Afghanistan von

Taliban-Chef Mullah Omar tot

Omar vermutlich schon vor zwei oder drei Jahren in Pakistan gestorben

Taliban-Chef Mullah Omar © Bild: APA/EPA

Der Anführer der radikalislamischen Taliban, Mullah Omar, ist nach Angaben der afghanischen Regierung seit mehr als zwei Jahren tot. Omar sei im April 2013 in einem Krankenhaus im pakistanischen Karachi "unter mysteriösen Umständen" gestorben, sagte ein Sprecher des Geheimdienstes am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Das Präsidialamt in Kabul bestätigte die Angaben. Zuvor hatten sich die Hinweise auf Omars Tod verdichtet. "Mullah Omar ist tot", sagte Geheimdienstsprecher Haseeb Sediki. Der Präsidentenpalast in Kabul erklärte wenig später ebenfalls, dass die Regierung "auf der Grundlage glaubwürdiger Informationen" den Tod Omars bestätige.

Zuvor hatte bereits ein Regierungsvertreter in Kabul gesagt, Omar sei "vor zwei Jahren an einer Krankheit gestorben" und "im Süden des Landes beerdigt worden". Der Tod sei von pakistanischen Regierungsvertretern bestätigt worden. Es war nun aber die erste offizielle Bestätigung des Todes des Extremisten seitens der afghanischen Führung. Die Aufständischen selbst bestätigten das Ableben ihres Anführers bisher nicht offiziell. Allerdings sagte ein Vertreter der Islamisten ebenfalls, Omar sei "nach unseren Informationen tot". Er wisse aber keine Details.

Seit 2001 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen

Seit dem Sturz der Taliban 2001 durch eine Offensive unter US-Führung wurde Omar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Allerdings tauchten immer wieder Botschaften auf, die ihm zugeschrieben wurden - auch nach 2013. Zuletzt wurde Mitte Juli eine dem Talibanchef zugeschriebene schriftliche Erklärung zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan verbreitet. Da es in den vergangenen Monaten jedoch keine Audio- und Videobotschaften mehr gab, verdichteten sich allmählich die Gerüchte, Omar könne schon längst nicht mehr am Leben sein.

Über Omar ist wenig bekannt. Der in Koranschulen erzogene Islamist brach nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan 1979 seine Studien ab, um sich dem bewaffneten Kampf gegen die Invasoren anzuschließen. Er wurde Kommandant einer Mudschahedin-Truppe und verlor im Kampf ein Auge. Nach dem Abzug der Sowjets zehn Jahre später begann er, eine radikale Bewegung aufzubauen, die Taliban. Zwischen 1996 und 2001 war Omar de facto Staatschef des nicht anerkannten Taliban-Regimes in Afghanistan. Er war zudem ein enger Vertrauter des 2011 von den USA getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden.

Überlaufen zu IS

Die Nachricht vom Ableben des Extremisten könnte nun die bereits vor einigen Wochen begonnenen Friedensgespräche zwischen den Taliban und Kabul beeinflussen. Ein zweites Gespräch ist eigentlich für die kommenden Tage vorgesehen. Das Schweigen Omars hatte zuletzt auch zur Folge, dass ein Teil der Taliban-Kämpfer zu der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) überlief.

Experten gehen außerdem davon aus, dass es nun innerhalb der Taliban zu Machtkämpfen kommen könnte. Wenn Omar bereits seit 2013 tot sei, bedeute das, dass die in seinem Namen veröffentlichten Botschaften der vergangenen zwei Jahre "Lügen und Irreführungen" waren, sagte Waheed Mushda, der unter den Taliban im Außenministerium tätig war. Beobachtern zufolge werden außerdem zwei mögliche Nachfolger Omars gehandelt - sein Stellvertreter Mullah Mansur und sein Sohn Mohammed Jakub.

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