Teddy Kollek ist tot: Ex-Bürgermeister von Jerusalem im Alter von 95 Jahren gestorben!

1911 in Ungarn geboren & in Wien aufgewachsen Von 1965 bis 1993 Bürgermeister der heiligen Stadt

Teddy Kollek ist tot: Ex-Bürgermeister von Jerusalem im Alter von 95 Jahren gestorben!

Der legendäre frühere Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, ist tot. Der 95-Jährige, der von 1965 bis 1993 an der Spitze der Stadt stand, starb. Ministerpräsident Ehud Olmert, der ihm einst eine Wahlniederlage zugefügt und ihn als Stadtoberhaupt abgelöst hatte, würdigte Kollek als "Bauherrn des modernen Jerusalem". Der in Wien aufgewachsene Altösterreicher habe Jerusalem "in aller Welt berühmt" gemacht.

Das Begräbnis Kolleks soll auf dem Herzlberg in Jerusalem stattfinden. Am Morgen soll der Sarg zunächst auf dem Safra-Platz aufgebahrt und dann in einer Trauerprozession auf den Friedhof gebracht werden, auf dem die wichtigsten Persönlichkeiten der israelischen Geschichte begraben liegen.

Kollek wurde am 27. Mai 1911 als Sohn eines Bankiers noch in der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn im Dorf Nagyvaszony bei Budapest geboren. Sein Vater benannte ihn nach dem Begründer des modernen Zionismus, Theodor Herzl. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Wien. Schon bald trat er der zionistischen Jugendbewegung Blau-Weiß bei. Er maturierte und bereitete sich auf seine Auswanderung in das britische Mandatsgebiet Palästina vor, die 1935 erfolgte. Während des Zweiten Weltkriegs war Kollek in geheimer Mission in Europa, u.a. in London, um Juden vor der Vernichtung durch Nazi-Deutschland zu retten. Nach mehreren Funktionen im Bereich der Einwanderung und Außenpolitik wurde der Sozialdemokrat 1965 für 28 Jahre Bürgermeister Jerusalems, dessen Ostteil mit der Altstadt Israel im Sechstagekrieg 1967 eroberte. Sein rechtskonservativer Herausforderer Olmert löste ihn 1993 als Bürgermeister ab. Im selben Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Wien und 2001 verlieh ihm Wien die Ehrenbürgerschaft.

"Er war ein großer Mann, ein großer Versöhner, einer, der Hass nicht kannte" - Mit diesen Worten würdigte der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk seinen verstorbenen ehemaligen Amtskollegen. "Ich bin stolz darauf, dass er mich als guten Freund betrachtet hat." Er, Zilk, sei auch stolz darauf, dass er Kollek mit Wien wieder versöhnt habe. Kollek wollte laut Zilk nach der NS-Herrschaft nicht mehr nach Österreich kommen. "Es ist mir aber gelungen, ihn zu überzeugen, dass es eine andere Stadt geworden ist und auch die Menschen nicht mehr dieselben sind", berichtete Zilk von einem Besuch bei Teddy Kollek in Israel. Dieser sei daraufhin mehrmals in Wien gewesen. Kollek habe "unendlich viel" für die Herstellung normalisierter Beziehungen zwischen Österreich und Israel geleistet. Zilks Nachfolger, Bürgermeister Michael Häupl, zeigte sich in einer Aussendung ebenfalls vom Tod Kolleks betroffen: "Wir verlieren einen wahrhaft großen Menschen, einen Menschen, der sich mit ganzer Seele für den Frieden und für das Miteinander eingesetzt hat."

Im Namen der Bundesregierung kondolierte Kunststaatssekretär Franz Morak, der Kollek als "einen bedeutenden und herausragenden Politiker und Brückenbauer" charakterisierte. "Teddy Kollek hat sich um den Aufbau der Beziehungen zwischen Österreich und Israel große Verdienste erworben." Mit der von ihm gegründeten Jerusalem Foundation habe Kollek "ein nachhaltiges Instrumentarium geschaffen, Jerusalem international ins Blickfeld zu rücken und gerade im kulturellen und bildungspolitischen Bereich wichtige Akzente zu setzen." In seiner Eigenschaft als Präsident der Jerusalem Foundation Österreichs würdigte Ex-Außenminister Peter Jankowitsch Kolleks "Politik des Ausgleichs und der religiösen und ethnischen Toleranz". Der Verstorbene habe versucht, der Stadt ein neues "Modell des friedlichen Zusammenlebens" aller ihrer Volksgruppen zu vermitteln.

Tief betroffen zeigten sich seitens der SPÖ Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Parteivorsitzender Alfred Gusenbauer. Kaum ein Politiker habe sich so für die Versöhnung zwischen Juden und Arabern eingesetzt wie er, erklärte Prammer. "Er war ein Mann mit einem großen Herzen, der sich Zeit seines Lebens für die Menschen eingesetzt hat. Er wird unvergessen bleiben, und wir sind in diesen Stunden in Gedanken bei seiner Familie." Gusenbauer würdigte Kollek als "herausragenden politischen Menschen". Er war "ein kritischer Geist und eine Persönlichkeit, die sich stets um das Zusammenleben und das friedliche Nebeneinander der verschiedenen Religionen bemüht hat."

Kardinal Christoph Schönborn erinnerte laut Kathpress unter anderem daran, dass die Rückgabe des Österreichischen Hospizes in Jerusalem an die katholische Kirche "weitgehend ein Verdienst Kolleks war." Der Jerusalem Foundation gehe es in besonderer Weise um die interreligiöse Versöhnung in der Heiligen Stadt. Eine der jüngsten Initiativen der Stiftung sei die Instandsetzung der Via Dolorosa gewesen, sagte Schönborn. Traurig Abschied nahm auch Leon Zelman, der Leiter des Jewish Welcome Service: "Teddy Kollek war für mich ein großes Vorbild in menschlicher wie politischer Hinsicht. Wir verlieren mit ihm einen großen Humanisten und Visionär."

(APA/red)