Taxler betäubte und beraubte Fahrgäste:
Spielsüchtiger muss neun Jahre einsitzen

52-Jähriger verabreichte Kunden Betäubungsmittel Richter: "Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses"

Taxler betäubte und beraubte Fahrgäste:
Spielsüchtiger muss neun Jahre einsitzen

Üblicherweise sind Taxifahrer Opfer von Raubüberfällen. In einem Fall, den ein Wiener Schöffensenat (Vorsitz: Wolfgang Fahrner) zu beurteilen hatte, war es umgekehrt: Ein 52 Jahre alter Taxilenker betäubte zahlreiche Fahrgäste, indem er ihnen ein mit Schlaftabletten versetztes Getränk kredenzte. Danach eignete er sich ihre Brieftaschen an, um mit deren Inhalt seine Spielsucht zu finanzieren.

Der Angeklagte, der regelmäßig am Westbahnhof auf Fahrgäste wartete, ging besonders abgefeimt vor: Zuerst bot er der Kundschaft salzhaltige Kekse an und drehte die Heizung ordentlich auf. Nach einer Weile offerierte er den durchwegs älteren Damen und Herren Mineralwasser oder Eistee.

Drei seiner Opfer verloren umgehend das Bewusstsein. "Mir ist der Film gerissen", erzählte etwa eine 78 Jahre alte Deutsche nun als Zeugin dem Gericht. Der Taxler habe sie zu deren Schwester chauffiert, deren Adresse er offenbar aus ihrer Brieftasche fischte.

Dieser erklärte er, die 78-Jährige wäre im Zug ausgeraubt worden. Danach kassierte er von der Schwester noch einen weit überhöhten Fuhrlohn von 150 Euro, während sein Opfer im Spital behandelt werden musste. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass der vorgeblich so hilfsbereite Taxler diesem 350 Euro gestohlen hatte.

Neun Jahre
Der Taxilenker, der zwischen August 2008 und Februar 2009 über ein Dutzend meist weibliche Fahrgäste betäubt und ausgeraubt hatte, ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Besonders erschwerend wertete das Gericht die acht Vorstrafen des 52-Jährigen sowie den Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses.

"Wenn ich mir am Bahnhof ein Taxi nehm', will ich gesund heimkommen. Sonst kann ich gleich autostoppen", meinte Richter Wolfgang Fahrner in der Urteilsbegründung.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Elmar Kresbach erbat Bedenkzeit.

Dem einarmigen Banditen verfallen
Der Taxifahrer hatte zugegeben, aus finanzieller Not meiste betagte Kundinnen mit mit Schlafmitteln versetzten Getränken betäubt bzw. handlungsunfähig gemacht zu haben. Er sei seit 30 Jahren dem Glücksspiel verfallen, fast jeden Tag habe ihn der Weg in den Prater zu den "einarmigen Banditen" geführt, erklärte der Angeklagte.

Das Älteste seiner Opfer war zum Tatzeitpunkt 88 Jahre alt. Einer seiner Kunden wäre um ein Haar ums Leben gekommen: Der Taxler hatte den Mann nach Schwechat chauffiert und ihn dort in einer kalten Winternacht vor seinem Einfamilienhaus abgesetzt. Im Freien entfaltete das Schlafmittel seine Wirkung. Der Mann schaffte es nicht mehr ins Haus, fiel in den Schnee und schlief ein. Als ihn sein Sohn entdeckte, war die Körpertemperatur des Mannes bereits auf 34 Grad gesunken.

(apa/red)