"Tatort" von

Biederes Jubiläum

Münchner Kommissare ermittelten zu gehemmt in einem jüdischen Kulturzentrum

"Tatort" - Biederes Jubiläum © Bild: ORF/BR/Barbara Bauriedl

Unter dem Titel „Ein ganz normaler Fall“ wurde am Sonntag Abend am „Tatort“ ermittelt – dieses Mal wieder in München. Und was der Titel bereits verriet, wurde leider wirklich zum Programm, denn gerade die 60. Jubiläumsfolge mit Batic und Leitmayr geriet zu normal und bieder.

Das Thema war eigentlich kein unspannendes beim 60. Münchner „Tatort“, denn Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermittelten in einem jüdischen Gemeinschaftszentrum. Dennoch geriet die Folge - im Gegensatz zu den in letzter Zeit oft viel gelobten - etwas zu bieder. Vielleicht aber auch, um auf Nummer Sicher zu gehen, denn dieses Thema hielt einige Stolpersteine bereit.

Orthodoxer Jude im Visier
In „Ein ganz normaler Fall“ wird in ebendiesem Gemeindezentrum ein toter Mann am Ende einer Stiege entdeckt – Ursache: Genickbruch. Daneben finden die Ermittler in Blut geschriebene Buchstaben, die da lauten: "MOSER". Wurde der Tote etwa gestoßen? Ins Visier gerät schnell der orthodoxe Jude Jonathan Fränkel. Er ist es auch, der den Toten gefunden hat. Schon nach kurzem erhärtet sich der Verdacht gegen Fränkel, denn der Tote wollte diesen mitsamt Familie aus seinem Haus werfen.

Neben Fränkel gibt es aber noch einen zweiten – nicht-jüdischen – Verdächtigen, nämlich einen Geschäftspartner des Ermordeten. Dieser unterhielt ein Verhältnis mit der Tochter des Toten, was er aber anfangs verschweigt. Er schwängerte diese sogar, worauf sich das Mädchen aus Verzweiflung umbrachte.

Leicht zurückgebliebener Mörder
Neben den beiden Verdächtigen, kreuzt auch der leicht zurückgebliebene Aaron Klein, die rechte Hand des Rabbis, immer wieder Batics und Leitmayrs Weg. Wenig überraschend stellt sich auch am Ende heraus, dass Klein der Mörder ist. Ein altes jüdisches Gesetz mit dem Namen „Din Moser“ führt zur Aufklärung, denn laut diesem, darf man einen Juden töten, sofern dieser im Begriff ist, einen anderen zu verraten. Aaron stürzte - sich auf „Din Moser“ beziehend - den Mann die Treppe hinunter, da er zuvor mithörte, wie dieser dem Rabbi drohte, einen privaten Fehltritt an die Öffentlichkeit zu bringen.

Zu sehr oder zu wenig normal?
Und es war wohl auch gar nicht der Fall an sich, der die TV-Zuseher verstört hat, sondern die zu „normale“ oder eben auch nicht normale Herangehensweise an dieses heikle Thema. So wirkten Batic und Leitmayr merkwürdig gehemmt und zu sehr darauf bedacht, alles richtig zu machen. Zudem mussten andauernd Rituale und Bräuche erklärt werden. Wie viel Normalität ist heute möglich zwischen Deutschen und Juden, schien die eigentliche Frage zu sein. Ein bisschen mehr Normalität hätte dem Münchner Jubiläums-„Tatort“ dabei wahrscheinlich nicht geschadet.

Link: "Tatort" im Ersten