Tatort von

Erschreckend real

Totgeprügelt ohne Grund: Ritter und Stark ermitteln in Berlin-Kreuzberg

Tatort "Gegen den Kopf" © Bild: ORF/ARD/Frédéric Batier

Es sind Szenen, die leider mittlerweile zum traurigen Alltag gehören: Frustrierte, gelangweilte Teenager suchen sich Nachts in der U-Bahn ein wehrloses Opfer aus. In "Gegen den Kopf" ist es ein älterer Mann mit Krücke. Die 2 Jugendlichen sind aggressiv, pöbeln ihn an, nehmen ihm die Krücke weg, wollen sein Geld. Im Zug sehen alle weg. Ein Mann mit Zivilcourage greift ein und bezahlt dafür mit seinem Leben. Dieser Fall ist so erschreckend real, dass der TV-Zuschauer am liebsten selber eingreifen möchte.

THEMEN:

Der 38-jährige Mark Haessler (Enno Kalisch) wird auf dem U-Bahnsteig Schönleinstraße in Berlin-Kreuzberg tot aufgefunden – offenbar totgeprügelt von zwei flüchtigen Jugendlichen, mit denen er zuvor im Zug aneinander geraten war, weil sie einen gehbehinderten Mann belästigt hatten. Haessler kann reanimiert werden, stirbt dann aber kurze Zeit später im Krankenhaus. Er hinterlässt Frau und Kind.

Tatort Berlin
© ORF/ARD/Frédéric Batier

Die Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) versuchen anhand diverser Zeugenaussagen, Mobilfunknetze sowie Verkehrs- und Sicherheitsüberwachungen zu rekonstruieren, was in der Nacht genau geschah.

Gelungener Fall ohne Action

Dieser "Tatort" spricht ein gesellschaftliches Problem an und möchte zum Nachdenken anregen. Er ist so ganz anders als die anderen "Tatort"-Episoden. Keine groß konstruierte Geschichte, keine privaten oder zwischenmenschlichen Erzählungen lenken hier ab. Ein nüchterner Blick auf die mühsame Polizeiarbeit, die versucht den Täter zu finden. Stück für Stück bereitet die gelungene Story dem Zuschauer Spannung. Und auch ganz ohne Action zeigt dieser Fall, dass bei den Ermittlerin nicht immer alles glatt läuft.

Held ist Opfer

Pannen, Versäumnisse und ein Maulwurf lassen die Polizei nicht gerade als Superhelden dastehen. Doch der Held ist in diesem Fall ohnehin nur das Opfer. Unsere Gesellschaft braucht mehr Helden. Menschen die helfen und nicht wegsehen.

Totgeprügelt ohne Grund. Dieser "Tatort" ist leider so erschreckend real.

Kommentare

Oberon

Da hat's gestern nach dem "Tatort" eine Diskussionsrunde mit Günther Jauch, einem Jugendrichter, dem deutschen Justizminister, einem Opfer von Gewalt usw. gegeben. Untertitel: Tatort U-Bahnhof - machtlos gegen Jugendgewalt. Kann ich nur empfehlen!
Mich hätte allerdings interessiert, was der Jugendrichter noch zu sagen hat. Das war einfach zu kurz. Wollte man etwa keine Illusionen zerstören??

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