Tauerntunnel von

Letzter Engpass beseitigt

Zweite Röhre des Tauerntunnels eröffnet. Staus dennoch nicht auszuschließen

Tauerntunnel - Letzter Engpass beseitigt © Bild: Corbis

Das letzte Autobahn-Nadelöhr zwischen Hamburg und Sizilien ist Geschichte: Ab sofort ist auch der Tauerntunnel zweiröhrig. Mit anderen Worten: Die wichtigste Nord-Süd-Straßenverbindung durch die Alpen ist erstmals durchgehend zweispurig befahrbar. Staus werden sich dennoch nicht ganz vermeiden lassen.

36 Jahre ist es her, dass die Tauernautobahn eröffent wurde. Mitte der 1980er Jahre waren dann die Pläne für die zweite Röhre fertig. Dass deren Umsetzung so lange auf sich warten lassen sollte, ahnte man damals wohl noch nicht. Während die Salzburger Bevölkerung bis zur Inbetriebnahme des ersten Tunnels dem Projekt angesichts des erwarteten wirtschaftlichen Aufschwungs positiv entgegenblickte, änderte sich bald deren Einstellung aufgrund der wachsenden Verkehrsbelastung.

Auf Eis gelegt
Proteste wurden laut, der Bau der zweiten Röhre wurde auf Eis gelegt. Dann das Feuerinferno im Mai 1999, bei dem im Tauerntunnel zwölf Menschen ums Leben kamen und weitere 42 verletzt wurden. Der Ruf nach Sicherheit wurde laut, der Bau der zweiten Röhre von neuem gefordert, da nur so der riskante Gegenverkehr im Tunnel beendet werden konnte.

309 Millionen Euro hat die Asfinag nun in den Bau der neuen und die Sanierung der alten Röhren investiert - 197 Millionen Euro für den 6,4 Kilometer langen Tauern- und 112 Millionen Euro für den 5,5 Kilometer langen Katschbergtunnel. Eine Invesition, die sich bezahlt macht, sind jetzt sämtliche 212 Kilometer auf der Strecke zweispurig befahrbar.

Staufreie Zone?
Ob damit eine völlig freie Fahrt von Nord nach Süd möglich ist, wird sich weisen: Denn nun könnte die Mautstelle bei St. Michael im Lungau an Reisewochenenden zur Engstelle werden. Die Asfinag hat zwar noch fünf zusätzliche Abfertigungsstreifen errichtet, vor allem im Juli und August, wenn sich die Verkehrslawine in beide Richtungen wälzt, erwartet ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke "mit Sicherheit" Verzögerungen.

Er appelliert an alle Autofahrer, von der Möglichkeit der Videomaut Gebrauch zu machen. Asfinag-Vorstand Alois Schedl rechnet hingegen mit keinen Staus: An Reisewochenenden erwarte man bis zu 2.000 Autos pro Stunde, die Mautstelle könne aber bis zu 2.200 Fahrzeuge abfertigen. "Kleine Störungen" könne es aber geben, wenn beispielsweise ein Fahrzeug in der falschen Spur eingeordnet sei.

Musterschüler in Sachen Sicherheit
In Sachen Sicherheit wurden die beiden Tunnel vom Nachzügler zum Musterschüler. Gab es in den einröhrigen Tunneln im Unglücksfall ein Entrinnen nur durch die beiden Portale, finden sich nun im Durchschnitt alle 250 Meter Querschläge zum zweiten Stollen als Fluchtweg. Teilweise sind diese so groß, dass sie sogar von Lkw oder zumindest von Einsatzfahrzeugen genutzt werden können.

Politisch durchsetzbar wurden die beiden Röhren erst, weil sich die Straßengesellschaft Asfinag zu einer ganzen Reihe von Umweltmaßnahmen verpflichtete. Bis 2020 muss sie entlang der Tauernautobahn in Salzburg und Kärnten zahlreiche Lärmschutzprojekte errichten. Diese kosten in Summe rund 300 Millionen Euro und sind damit genau so teuer wie die beiden Tunnelröhren. Der erste Block mit Maßnahmen um 77 Millionen Euro ist inzwischen realisiert.