Telekom-Belegschaft in Kampfstimmung: "Wetter entspricht allgemeiner Stimmung"

5.500 Mitarbeiter protestieren gegen Personalabbau Gusenbauer: Keine Auslagerung ohne Ja vom ÖGB

Telekom-Belegschaft in Kampfstimmung: "Wetter entspricht allgemeiner Stimmung" © Bild: APA/Schneider

Rund die Hälfte der Mitarbeiter der Festnetzsparte der Telekom Austria haben sich bundesweit zu einer Betriebsversammlung eingefunden. Sie erlebten einen kämpferischen ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer und durften sich über die Zusage von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer freuen, wonach es keine Auslagerung von Telekom-Mitarbeitern in eine staatliche Arbeitsagentur ohne Zustimmung der Gewerkschaft geben werde. "Es geht nicht nur um die Interessen der Firma, sondern auch um die der Belegschaft", sagte Gusenbauer-Sprecher Stefan Pöttler. Das Wetter entspreche der allgemeinen Stimmung im Unternehmen, ärgerte sich ein Mitarbeiter.

Konkrete weitere Schritte kündigten die Belegschaftsvertreter nicht an, sie ließen aber keinen Zweifel daran, dass sie auch vor Streiks nicht zurückschrecken. Am Zug sei nun Finanzminister Wilhelm Molterer als Eigentümervertreter, der "endlich" zur heftig umstrittenen ÖIAG-Arbeitsagentur klar Stellung nehmen solle. In der Vergangenheit hieß es aus dem Büro Molterer, man schaue sich die laufende Entwicklung an, derzeit lägen noch eine entscheidungsreifen Unterlagen vor.

Mitarbeiter besorgt
In der Belegschaft der teilstaatlichen Telekom ist jedenfalls die Verunsicherung groß. "Wann weiß ich, wann ich abgesägt werde", fragte eine besorgte Mitarbeiterin. Und ein Kollege meinte angesichts heftigen Regenfalls: "Das Wetter entspricht der allgemeinen Stimmung im Unternehmen." Wasserscheu scheinen die Telekom-Festnetzbeschäftigten jedenfalls zu sein: Die Eventhalle in der Wiener Remise, die laut Vermieter rund 2.500 Personen fasst, war gesteckt voll. In den Bundesländern hätten sich noch weitere 2.500 Beschäftigte eingefunden, hieß es in einer Grußbotschaft aus Wien.

"Der ÖGB wird Euch begleiten"
Insbesondere ÖGB-Boss Hundstorfer und der bekannt kämpferische Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm ernteten bei ihren Ansprachen in der Remise kräftigen Applaus. "Der ÖGB wird Euch begleiten, der ÖGB ist und bleibt die Kampforganisation des Landes. Wir sind trotz der Krise in den vergangenen Monaten voll da. Da, damit nicht Menschen entsorgt werden", so Hundstorfer. Wurm forderte Telekom-Chef Boris Nemsic auf, das kürzlich erhaltende "Große Goldene Ehrenabzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" zurückzugeben. Schließlich habe er dieses nicht verdient, "wenn er tausende Österreicher um ihre Jobs bringt". Und er legte nach: "Wir haben bereits einen Streikbeschluss und werden derartige Pläne (Personalabbau- und auslagerung,, Anm.) im Keim ersticken."

Post solidarisch
Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz betonte, dass die Postler voll solidarisch hinter den Beschäftigten der Telekom Austria stünden. Fritz sprach von schweren Managementfehlern in der Vergangenheit, wobei hier auch die Rolle der Staatsholding ÖIAG hinterfragt werden müsse.

"Arbeit statt Pool"
Eine Einschätzung, die die Mitarbeiter auf Transparenten teilten: "Vorstandsgehälter saniert, Mitarbeiter planiert" und "Belegschaft im Fadenkreuz" war zu lesen. In Anspielung auf die geplante ÖIAG-Arbeitsagentur hieß es: "Arbeit statt Pool". Es war die Rede von einer "Beamtenhatz"und davon, dass es dem Management nur um die Aktionäre und ihre Erfolgsprämien gehe. "Die sanieren sich auf unsere Kosten", so eine Mitarbeiterin.

2.100 Mitarbeiter auslagern
Wie berichtet will die Staatsholding ÖIAG mit kräftiger Unterstützung von Telekom Austria-Chef Boris Nemsic rund 2.100 Mitarbeiter der schwächelnden Festnetzsparte in die ÖIAG auslagern. Diese Mitarbeiter sind beamtet, können also nicht gekündigt und nur bedingt versetzt werden. Weiters soll es Überlegungen geben, 3.000 Postler ebenfalls in die Arbeitsagentur abzuschieben. Bezahlt werden sollen die künftigen ÖIAG-Beschäftigten über einen Teil der Dividenden von Post und Telekom. Diese würden ansonsten entsprechend dem Staatsanteil vollständig ins Budget fließen. Die Telekom-Führung argumentiert, dass nur ein erfolgreiches Unternehmen auch Dividenden abliefern kann, unterm Strich also für den Staat durch eine schlankere Struktur mehr an Dividende übrig bleibe.

Kursverluste für Telekom
Die Telekom Austria hatte im heurigen Jahr deftige Kursverluste hinnehmen müssen, was die Spekulationen über eine mögliche Abspaltung der hochprofitablen Mobilfunktochter Mobilkom wieder anheizte. Demnach könnte die Mobilkom gesondert an die Börse gebracht werden, während der unter Kundenschwund leidende Festnetzbereich re-verstaatlicht werden könnte oder eigenständig an der Börse bleiben soll. Derzeit hält der Staat 27,4 Prozent an der Telekom Austria.

(apa/red)