Syrien von

Chemiewaffen im Spiel?

Ein Reuters-Fotograf berichtet von Anzeichen eines Angriffs nahe Aleppo

Ein Verletzter des angeblichen Chemiewaffenangriffs wird abtransportiert © Bild: REUTERS/George Ourfalian

Es wäre eine neue Stufe der Brutalität im syrischen Bürgerkrieg. Das syrische Regime und die Rebellen haben sich gegenseitig beschuldigt, Chemiewaffen verwendet zu haben. Bei einem Raketenangriff in der nördlichen Provinz Aleppo soll Angaben beider Seiten zufolge chemisches Kriegsgerät zum Einsatz gekommen sein. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite blieb jedoch vorerst aus. Syriens Verbündeter Russland gab den Rebellen Schuld an dem Angriff. Großbritannien warnte vor Konsequenzen. Die USA haben nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf.

Bei der Angriff auf den Ort Khan al-Assal wurden nach Angaben von Staatsmedien und Regimegegnern 25 Menschen getötet. Eine Rakete soll Dienstagfrüh in den Ort eingeschlagen sein. Das Fernsehen des Regimes zeigte am Dienstag Bilder von angeblichen Opfern. Einige gaben dort an, Schwierigkeiten beim Atmen zu haben. Ein nicht namentlich identifizierter Arzt sagte, bei der Attacke habe es sich um entweder "Phosphor oder Gift(gas)" gehandelt.

Ein Rebellenkämpfer sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe nach dem Einschlag der Rakete pinken Rauch aufsteigen sehen. Der Flugkörper habe eine vom Regime kontrollierte Gegend getroffen, sagte Ahmed al-Ahmed der in der Nähe stationierten Ansar-Brigade. Kurz nach dem Einschlag habe es einen Angriff von Kampfjets gegeben, die eine von Rebellen gehaltene Polizeischule umkreisten und die Gegend bombardierten.

Fotograf stärkt Chemiewaffen-Verdacht
Die Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters in Aleppo schienen die Berichte über einen Chemiewaffenangriff zu stützen: In das städtische Krankenhaus der nordsyrischen Metropole gebrachte Opfer hätten von erstickenden Menschen auf den Straßen von Khan al-Assal und Chlorgeruch in der Luft berichtet. Der Chef der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Ahmet Uzumcu, erklärte in Wien, er habe keine unabhängige Bestätigung für den Einsatz von Chemiewaffen. Seine Organisation überprüfe die Berichte.

Der syrische Informationsminister Omran al-Zoabi erklärte, die Streitkräfte seines Landes würden niemals international geächtete Waffen verwenden. "Wenn wir Chemiewaffen hätten, würden wir sie aus moralischen, humanitären und politischen Gründen nicht verwenden", hieß es in einer Erklärung vor dem Staatsfernsehen.

Rebellen ohne Schuld?
Ein Kommandant der Rebellen in Aleppo, Qassim Saadeddine, sagte, die Rebellen hätten nichts mit dem Angriff zu tun. In der Hauptstadt Damaskus veröffentlichten Oppositionelle Videoaufnahmen von Opfern eines angeblich weiteren Chemiewaffenangriffs. Die Aufnahmen zeigten, wie Männer und Buben in einem Spital mit Sauerstoff versorgt wurden. Der Angriff habe in dem östlich von Damaskus gelegenen Otaiba stattgefunden, hieß es.

Die britische Regierung drohte in einer ersten Reaktion mit ernsten Konsequenzen. Eine Sprecherin in London sagte, man kenne die Medienberichte. Der Einsatz oder die Verbreitung von Chemiewaffen würde eine entschlossene Reaktion der Staatengemeinschaft nötig machen. Großbritannien wäre gezwungen, "seinen bisherigen Ansatz" in der Syrien-Frage zu überprüfen.

Russland beschuldigt Rebellen
Russland, das als Verbündeter des Regimes von Bashar al-Assad gilt, beschuldigte die Rebellen, hinter dem Einsatz von Chemiewaffen zu stecken. Der Vorfall bringe den Konflikt in dem Staat auf eine "neue Ebene", hieß es laut einer Stellungnahme aus dem Außenministerium in Moskau.

Auch aus Österreich gab es besorgte Stimmen. "Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass es im syrischen Bürgerkrieg zu einem Einsatz von Chemiewaffen gekommen ist, muss die internationale Gemeinschaft einschreiten", sagte die Parlamentarierin Alev Korun, außenpolitische Sprecherin der Grünen, laut einer Aussendung.

Chemie-Vorwürfe schon länger
Bisher gab es im syrischen Bürgerkrieg keinen bestätigten Einsatz von Chemiewaffen, jedoch hatte es mehrfach solche Vorwürfe von Regimegegnern gegeben. US-Präsident Barack Obama hatte zuletzt wiederholt gewarnt, mit der Verwendung solcher Waffen werde die "rote Linie" überschritten. Er stellte eine westliche Militärintervention als Option in den Raum. In Syrien sollen etwa 1.000 Tonnen chemische Kampfstoffe lagern, darunter Sarin, Senfgas und VX. Im Westen wird auch gefürchtet, die Waffen könnten in die Hände von Extremisten unter der Aufständischen fallen.

Libanons Präsident Michel Suleiman hatte zuvor den ersten Angriff der syrischen Luftwaffe auf sein Land scharf verurteilt. Es handle sich um eine nicht akzeptable Verletzung libanesischer Souveränität. Nach Angaben eines Vertreters der libanesischen Sicherheitskräfte hatten syrische Kampfflugzeuge am Montag Raketen auf Stellungen in der libanesischen Ortschaft Arsal, deren Einwohner die Rebellen unterstützen, abgefeuert. Die USA bestätigten den Angriff und sprachen von einer "Eskalation" durch Syrien.

Der neu gewählte Regierungschef der von der Opposition kontrollierten Gebiete, Ghassan Hitto, sagte inzwischen, er halte im Kampf gegen das syrische Regime jedes Mittel für angemessen. Er erklärte am Dienstag, seine Prioritäten seien der Sturz des Regimes von Präsident Bashar al-Assad und die Versorgung der Bevölkerung in den von Rebellen kontrollierten Gebieten. Einen Dialog mit dem Regime lehnte Hitto ab.

Kommentare

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Die Unterstützung Syriens durch den kriegslüsternen und Terrororismus unterstützenden Iran mit Waffen aller Gattungen, scheinet die Kriegsmaschinerie Assads wie geschmiert laufen zu lassen. Bleibt zu hoffen, Israel und die USA bereiten dem Regime in Teheran bald ein endgültiges Ende.

Nudlsupp melden

@zombie: Ist jetzt zwar drastisch formuliert, aber nicht zwangsweise falsch.

Eine Frage stellt sich mir jedoch: Wohin dann wohl die Flüchtlingsströme gehen werden, die Sie immer so unpassenderweise als Scheinayslanten bezeichnen. Ihnen ist schon bewußt, wie viele Iraner dann die "Reise" antreten werden?

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