Tag der Entscheidung: Überflieger Thomas Morgenstern liefert sich Duell mit Ammann

Tournee: Kärntner gilt in Bischofshofen als Topfavorit "Wenn ich es durchziehen sollte, wäre ich sehr stolz"

Tag der Entscheidung: Überflieger Thomas Morgenstern liefert sich Duell mit Ammann © Bild: GEPA/Bachun

Heute wird die 59. Vierschanzen-Tournee entschieden: Topfavorit Thomas Morgenstern hat in Bischofshofen ausgezeichnete Chancen auf den Sieg. Damit würde er einen bisher einzigartigen Hattrick schaffen und nach Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler für den dritten österreichischen Sieg vom dritten Athleten en suite zu sorgen. Auf der Schanze trifft der Kärntner im K.o.-Duell ausgerechnet auf seinen größten Herausforderer Simon Ammann.

27,3 Punkte Vorsprung auf Simon Ammann, was ungefähr 15 Metern entspricht, ausgezeichnete Form und eine große innere Ruhe zeichnen Morgenstern aus. "Morgenstern ist meiner Meinung nach durch, der könnte ja einen Durchgang rodeln", meinte DSV-Bundestrainer Werner Schuster. Auch die Sprungkollegen des derzeitigen Überfliegers, allen voran Ammann, glauben, dass die Tournee bereits entschieden ist.

Doch der sechsfache Saisonsieger selbst bleibt gelassen. "Die Tournee ist entschieden, wenn der achte Sprung, oder in dem Fall der siebente Sprung, herunten ist. Vorher kann sehr viel passieren. Es fühlt sich gut an, den Vorsprung zu haben. Wenn ich es durchziehen sollte, wäre ich sehr stolz drauf", sagte Morgenstern.

Die Welt geht nicht unter
Selbst für den Fall, dass es doch nichts mit seinem ersten Tournee-Gesamtsieg werden sollte, scheint der 24-jährige Kärntner vorbereitet. "Sollte der Traum doch noch platzen, geht die Welt auch nicht unter. Ich blicke trotzdem auf eine sehr erfolgreiche Tournee und auch Saison mittlerweile zurück. Nicht nur, was die Ergebnisse betrifft, sondern auch was die Arbeit und meine Einstellung betrifft."

Morgenstern im K.o.-Duell gegen Ammann
Auf Morgenstern wartet ein brisantes K.o.-Duell: Ammann, der wohl lieber möglichst weit weg in der Startreihenfolge gesprungen wäre, bestritt diesmal die Qualifikation - und der Schweizer hat sich aus taktischen Gründen trotz eines tollen 138-m-Sprungs damit keinen Dienst erwiesen. Da er Quali-Dritter wurde und neben Morgenstern auch Andreas Kofler und der Russe Pawel Karelin auf den Sprung verzichteten, muss er nun im direkten Duell gegen Morgenstern auf die Schanze.

Der Blick in die Statistiklisten untermauert Morgensterns Favoritenstellung: Seit 1972/73 hat es bisher nur fünf Tourneen gegeben, bei denen der Leader nach drei Springen nicht gewonnen hat. Zuletzt war dies 1999, als Janne Ahonen dem nunmehr 20-fachen Tournee-Starter Noriaki Kasai noch den Sieg entrissen hat. In allen fünf Fällen hatte allerdings keiner der Führenden so viel Vorsprung wie Morgenstern.

Neujahrsspringen "mit Würde genommen"
Cheftrainer Alexander Pointner zeigte sich nicht nur mit Morgenstern, sondern mit der gesamten Mannschaft sehr zufrieden. Auch nach dem umstrittenen Neujahrsspringen hat man die Niederlage mit Würde genommen. "Gerade nach Garmisch, dem turbulenten Springen, nach dem Sieg von Simon Ammann, der dort einen sehr guten Sprung gezeigt hat, hat sich keiner meiner Athleten zu verbalen Umschlägen hinreißen lassen. Jeder hat sich sein eigenes Bild machen können, es ist dann auch nicht ausgeholt worden zu verbalen Heldentaten", sagte der gebürtige Oberösterreicher.

In Innsbruck seien die Fakten beim Wettkampf auf den Tisch gekommen und die "vom Winde verweht" gewordenen Athleten wieder in einen stabilen Gleitflug geraten. "Wir werden genauso weiterarbeiten. Wir haben einen Vorsprung, der uns ruhiger schlafen lässt, aber sonst sehen wir Bischofshofen als Einzel-Wettkampf", versprach Pointner.

(apa/red)