Tauwetter zwischen USA & Iran? Teheran
und Washington wollen Gespräche über Irak

Zur Klärung iranischer Aktivitäten im Nachbarland Keine Verhandlungen über Atomprogramm geplant

Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Khamenei, hat Gesprächen mit den USA über die Lage im Irak zugestimmt. Gleichzeitig kündigte er an, dass iranische Diplomaten die US-Vertreter zum Abzug aus dem Irak auffordern würden. Im Irak selbst haben am Mittwoch etwa 60 Aufständische eine Polizeistation in der irakischen Stadt Madain gestürmt. Amerikanische und irakische Sicherheitskräfte lieferten sich ein zweistündiges Gefecht mit den Angreifern und konnten schließlich 50 von ihnen gefangen nehmen. Vier Polizisten wurden getötet, darunter der Kommandant einer irakischen Spezialeinheit.

In Bagdad wurden bei mehreren Anschlägen zahlreiche Polizisten verletzt, ein schiitischer Pilger kam beim Angriff auf einen Konvoi ums Leben. Auf einer Straße nördlich von Bakuba töteten Aufständische drei Zivilpersonen, die eine Ladung Ziegel transportierten.

Gespräche zwischen der Islamischen Republik und den USA seien unproblematisch, wenn die iranische Seite ihre Ansichten bezüglich des Iraks frei äußern könne, sagte Khamenei am Dienstag in einer Fernsehansprache. "Wenn die Gespräche aber dazu dienen, hinterlistigen Amerikanern eine Plattform zu bieten, um mit ihrer schikanösen Art weiterzumachen, sind Gespräche verboten", sagte Khamenei. Beide Staaten gelten als verfeindet und unterhalten seit Jahrzehnten zueinander keine diplomatische Beziehungen mehr.

US-Präsident George W. Bush will nach eigenen Angaben bei den Gesprächen deutlich machen, dass die USA keine Versuche dulden werden, religiös-motivierte Gewalt im Irak zu verbreiten. Teheran hat derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen. Aus Kreisen irakischer Politiker hieß es, der US-Botschafter im Irak werde diese Woche mit Vertretern des Iran zusammentreffen.

"Unsere Meinung bezüglich des Irak ist ganz klar, dass die amerikanische Regierung den Irak verlassen und damit aufhören sollte, ethnische Spannungen zu provozieren", sagte Khamenei weiter. So könne das Land wieder zu Frieden und Sicherheit finden.

Zwischen den USA und dem Iran herrscht bereits Streit um das iranische Atomprogramm. Bush bezeichnete das Land als eine Gefahr. Die Gespräche der beiden Parteien über die Situation im Irak sollen jedoch unabhängig von diesem Konflikt stattfinden.
(apa/red)