Tag des Kindes von

Was Kinder brauchen -
aus Sicht der Kinder

Studie hat Buben und Mädchen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt

Kinder © Bild: iStockphoto

Was Kinder brauchen, darüber wird, nicht nur heute, am Internationalen Tag des Kindes, viel diskutiert. Nur die, die es betrifft, die haben meistens nichts mitzureden. Darum hat die Bundesjugendvertretung (BJV) gemeinsam mit dem Institut für Soziologie an der Uni Wien nun Kinder selbst gefragt, was diese zum Leben brauchen – mit interessanten Ergebnissen.

36 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren durften bei der explorativen Studie der BJV einmal selbst nicht nur mit- sondern alleine reden, als es um ihre Bedürfnisse ging. „Mit der Studie wollten wir herausfinden, was Kinder selbst über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu sagen haben“, erklärte BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits bei der Präsentation dieser.

Und was wollen Kinder? Natürlich fordern diese materielle Güter und Leistungen, die Geld erfordern ein, aber auch immaterielle Ressourcen erkennen Kinder als wichtig an für ihr eigenes Wohlbefinden, so die Studie. Familie, FreundInnen und Freizeit sind ebenso wichtig wie gute Bildung, Ernährung, Kleidung, Wohnsituation und Gesundheit.

»Freundschaften sind zentral«

„Freundschaften sind zentral für die befragten Mädchen und Buben. Sie sind neben der emotionalen Unterstützung auch Orientierungsmaßstab für Dinge, die ein Kind braucht, um akzeptiert zu werden und sich gut zu fühlen“, so die Studie.

Digitale Medien keine Must-Haves

Interessant auch die Ergebnisse in Bezug auf digitale Medien. Hier überwiegt mehr das Gefühl, des Nicht-Mithalten-Könnens, hat man kein Handy, als die Tatsache, dass es einem mit Handy besser gehe. Die Angst ein Außenseiter zu sein, wenn man keins habe, sei groß. Wichtig sei den Kindern auch Serien und Filme zu schauen, ob am Fernseher oder einem anderen Gerät ist dabei allerdings komplett egal.

Kleidung wichtig um dazuzugehören

Ähnlich verhält es sich auch beim Thema Kleidung. Dass es Kleidung unbedingt braucht, ist den Kindern klar. Beim Thema Markenkleidung gingen die Meinungen ein wenig auseinander, aber prinzipiell lautete der Konsens, dass bestimmte Marken und Stile insofern wichtig seien, um dazuzugehören und „nicht so ganz anders“ auszuschauen.

Was Kinder brauchen
© BJV Der aus der Studie entstandene "Kinderwarenkorb", präsentiert von der BJV und der Uni Wien

Recht auf Selbstbestimmung

Ein bedeutender immaterieller Aspekt für das Wohlbefinden von Kindern, der in allen Diskussionen eingebracht wurde, stellt das Recht auf Selbstbestimmung dar. Dabei ging es den Mädchen und Buben nicht um einen Freischein für egozentrisches Denken und Handeln, sondern um autonome Entscheidungen beispielsweise in der Wahl der Freunde und Freizeitgestaltung oder zumindest um ein Mitentscheidungsrecht bei der Schul- und Berufswahl. Die befragten Kinder wollen nicht von Erwachsenen, insbesondere von ihren Eltern, bestimmt und gezwungen werden.

Bildung ist wichtig

Auch ist den Kindern bewusst, dass Bildung wichtig für ihre Zukunft ist. „Sonst ist man als Erwachsener aufgeschmissen“, so eine Aussage eines teilnehmenden Kindes.

Um all die materiellen Bedürfnisse zu erfüllen, benötigt es Geld, was den Kindern durchaus bewusst ist.

Empfehlungen für die politischen Entscheidungsträger

Zum Abschluss wurden die Kinder darum gebeten, Ideen und Empfehlungen für politische Entscheidungsträger zu formulieren. Dabei ging es um die Frage, wie erreicht werden könnte, dass es allen Kindern gut geht. Wichtig war ihnen dabei, ernst genommen zu werden. Ein erster Schritt könnte eine umfangreiche Umfrage unter Kindern sein, um herauszufinden, was alle Kinder brauchen. Weiters sollen Politiker Schulen besuchen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Ein zentraler Punkt sei auch der Wunsch der Gleichbehandlung. Die Sensibilität für Ungerechtigkeit insbesondere von Kindern anderer Herkunft und/oder Sprache sei, so die Studie, stark ausgeprägt. So forderte ein Bub, dass „auch ein Afrikaner ein Afrikaner sein darf, dass ein Südamerikaner ein Südamerikaner sein darf.“ In Österreich funktioniere die Gleichbehandlung aller Kinder aber „eigentlich schon gut“. Familien in prekären Lebenslagen sollen, so die Kinder, monetär unterstützt werden.
Von Politikern wünschen sich die Kinder weiters die Umsetzung von mehr öffentlichen freien Flächen und Plätzen zum Spielen in der Natur sowie Parks und Spielplätzen mit Spielgeräten.

BJV drängt auf neue Kinderkostenstudie

Aufgrund dieser Studie drängt die BJV auf die Erstellung einer neuen Kinderkostenstudie. Die Studie habe gezeigt, dass Kindern bewusst sei, dass es monetäre Mittel benötigt, um materielle Bedürfnisse zu erfüllen, erklärte BJV-Co-Vorsitzende Caroline Pavitsits. Dazu bedürfte es eben einer Neu-Erhebung der Kinderkosten, die zuletzt 1964 erhoben wurden und seitdem nur indexiert wurden: "Die Lebensrealitäten haben sich verändert" - was Nuaimi mit dem Verweis darauf unterstrich, dass es 1964 etwa noch kein Internet gegeben hat.

Zudem forderte BJV-Vorsitzender Derai Al Nuaimi eine soziale Absicherung für alle Kinder - unabhängig von Nationalität und deren Hintergrund. Es müsse "bessere Kindergärten für alle" und "gute Schulen für alle" - unabhängig vom Einkommen der Eltern und deren sozialen Hintergrund - geben.

Hier geht es zur gesamten Studie.