T-Mobile ruft Schüssel an: "Fall tele.ring
ist nur noch auf höchster Ebene zu lösen"

EU hat Wettbewerbsbedenken gegenüber Übernahme 'profil': Genehmigung laut EU-Kommissarin möglich

Nach den schweren Wettbewerbsbedenken der EU-Wettbewerbsbehörde gegen die geplante Übernahme des viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters tele.ring durch den Marktzweiten T-Mobile Austria hat die österreichische Tochter der Deutschen Telekom nun die österreichische Bundesregierung um Intervention in Brüssel gebeten.

Derselbe Brief ist auch an das Finanzministerium und an das Wirtschaftsministerium gegangen. T-Mobile habe auch mehrfach versucht telefonisch zu lobbyieren, hieß es aus Regierungskreisen. Grundsätzlich wolle man sich im Bundeskanzleramt "sicher nicht in die Prüfung der Kommission einmischen".

In dem Brief schreibt T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl, das Unternehmen habe aus "sehr guter Quelle in Brüssel" erfahren, dass "der Fall tele.ring nur noch auf höchster politischer Ebene in unserem Sinn zu lösen sei". Die EU-Kommission vermisse ein "klares Signal der österreichischen Regierung, dass diese den Deal befürwortet", so T-Mobile. Erst nach Vorliegen dieses Signals werde die Kommission "ihre Position ändern", heißt es in dem mit 27. Februar datierten Brief.

Pölzl ersucht Schüssel und die Regierungsmitglieder in dem Schreiben um eine "Einschätzung, in welcher Form der 'österreichische Standpunkt' in Richtung 'EU-Kommission' kommuniziert werden kann". Dem Brief beigelegt hat T-Mobile eine Präsentation, die den "aktuellen Status des Zusammenschlusskontrollverfahrens und unsere wichtigsten Argumente gegen die Bedenken der EU-Kommission enthält". Darin heißt es u.a., dass T-Mobile die Marke tele.ring "bis auf weiteres" weiterverwenden werde, um die bisherige Marktbearbeitung durch tele.ring zu unterstützen.

Um die EU-Kommission davon zu überzeugen, dass die Übernahme den Wettbewerb am österreichischen Mobilfunkmarkt nicht beeinträchtigen werde, habe man u.a. einen Vertrag mit dem UMTS-Anbieter Hutchison ("3") unterzeichnet, der die Abgabe von etwa 2.000 der insgesamt 3.700 tele.ring-Sendestationen und von UMTS-Frequenzen binnen zwölf Monaten nach dem Closing des Deals an Hutchsion vorsieht.

T-Mobile will tele.ring um 1,3 Mrd. Euro übernehmen und würde damit nahe an den Marktführer Mobilkom Austria aufrücken. Der Vertrag mit dem tele.ring-Verkäufer Alltel wurde bereits im August 2005 unterzeichnet, ein Wettbewerbsverfahren in Brüssel hatte den Deal aber zuletzt verzögert. Nach in einem Zwischenbericht geäußerten schweren Wettbewerbsbedenken will die EU-Kommission nun erst bis 28. April entscheiden.

(apa/red)