Neuer Roman von

T. C. Boyle: "Die ganze Welt wird von Schurken regiert"

Der Weltliterat über die amerikanische Seele, den Zwang, zu töten, Zensur und Terror

T.C. Boyle © Bild: APA/Hochmuth

Entschlossenes Gebell im Hintergrund, gegen das sich das freundliche Amerikanisch des Hundehalters am Telefon nicht ohne Mühe durchsetzt. Es ist kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit. Nachmittag in Kalifornien, wo der Weltautor T. C. Boyle, dem man die 66 nicht ansähe, ein Ferienhaus hält. Seit den frühen Morgenstunden ist der drahtige Universitätsprofessor für englische Sprache schon am Arbeiten. In zwei Wochen geht er mit dem eben erschienenen Roman "Hart auf hart"(Hanser, 23,60 Euro) auf Europa-Tournee, am 26. Februar tritt er im Wiener Gartenbau-Kino auf.

Das aktuelle Werk ist von der sarkastischen, düster pointierten Radikalität, die Boyles Romanen eignet. Eine der Hauptpersonen ist Sten, Vietnam-Veteran und pensionierter Schuldirektor, der sich seiner Probleme auf traditionell amerikanische Weise entledigt: Er erwürgt einen ihn attackierenden Banditen und wird zum Kleinstadthelden. Ein Problem allerdings will sich nicht in Stens Griff fügen: Sein Sohn Adam, dem er außer Videospielen und Actionfilmen nichts zu bieten wusste, verfällt in Wahn und Mordlust.

NEWS: Sie stellen Ihrem Roman ein Zitat des Schriftstellers D. H. Lawrence voran: Die amerikanische Seele wäre "hart, einzelgängerisch, stoisch und ein Mörder". Offenbar schließen Sie sich dieser Einschätzung an.
Boyle: Schauen Sie sich doch die amerikanische Seele an! Was unterscheidet sie von der österreichischen, der deutschen oder der französischen? Dass wir ein junges Land sind, ein Land von Pionieren. Hier herrscht immer noch die faszinierende Idee vom amerikanischen Cowboy, die Idee von Unabhängigkeit und unversöhnlicher Kompromisslosigkeit. Diese "Tritt mir nicht zu nahe"-Haltung, dieses Denken Mann gegen Mann, Gewehr gegen Gewehr, dieses "Hart-auf-hart", ist hier noch immer Realität.

NEWS: Kommen daher die vielen Amokschützen, Schulmassaker und Sniper, die ihren Mitmenschen auflauern?
Boyle: Das Problem, dass sich immer mehr junge weiße Männer Schusswaffen beschaffen und Menschen töten, wird von Tag zu Tag größer. Mein Roman beruht auf einer wahren Geschichte. Diesen Mann, ich nenne ihn Adam, gab es tatsächlich in Fort Bragg in Kalifornien. Die Polizei verfolgte ihn fast fünf Wochen lang, er hielt sich in den Wäldern versteckt. Und nachdem ich im Sommer 2013 die Arbeit an meinem Roman abgeschlossen hatte, ereigneten sich weitere solche Fälle, einer in Pennsylvania und einer in St. Barbara, wo ich wohne. Ich dachte, jetzt ist die ganze Welt verrückt geworden. In allen drei Fällen waren die Täter junge Männer, alle litten unter schweren Persönlichkeitsstörungen.

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