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"Jungfräulicher" Tatort

Robert Dornhelm dreht neuen Austro-Tatort - und hat ihn selbst erst einmal gesehen

"Tatort" von Robert Dornhelm © Bild: APA/Neubauer

Wenn Sonntagabend traditionell der "Tatort" auf ORF2 läuft, findet man Regisseur Robert Dornhelm nicht vor dem Fernseher. Eher geht er fischen, trifft Freunde oder besucht, wie dieser Tage, die Wiener Festwochen. Dementsprechend "jungfräulich" war er, als er gefragt wurde, seine erste "Tatort"-Folge zu inszenieren, wie er am Dienstag am Rande der Dreharbeiten in Wien verriet.

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Lediglich einen "Tatort" hat Dornhelm gesehen - und das erst, nachdem der Hollywood-Regisseur für die ORF-Produktion von "Tatort - Nullsummenspiel" an Bord geholt wurde. Die Entscheidung fiel dem Österreicher mit rumänischer Abstammung, der in Hollywood schon mit Grace Kelly und Jeff Bridges drehte und für einen Oscar nominiert war, nicht leicht, wollte er doch "der Sache gerecht werden". Da er "kein Krimi-Spezialist" sei, habe er sich auf Ratschläge anderer verlassen und trotz anfangs kalter Füße zugestimmt. "Für mich ist es eine Herausforderung, etwas zu tun, wo ich nicht zuhause bin, wo ich mich selbst noch überraschen kann", erzählte der 66-Jährige Journalisten am Outdoor-Set vor der Postsparkasse am Wiener Stubenring. "Routine ist mir zuwider."

Neben dem Drehbuch von Verena Kurth ("Schnell ermittelt") habe auch das Timing eine Rolle gespielt, inszeniert Dornhelm doch direkt im Anschluss in St. Margarethen mit "Aida" seine zweite Oper. "Dadurch konnte ich länger da sein, meine Familie sehen, die Oper vorbereiten und hier etwas machen, das mir Spaß bereitet und das ich noch nie gemacht habe."

"Tatort" von Robert Dornhelm
© APA/Neubauer

Improvisations-Chancen in Österreich

Seit Ende April und noch bis 24. Mai gibt Dornhelm "seinen Inspektoren" Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser in Wien und Niederösterreich Regie-Anweisungen, bisher sei er "sehr zufrieden". Auch Hubert Kramar, Maria Köstlinger, Michael Masula und - in einer kleinen Rolle - Barbara Karlich stehen dafür vor der Kamera. "Die Arbeit ist unwahrscheinlich locker und lustig, sehr kollegial - eine angenehme Überraschung", meint Dornhelm. Anders als in den USA "hast du hier die Chance zu improvisieren". "Meine Schauspieler sind sehr locker unterwegs und wir verändern regelmäßig Text und Szenen, das wäre in Amerika undenkbar."

Lob für Regisseur

Die lockere Zusammenarbeit schätzen auch Dornhelms Hauptdarsteller. "Es ist mit ihm ein sehr entspanntes, sehr harmonisches Arbeiten, er ist ganz ruhig und unaufgeregt", sagt Neuhauser, die mit Krassnitzer das erprobte Austro-Ermittlerduo Moritz Eisner und Bibi Fellner gibt. Dass Dornhelm mit der traditionsreichen Krimiserie kaum vertraut ist, stellt für Krassnitzer einen Vorteil dar, "weil jemand mit einem ganz frischen Blick kommt und dann dazu geneigt ist, seine Persönlichkeit durchzuziehen, seine Farbe, seinen Stempel hier abzugeben und nicht zu versuchen, etwas nachzuahmen durch irgendeine Prägung". Unterschiedlichste Regisseure, die durch ihre eigene Handschrift unterschiedliche Filme machen, sei auch "ganz sicher ein großes Qualitätskriterium dieses Unterfangens". Der kürzliche Preisregen von Grimme über Romy bis Civis-Medienpreis gibt ihm Recht.

"Tatort" von Robert Dornhelm
© APA/Neubauer

"Spannend" und neu auch die Herangehensweise im "Nullsummenspiel", so Krassnitzer, geht es doch erst um einen Arbeitsunfall in einer Chemiefabrik, verschuldet durch einen mangelhaft verarbeiteten Schutzanzug. Die Kommissare werden zufällig involviert, da die verstorbene Laborantin Roswita (Emily Cox) das Patenkind von Sektionschef Rauter (Hubert Kramar) ist. Als zwei Tage später der Geschäftsführer des die Schutzanzüge herstellenden Konzerns erschossen aufgefunden wird, mausert sich das Ganze zum Kriminalfall. Gedreht wurde u.a. in alten Direktionsräumlichkeiten der Postsparkasse, in denen sich der Mord ereignet, sowie bei der Donau Chemie Gruppe am Heumarkt. Zu sehen ist der "leidenschaftliche Wirtschaftskrimi", so Neuhauser, voraussichtlich 2015 im ORF.

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