Niederösterreich von

Schweißtreibender "Tatort"-Dreh

Das Austro-Team schwitzte bei der letzten Klappe für den "Grenzfall"

Tatort - Grenzfall © Bild: ORF/Hubert Mican

Bei drückender Hitze und einer überschaubaren Anzahl schattiger Plätzen werden Dreharbeiten zum schweißtreibenden Unterfangen. Das ORF-Team des "Tatort" verspürte das am gestrigen Montag im niederösterreichischen Hardegg am eigenen Leib. An der Grenze zu Tschechien fällt dieser Tage die letzte Klappe zur Folge "Grenzfall" unter der Regie Rupert Hennings: "Zum Glück gibt das Buch kein Wetter vor."

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Würde sich der Neo-"Tatort"-Regisseur bei seinem Drehbuchautor beschweren wollen, müsste er ohnedies an der eigenen Haustür klopfen. Der gebürtige Kärntner hat den Kriminalfall mit historischem Einschlag nämlich selbst verfasst. "Ich bin ein großer Streicher und Änderer von eigenen Texten", erläuterte er Journalisten während einer Drehpause. "Das ist wie ein Destillationsverfahren: Man hat fünf Kartons an recherchiertem Material und fragt sich, wie zur Hölle man das in 90 Minuten unterbringen soll."


In den Fokus rückt Henning die Zeit des Eisernen Vorhangs, die aufgrund einer Familiengeschichte sowie eines obligatorischen Mordfalls letztlich auch das Ermittlerduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) beschäftigt. Die Inspiration dazu stammt wiederum von der Ö1-Sendung "Tod an der Grenze. Eine Spurensuche", für die Henning als Sprecher fungierte. Sie erzählt die Geschichte eines Mannes, der in den 50er-Jahren an der Thaya von tschechoslowakischen Soldaten erschossen wurde. Erst Jahrzehnte später sollte sich herausstellen, dass er als Informant für den Geheimdienst gearbeitet hat.

Tatort - Grenzfall
© ORF/Hubert Mican Das "Tatort"-Team beim Dreh

Historische Fakten für Unterhaltung aufbereitet

Dieser wahre Kern wird nun ins Fiktive, ins Populäre gehoben - für Henning nicht die schlechteste Art, historische Fakten aufzubereiten. "Wenn das in unterhaltsamer Form geschieht, dann ist das eine ganz tolle Sache. Und der 'Tatort' ist die größtmögliche Arena des deutschsprachigen Fernsehens." Die Recherche vor Ort sei nicht immer einfach gewesen. "Es ist nicht leicht mit Leuten über Dinge zu reden, die sie so lange verheimlicht haben. Die Türen zu diesen Zimmern sind vielfach zu."

"Vielleicht daraus lernen"

Zum Kern vorzudringen ist natürlich auch die Aufgabe von Eisner und Fellner. Dass es diesmal nicht um zig Tote und bluttriefende Zwischenfälle geht, ist für Neuhauser durchaus angenehm. "Es müssen ja nicht immer diese schreienden Ballermann-'Tatorte' sein. Ich finde, dass die psychologische Seite eines Kriminalfalls das Spannendere ist, als der Effekt des Aggressors." Zudem öffne dieser "Grenzfall" eine historische Perspektive öffnet. "Es ist wichtig, dass man über diese Dinge spricht", meinte die 55-Jährige. "Und in jeder Veränderung, wie man darüber spricht, wird man vielleicht daraus lernen."

Uni als Partner

Als Partner für den voraussichtlich 2015 auf ORF 2 zu sehenden Fall wurde auch die Universität Wien gewonnen, wo man zwei Tage lang drehte. "Die Geschichte dröselt sich letztendlich über eine archäologische Fundstelle im Waldviertel auf", erklärte Krassnitzer den Konnex. Dort stoßen die Wissenschafter auf ein Artefakt, das zeitlich nicht zum Rest passt. "So etwas nennt man ein Loch im Loch. Das ist gewissermaßen der entscheidende Faktor, warum wir hier einen Fall lösen."

Regie-Neuling

Dass mit Henning nach Robert Dornhelm ("Nullsummenspiel") neuerlich ein "Tatort"-Neuling am Regiestuhl Platz genommen hat, bietet in Krassnitzers Augen etliche Vorteile. "Zu uns kommen a priori keine unsicheren Leute", stellte der Schauspieler klar. "Das ist schon die Creme de la creme der österreichischen Regisseure." An Henning schätze er besonders dessen "unglaublich präzise und genaue Vorarbeit. Er geht in die Psychologie der Menschen, wodurch ein stimmiges, sehr kammerspielartiges Unterfangen entsteht."

Vielleicht als Kontrast dazu siedelte Henning einen Großteil seiner Geschichte im Freien an. "Es spielt hauptsächlich draußen. Im Grünen, am Fluss, am Land." Ein nicht immer einfaches Unterfangen. "Da geht einem der Arsch auf Grundeis in den Wochen vor dem Dreh", lachte der Regisseur und Autor. "Man überlegt dann: Was machen wir, wenn es die ganze Zeit regnet?" Diesbezüglich habe man zwar Glück gehabt, aber er schätze ohnedies das Risiko. "Film ist Verlieren in positiver Hinsicht, Scheitern in einer extrem konstruktiven Form." Zumindest gestern musste er sich über einen meteorologischen Rückschlag keine Sorgen machen.

Kommentare

Es war für einige Mitglieder kein Nachteil vor der Wahl Werbung für die SPÖ gemacht zu haben. Um diese fürstliche Gage kann man schon ein wenig schwitzen.

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