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"Medialer Tsunami"

Hauptversammlung in Wiener Stadthalle: Pecik zieht in den Aufsichtsrat ein.

Telekom Austria - "Medialer Tsunami" © Bild: APA

"Jeder blickt lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit, wir ganz besonders", so Hannes Ametsreiter bei der Hauptversammlung der Telekom Austria. Der TA-Chef und Finanzvorstand Hans Tschuden wollen das Verlustjahr 2011 abhaken, das vom Korruptionsskandal überschattet war. Bei der Hauptversammlung ist Großinvestor Ronny Pecik in den Aufsichtsrat gewählt worden.

Man habe Lehren aus den Fehlern der ehemaligen Kollegen gezogen, versicherte Tschuden bei der Hauptversammlung in der Wiener Stadthalle. Unter dem "medialen Tsunami" hätten auch die Aktionäre gelitten, 2012 wolle er sich voll auf das operative Geschäft konzentrieren, so der Finanzchef.

Viele Hinweise auf Missstände
Ganz so schnell wird man die Vergangenheit aber nicht abhaken können. Bei ihrer Überprüfung der Geschäfte der Telekom Austria sind die Forensiker der Beratungsfirma BDO nämlich auf "dolose Handlungen" gestoßen - so vornehm-zurückhaltend bezeichnen Wirtschaftsprüfer vorsätzliche Handlungen, die zum Schaden eines Unternehmens durchgeführt werden. Mehrfach stießen die Prüfer auf Beraterverträge zum Teil in Millionenhöhe, bei denen keine Gegenleistungen gefunden wurden. Es seien in der Vergangenheit Dinge passiert, die die Reputation des Unternehmens nachhaltig geschädigt hätten und die aufgeklärt werden müssten, "sonst haben wir keine Zukunft", betonte TA-Generaldirektor Hannes Ametensreiter.

Eigenkapital geschmolzen
Aber auch finanziell hatte man bei der Telekom wenig zu lachen: Das Eigenkapital sei im Vorjahr geschmolzen, dennoch sprach Tschuden, von einer "soliden Eigenkapitalbasis". Die Nettoverschuldung der Telekom habe vor allem wegen der drei Akquisitionen um 75 Mio. Euro zugelegt. Als Kernelemente der Finanzierungsstrategie bezeichnete Tschuden die Beibehaltung der zwei Ratings der Telekom bei Moody's und bei S&P.

Zwei Hauptgründe für Verlust
Den Verlust 2011 in Höhe von 253 Mio. Euro führte Tschuden vor allem auf "zwei Sondereffekte" zurück, das Engagement in Weißrussland sowie die Personalstruktur des Unternehmens. Allein diese zwei Ereignisse belasteten das Ergebnis mit 480 Mio. Euro. Die Ausschüttung der Dividende von 38 Cent für 2011 trotz eines Verlustes verteidigte Tschuden damit, dass dieser wie schon erwähnt auf die Sondereffekte zurückzuführen sei, die nicht Cash-wirksam waren. Darüber hinaus habe man einen starken Cash-Flow sowie eine solide Eigenkapitalquote, die bei 49 Prozent liege. Die Dividende sei leistbar und gerechtfertigt.

Maßnahmen für 2013
Bis 2013 soll die Telekom 130 Mio. Euro zusätzlichen Cash-Flow generieren. Dazu habe man 75 Maßnahmen definiert. 90 Prozent dieser Maßnahmen seien bereits im ersten Quartal 2012 initiiert worden. So sollen etwa 30 Prozent aus Umsatzsteigerungen kommen, 55 Prozent aus dem Kostenmanagement. Für heuer seien 40 Mio. Euro Cash-Flow-Plus eingeplant, berichtete Tschuden. Für 2012 will die Telekom ihren Umsatz auf 4,4 Mrd. Euro steigern und einen bereinigten operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBIDTA) von 1,5 Mrd. Euro erwirtschaften.

Aufsichtsrat entlastet
Die Hauptversammlung der Telekom Austria hat den Vorstand und den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2011 entlastet. Der Vorstand, Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden, wurden mit 99,9892 Prozent der Stimmen entlastet. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Peter Michaelis bis Mai 2011, danach von Markus Beyrer übernommen, wurde mit 99,9638 Prozent ebenfalls entlastet. Auch die vom Vorstand vorgeschlagene Dividende von 38 Cent je Aktie wurde von der Aktionärsversammlung beschlossen, die Ausschüttung ist ab 30. Mai 2012 geplant. Bei der Hauptversammlung waren knapp 70 Prozent des Grundkapitals vertreten.

Pecik zieht in Aufsichtsrat ein
Der zum Großinvestor bei der Telekom Austria aufgestiegene gebürtige Kroate Ronny Pecik ist mit knapp über 73 Prozent der Stimmen in den Aufsichtsrat des börsenotierten Konzerns gewählt worden. Pecik hält nach eigenen Angaben 21 Prozent an der Telekom, plant derzeit aber nicht weiter aufzustocken. Der Aufsichtsrat wurde auf seinen Antrag von acht auf neun Kapitalvertreter erweitert.

Ägyptischer Investor vorerst in Warteposition
Der ägyptische Investor Naguib Sawiris werde einstweilen nicht in den Aufsichtsrat gewählt werden, sagte Pecik vor der Abstimmung. Dass er sich mit dem Ägypter zerstritten hätte, wie in einer Zeitung zu lesen, wies Pecik im Vorfeld der Abstimmung zurück. Sawiris sei eine treibende Wirtschaftskraft in Ägypten, da in Ägypten Präsidentenwahlen abgehalten werden, könne er derzeit nicht in den Aufsichtsrat einziehen, so Pecik.

Er habe bisher nie ein Unternehmen filetiert, meinte er auf Aktionärsfragen. Pecik stellte sich den Aktionären wiederholt als erfolgreicher Unternehmenssanierer vor. "Ich glaube daran, dass das Unternehmen viel kann. Ich habe die Chance genutzt, dass ein großes Aktienpaket am Markt war", so der Großaktionär.