TV-Kritik von

"Tatort": Hart, härter, Kiel

Die brutale Realität tat beim Zusehen weh - doch zeichnete die Folge auch aus

ORF Tatort Kiel Borowski © Bild: ORF/ARD/Christine Schröder

Hart, härter, Kiel-„Tatort“. Gestern Abend ermittelter wieder einmal Kommissar Borowski mit seinem Sidekick Sarah Brandt. Und die Folge mit dem Titel „Borowski und der Himmel über Kiel“ tat richtig weh. Doch genau darum war sie auch richtig gut.

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Das passiert selten beim „Tatort“: Kritiker, Zuseher und Twitter-Publikum sind sich zum großen Teil einig und das in positiver Form. Der gestrige „Tatort“ aus Kiel kam rundum gut an – und das auch zurecht.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ermittelten dieses Mal in der Kieler Drogenszene. In dem Kaff Mundsforde in der Nähe der Stadt wurde eine Leiche bzw. besser gesagt nur der Kopf dieser gefunden. Nach ersten Nachforschungen stellt sich der Tote mit Namen Mike als drogensüchtiger Crystal Meth-Konsument heraus. Immer wieder tauchen die beiden Kommissare in die Meth-Szene ein und da tun sich böse Abgründe auf. Jugendliche, die allzu schnell dem Rausch verfallen und von der tödlichen Drogen nicht mehr los kommen sowie die damit verbundenen Folgen, der Abhängigkeit von Dealern.

ORF Tatort Kiel Borowski
© ORF/ARD/Christine Schröder

Dunkle Bedrohung

Nur Rita, die Ex-Freundin von Mike, hat den Ausstieg geschafft und will mit den Kommissaren zusammenarbeiten. Doch so einfach ist es nicht für sie, denn sie wird von ehemaligen Dealern bedroht, sollte sie bei der Polizei auspacken.

ORF Tatort Kiel Borowski
© ORF/ARD/Christine Schröder Rita wird bedroht

Brutale Realität

Es war ganz und gar kein Wohlfühl-„Tatort“ in der Art des Münster –Klamauks, der gestern Abend über die deutschsprachigen Bildschirme flimmerte. Allzu real wirkten die Jugendlichen, deren Drogenrausch im Anfangsstadium tatsächlich verlockend wirkt (Party und Sex bis zum Umfallen), jedoch die Abhängigen immer mehr abdriften lässt in die traurige Junkie-Welt.

ORF Tatort Kiel Borowski
© ORF/ARD/Christine Schröder Endlose Drogen- und Sex-Partys

Kein Hinweis auf "Breaking Bad": Danke!

Gelungen ist bei „Borowski und der Himmel über Kiel“ dabei so einiges: Der Fokus auf die Auswirkungen dieser verheerenden Droge war bislang meist nur Nebensache und wurde hier wirklich gut dargestellt. Ebenso muss es den Machern sehr hoch angerechnet werden, beim Thema Crystal Meth auf den einen Verweis zu verzichten, der die gefährliche Droge tatsächlich breitenwirksam publik gemacht hat: „Breaking Bad“. Kein einziger Hinweis auf die erfolgreiche US-Serie, sondern eine ernste Auseinandersetzung mit dem Thema. Da kann man nur sagen: Gut gemacht! Überhaupt lag der Fokus hier genau richtig, denn auch sämtliche privaten Querelen und Problemchen der Ermittler wurden zur Gänze ausgespart, stattdessen galt die ganze Aufmerksamkeit dem Fall.

ORF Tatort Kiel Borowski
© ORF/ARD/Christine Schröder Auch wenn sie den Mord aufgeklärt haben: Die brutale Drogenszene läuft weiter

Und auch nach dem Abspann ließ einen das beklemmende Gefühl dieser Story rund um die drogensüchtigen Jugendlichen nicht ganz los. Zu tragisch und zu real die Bedrohung der Mode-Droge – und beinahe noch viel schlimmer, das Gefühl, dass Ritas Vergewaltiger niemals gefasst wurden, was wohl mindestens ebenso real ist wie die Darstellung der Drogenszene. Traurig und deprimierend. Aber genau deshalb so gelungen.

Das sagten die Twitter-User zum #tatort:

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