Telekom Austria steigerte Nettogewinn kräftig: Plus von 39,2 % im ersten Quartal

Gewinn von 154 Millionen Euro übertrifft Erwartungen Umsatz erhöhte sich um 15,8 % auf 1,16 Mrd. Euro

Die börsenotierte Telekom Austria (TA) hat im ersten Quartal 2006 ihren Gewinn kräftig gesteigert. Der Nettogewinn erhöhte sich um 39,2 Prozent auf 154,0 Mio. Euro, gab das Unternehmen bekannt. Der Umsatz stieg um 15,8 Prozent auf 1,16 Mrd. Euro. Die TA hat mit ihren Quartalsergebnissen dabei die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Das Betriebsergebnis (EBIT) wuchs von Jänner bis März um 30,7 Prozent auf 221,6 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 16,6 Prozent auf 504,3 Mio. Euro. Der Anstieg des Nettogewinns sei vor allem auf die Konsolidierung der im Sommer 2005 übernommenen bulgarischen Handyfirma Mobiltel und das höhere Betriebsergebnis zurückzuführen, hieß es. Der Gewinn pro Aktie stieg um 45,5 Prozent von 0,22 auf 0,32 Euro. Die Nettoverschuldung verringerte sich von 3,1 Mrd. Euro per Ende 2005 auf 2,98 Mrd. Euro per Ende März.

Die TA hat damit bei allen Finanzkennzahlen die Erwartungen der von der APA befragten heimischen Analysten übertroffen, die im Schnitt beim Nettogewinn 145,6 Mio. Euro, beim Umsatz 1,14 Mrd. Euro, beim EBIT 213,5 Mio. Euro und beim EBITDA 497,0 Mio. Euro erwartet hatten.

Die Telekom hat ihren Ausblick für das Gesamtjahr 2006 bekräftigt. Auch dank der ganzjährigen Konsolidierung der Mobiltel wird eine weitere Verbesserung aller wesentlichen Finanzkennzahlen erwartet.

Der Umsatz soll heuer um etwa 5 Prozent, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um etwa 10 Prozent steigen, hieß es. Betriebsergebnis (Ebit) und Nettogewinn sollen trotz höherer Abschreibungen auf Grund der Mobiltel-Konsolidierung um etwa 20 Prozent wachsen. Die TA sei "für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet", bemerkte der scheidende TA-Vorstandsvorsitzende Heinz Sundt, der nächste Woche mit Ende der Hauptversammlung am 23. Mai an seinen Nachfolger und Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic übergibt.

Im Festnetz- und Internetbereich stieg der Umsatz im ersten Quartal geringfügig um 0,9 Prozent auf 534,9 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis wuchs auch dank niedrigerer Abschreibungen um 10,9 Prozent auf 49,7 Mio. Euro. Die Zahl der Breitband-ADSL-Internetanschlüsse stieg weiter kräftig um knapp 40 Prozent auf 616.000, die Migration vom Festnetz in den Mobilfunk hält weiter an. Die Zahl der Festnetzanschlüsse ging um 3,7 Prozent auf 2,77 Mio. zurück, davon waren 1,6 Mio. TikTak-Anschlüsse.

Im Mobilfunkbereich steigerte die Mobilkom Austria-Gruppe vor allem durch die Konsolidierung der bulgarischen Mobiltel den Umsatz um 30,8 Prozent auf 688,2 Mio. Euro. Exklusive Mobiltel wurde auf vergleichbarer Basis ein Umsatzplus von 6,9 Prozent verbucht. Das EBIT im Mobilfunkbereich stieg um 37,9 Prozent auf 171,4 Mio. Euro, bereinigt um Mobiltel um 2,9 Prozent. Die Zahl der Handykunden erhöhte sich um 83,3 Prozent auf 9,13 Millionen, bereinigt um die Mobiltel um 9,9 Prozent. In Österreich stieg die Zahl der Mobilkom Austria-Kunden auf 3,4 Millionen, nach 3,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil verringerte sich von 40,4 auf 38,9 Prozent.

Die TA-Gruppe beschäftigte per Ende März 15.513 Mitarbeiter, um 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Expansions-Fokus liegt auf Serbien und Bosnien
Die Telekom Austria (TA) lege bei ihrer Südosteuropaexpansion derzeit den Fokus auf Serbien und Bosnien, sagte TA-Vorstandsvorsitzender Heinz Sundt am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz. Für die serbische Mobilfunkgesellschaft Mobi63 werde man im Juni ein definitives Angebot legen, eine Entscheidung über den Zuschlag werde bis Ende Juli erwartet.

Serbien hatte am 28. April den Verkauf seiner Anteile an dem Mobilfunkbetreiber und eine damit verbundene zehnjährige Lizenz zum Betrieb eines Mobilfunknetzes zu einem Mindestpreis von 800 Mio. Euro ausgeschrieben, am Einstieg interessiert sind neben der TA weitere neun Telekomunternehmen. Über die Höhe des zu erwartenden Investments in Serbien wollte Sundt heute keine Angaben machen, auf Grund der guten Marktkenntnis, die die TA in Serbien habe, werde man die Kosten aber "bestens kalkulieren können".

Sundt wird der TA nach seiner Ablöse durch Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic mit der Hauptversammlung (HV) am 23. Mai in Serbien weiterhin beratend zur Seite stehen. Er werde sein Augenmerk auf Serbien richten, "für eine Tätigkeit danach" seien bisher keine Vereinbarungen getroffen worden, so Sundt. Sein Nachfolger Nemsic könne jedenfalls auf eine "solide Basis" aufsetzen.

In Bosien sei beim geplanten Verkauf der Telekom Srpske der Prozess noch nicht so klar wie in Serbien, in den nächsten Monaten sei hier ein Verfahren zu erwarten, das entsprechende Details bringen werde, so Sundt. Das Interesse der TA an einem Einstieg in Bosnien sei jedenfalls weiterhin aufrecht.

Die Auswirkungen der Pläne der EU-Kommission, die Roaminggebühren zu senken, auf die TA-Gruppe seien noch nicht absehbar, weil die Angaben "widersprüchlich" seien und noch keine Details feststünden, so Sundt. In Österreich geht der TA-Chef auch weiterhin von einem sehr harten Wettbewerb und einer "unglaublichen Angebotsdichte" aus, im herrschenden Verdrängungswettbewerb schlage sich die Mobilkom aber "hervorragend". Über die mögliche Einführung einer Diskontmarke wollte Sundt keine Angaben machen.

Im TA-Aufsichtsrat wird der oberösterreichische Industrielle und ÖIAG-Aufsichtratsvorsitzende Peter Mitterbauer nächste Woche bei der HV sein Mandat zurücklegen. Als Nachfolger sei der ehemalige Top-Manager des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble, Wolfgang C. Berndt, geplant, der mit Marketingthemen "sehr vertraut" sei, sagte Sundt. Die Zahl der Mitglieder des Aufsichtsrates soll damit unverändert bleiben.
(apa)