung für die TA "de facto eine Themenverfehlung" und ohne Wert. Die Erstellungskosten setzte Jeitler mit "1.300 Euro plus allfällige Nebenkosten" an.

Der Sachverständige ging auch auf die Aussage von Erika Daniel, der Ex-Frau von Gernot Rumpold, ein, die drei bis fünf Monate an den vier Konzepten gearbeitet haben will. Selbst wenn man diese Angaben übernehme, was Jeitler "höchst unrealistisch" nannte, seien dafür maximal 200.000 Euro (und damit nicht die inkriminierten 600.000 Euro, Anm.) zu veranschlagen, bemerkte der Sachverständige.

Summe für Konzepte viel zu hoch

Zuvor hatte sich der Buchführungs- und Bilanzierungs-Gutachter Martin Geyer mit Zahlungsflüssen zu und von Rumpolds Agenturen befasst. Abgesehen von den 600.000 Euro gab es demnach keine Überweisungen der TA an die "mediaConnection". Auch Geyer kam zum Schluss, dass sich der von Rumpold behauptete Aufwand für die vier Konzepte, die er um diese Summe erbracht haben will, aus der Buchhaltung der "mediaConnection" nicht ableiten lasse. Der Sachverständige bemerkte außerdem, er habe im Rahmen seiner gutachterlichen Tätigkeit lediglich "Prä-Konzepte" im Umfang von insgesamt 40 Seiten zu sehen bekommen. Die vollständigen Konzepte "waren nicht zugänglich und konnten meines Wissens bis heute nicht vorgelegt werden".

Was die Geschäftsbeziehungen zwischen Rumpolds Firmen und der FPÖ betrifft, waren für den Gutachter buchhalterisch keine direkten Zahlungen von Rumpold an die FPÖ ersichtlich. Umgekehrt flossen 2004 und 2005 an die Rumpold'schen Firmen für erbrachte Leistungen rund 300.000 Euro. Nach 2005 gab es keine Aufträge mehr. Der Generalvergleich, den Rumpold und die FPÖ zur Beseitigung von Unstimmigkeiten über offene Forderungen des Werbers abschlossen, war laut Geyer "wirtschaftlich eher für die FPÖ von Vorteil".

Die Verhandlung wird am Freitag um 9.30 Uhr im Großen Schwurgerichtssaal fortgesetzt, wo am Donnerstagnachmittag mit 32,1 Grad beinahe tropische Temperaturen herrschten.

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