TV-Kritik von

Ein sehenwertes "Tatortle"

Lügende Polizisten unter Druck in Stuttgart - mit nur einem Wermutstropfen

"Tatort" aus Stuttgart © Bild: ORF/ARD/Johannes Krieg

Sonntag Abend, das Wetter ist mau, es ist stockfinster. Was böte sich da besseres an, als „Tatort“ zu schauen. Dieses Mal gab es Ermittlungen aus dem schönen Schwaben-Ländle. Die Stuttgarter Ermittler Lannert und Bootz durfen wieder einmal ran bzw. wurden dabei auch selbst „ran genommen“. Sie mussten vor der Dienstaufsicht Rede und Antwort stehen. Und klärten so ganz nebenbei einen Fall auf.

THEMEN:

„Eine Frage des Gewissens“ nannte sich der Stuttgarter „Tatort“, der auch teilweise in Tübingen spielte. Darin musste sich Kommissar Lannert (Richy Müller) vor der Dienstaufsichtsbehörde rechtfertigen. Er hatte bei einem Supermarktüberfall den „finalen Rettungsschuss“ auf den Geiselnehmer abgegeben – und diesen damit getötet. Sein Kollege Bootz (Felix Klare) hat einstweilen eine Zeugin zu Boden gerissen, um sie aus der Schusslinie zu ziehen – und damit den Schuss nicht gesehen. Dennoch gibt er vor Gericht an, er hätte alles genau gesehen, der „Rettungsschuss“ seines Kollegen sei absolut gerechtfertigt gewesen.

Tatort Stuttgart
© ORF/ARD/Johannes Krieg Bootz findet die tote Zeugin - und damit sich selbstin Bedrängnis

Die Zeugin jedoch widerspricht dem lügenden Polizisten und bringt diesen damit unter Druck. Doch dann stirbt genau diese Zeugin noch vor dem zweiten Anhörungstermin – und Bootz ist derjenige, der sie findet. Eine Verstrickung in Lügen, in die dieses Mal nicht nur die Verdächtigen, sondern auch die Polizisten selbst verstrickt sind.

Sehenswert...

Insofern gestaltete sich der Stuttgarter „Tatort“ als durchaus sehenswert, wenn auch mehr spannender Justiz-Thriller denn nervenzermürbender Action-Krimi. Dabei drängte sich die Frage auf: Wie weit darf die Polizei gehen? War dieser „finale Rettungsschuss“, der vielleicht einigen Menschen das Leben rettete, dafür einem anderen dieses nahm, gerechtfertigt? Eine der aufwühlendsten Szenen ist mitnichten jene, in der Lannert in die Wohnung der Mutter des erschossenen Geiselnehmers eintritt und etwas sagen, erklären will, aber kein Wort herausbringt. Auch die privaten Probleme seine Kollegen Bootz, der seine Scheidung im Alkohol ertränkt, passt gut in das Bild der nicht ganz trittfesten Ermittler.

Tatort Stuttgart
© ORF/ARD/Johannes Krieg Wie gerechtfertigt war Lannerts "finaler Rettungsschuss"?

...mit Wermutstropfen

Einziger Wermutstropfen in dieser Folge aus Stuttgart ist die gar zu arge Konstruiertheit des Falles: Fängt alles noch überaus glaubwürdig und nachvollziehbar sowie die Gewissensfrage anregend an, so ist das Ende, in dem eine vergewaltigte Frau ihren Peiniger zufällig im Gericht wiedertrifft und in weiterer Folge noch ein Mensch stirbt, doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Dennoch ein alles in allem sehenswertes „Tatortle“ aus Baden-Württemberg.

Die Twitter-Meinungen zum "Tatort":

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