"Teilzeit ist für Frauen eine Sackgasse":
Heinisch-Hosek nimmt Betriebe in die Pflicht

Teilzeitkräfte verdienen weniger als ihnen zusteht Gewaltige Unterschiede bei Bruttostundenlöhnen

"Teilzeit ist für Frauen eine Sackgasse":
Heinisch-Hosek nimmt Betriebe in die Pflicht © Bild: APA/dpa/Grubitzsch

Teilzeitkräfte verdienen für die gleiche Arbeit weniger als Vollzeitkräfte, in manchen Branchen sind es bis zu drei Euro Unterschied beim Bruttostundenlohn. Das geht aus einer Studie zur Qualität von Teilzeitbeschäftigung hervor, die Frauenministerin Heinisch-Hosek präsentiert hat. Für mehr Einkommenstransparenz in Betrieben soll bis Jahresmitte ein Gesetzesentwurf vorliegen.

"Teilzeit kann für Frauen eine Sackgasse sein, wir müssen ihnen helfen, da raus zu kommen", so Heinisch-Hosek. Rund 700.000 Frauen in Österreich arbeiten Teilzeit, laut Untersuchung wünsche sich jedoch ein Viertel von ihnen, dass ihre Wochenstunden aufgestockt werden. "Teilzeit bedeutet teilweise auch Dequalifizierung. Das heißt, der Einstieg nach der Unterbrechung - meistens eine Babypause - erfolgt in einem Bereich, der nicht ihrer Ausbildung entspricht. Betriebe verschwenden hier Ressourcen", stellte die Ministerin fest. Heinisch-Hosek forderte deshalb eine Informationspflicht für Betriebe. Das bedeutet, bevor ein Vollzeitjob per Inserat ausgeschrieben wird, sollen Teilzeitbeschäftigte in der Firma über die Position informiert werden.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Bruttostundenlöhnen, wo zum Teil 30 Prozent Unterschied bestehen. Die Ministerin will deshalb, dass in den Betrieben künftig die durchschnittlichen Gehälter anonym offengelegt werden. Einsicht haben sollten das Wirtschafts-, das Sozial- und das Frauenministerium sowie die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Eine Kommission soll diese Einkommensberichte dann stichprobenartig prüfen. Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, könnten Sanktionen in Form von Verwaltungsstrafen drohen.

WKÖ: Teilzeitarbeit keine Notlösung
"Teilzeit zu arbeiten ist ein vielfacher Wunsch der Frauen, weil es ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht und keinesfalls eine aufgezwungene Notlösung", kommentierte die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna Maria Hochhauser, die von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentierte Studie zur Qualität von Teilzeitbeschäftigung. 2009 sei die Nachfrage arbeitsloser Frauen nach Teilzeit-Jobs siebenmal höher gewesen als die beim AMS verfügbaren Stellen.

Laut WKÖ äußerten beim AMS im Vorjahr pro Monat 31.540 arbeitslose Frauen den Wunsch nach Teilzeitarbeit. Dem standen 4.398 freie Teilzeitstellen gegenüber. "Versuche, Teilzeitarbeit schlechtzureden, gehen daher an der Realität vorbei", so Hochhauser. Mit der Flexibilisierung der Zuverdienstgrenze zum Kinderbetreuungsgeld, dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld und der Einführung des Gratiskindergartens sei schon einiges in Bewegung gekommen. Beim Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen bestehe aber nach wie vor Aufholbedarf.

Grüne fordern Rückkehrrecht auf Vollzeit
Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, befürwortet den Vorstoß der Ministerin nach Offenlegung der durchschnittlichen Gehälter und fordert eine Aufwertung der Teilzeit: "Wer in Teilzeit arbeitet, soll ein gesetzliches Recht auf Rückkehr in Vollzeit bekommen. Damit soll verhindert werden, dass teilzeitbeschäftigte Frauen in einer beruflichen Sackgasse landen." Eine Verbesserung der Einkommenssituation von Teilzeitkräften könnte ein gesetzlicher Mindeststundenlohn bringen. "Dringend nötig" nach Schwentner wären auch mehr Informationen über den Anspruch auf Mehrarbeitszuschlägen, denn viele Frauen seien darüber nur unzureichend informiert.

(apa/red)