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Türkei schoss russischen Jet ab

Ernster Zwischenfall an syrischer Grenze. PLUS: Weitere aktuelle Ereignisse

Brennender Jet in der Türkei © Bild: APA/EPA/Haberturk TV

An der syrischen Grenze kam es am Dienstagvormittag zu einem gefährlichen Zwischenfall. Die türkische Luftwaffe hat ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Zumindest einer der Piloten ist tot. Zwischen den Regierungen in Ankara und Moskau gibt es nun Differenzen, ob der Luftraum der Türkei verletzt wurde oder nicht. Die türkische Regierung will die NATO, die UNO und andere Staaten einschalten.

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Zu dem Vorfall kam es Dienstag früh an der Grenze Syriens zur Türkei nahe der Mittelmeerküste. Nach türkischen Angaben wurde das Kampfflugzeug vom Typ SU-24 zehn Mal binnen fünf Minuten gewarnt, dass es in fremden Luftraum eingedrungen sei. Daraufhin habe man eigene F-16-Jets geschickt und die Maschine abgeschossen.

Absturzstelle des Jets
© APA/EPA/Haberturk TV Channel Die Absturzstelle unmittelbar hinter der syrischen Grenze

Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut den Nachrichtenagenturen Ria und Interfax am Dienstag, die Maschine habe den türkischen Luftraum nicht verletzt und sei über Syrien getroffen worden. Es habe offenbar Beschuss vom Boden gegeben, meldete Interfax.

Zumindest ein Pilot tot

Der Kampfjet ist im syrischen Ort Yamadi nur wenige Meter von der Grenze zur Türkei niedergegangen. Einer der Piloten ist nach Angaben von Rebellen tot. Eine Gruppe mit dem Namen Zehnte Brigade verbreitete über das Internet ein Video, das den Leichnam zeigen soll. Zu sehen ist eine leblose Person in Uniform. Dazu heißt es, sie sie "durch die Hände von Rebellen" umgekommen. Nach dem zweiten Piloten werde gesucht. Auch aus Kreisen nahe der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) hieß es, einer der Piloten sei ums Leben gekommen. Zuerst hatte es geheißen, dass einer der beiden Piloten, die sich per Schleudersitz aus dem Flugzeug retten konnten, von turkmenischen Rebellen gefangen genommen wurde.

Grafik zum Abschuss
© APA/Martin Hirsch

Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu teilte Dienstag früh mit, mit NATO, UNO und anderen Staaten die Entwicklungen an der Grenze zu Syrien besprechen zu wollen. Bereits am Montag forderte die Türkei die Einberufung des UNO-Sicherheitsrates, um Attacken auf Dörfer der turkmenischen Minderheit im Grenzgebiet Syriens zur Türkei zu besprechen. Vergangene Woche wurde aus Protest gegen Luftangriffe auf die Dörfer in Ankara der russische Botschafter ins Außenministerium zitiert.

So scharf reagiert Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Abschuss eines russischen Militärjets an der türkisch-syrischen Grenze als "Messer im Rücken" bezeichnet, der von "Helfershelfern von Terroristen" ausgeführt wurde. Der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei haben, sagte Putin am Dienstag im russischen TV.

+++ WEITERE AKTUELLE EREIGNISSE +++

Kein Zusammenhang zwischen Geiselnahme und IS

Die Geiselnahme im nordfranzösischen Roubaix wurde noch in der Nacht beendet. Alle Geiseln seien in Sicherheit. Nach Angaben aus Polizeikreisen und dem Rathaus war der Geiselnahme ein versuchter Einbruch vorausgegangen. Um wie viele Täter es sich handelte, war zunächst unklar geblieben. Eine Verbindung zu Terrorismus gab es nach ersten Polizeiangaben vermutlich nicht.

Wollte Abaaoud Geschäftsviertel attackieren?

Der als Drahtzieher der Anschläge von Paris geltende Islamist Abdelhamid Abaaoud wollte sich womöglich im Geschäftsviertel La Defense in die Luft jagen. Der belgisch-marokkanische Islamist und ein Komplize hätten einen solchen Selbstmordanschlag womöglich am 18. oder 19. November verüben wollen, also in der Woche nach den Anschlägen von Paris, sagte Staatsanwalt Francois Molins am Dienstagabend. Abaaoud war am 18. November bei der Erstürmung einer verdächtigen Wohnung in der Pariser Vorstadt Saint-Denis getötet worden.

Tunis: Tote bei Anschlag auf Präsidentengarde

Bei einem mutmaßlichen Bombenanschlag auf einen Bus der Präsidentengarde in der tunesischen Hauptstadt Tunis sind am Dienstag mindestens zwölf Sicherheitskräfte getötet und mindestens 20 Menschen verletzt worden. Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi verhängte den Ausnahmezustand und in Tunis eine Ausgangssperre bis Mittwoch Früh. Erste Erkenntnisse nach der Explosion im Zentrum der Stadt - nur wenige hundert Meter vom Hauptquartier des Innenministeriums entfernt - deuteten auf einen Terrorakt hin.

In der Vergangenheit gab es in Tunesien mehrfach Anschläge, die von islamistischen Terroristen verübt worden waren. So tötete ein Extremist Ende Juni in einer Hotelanlage des Badeorts Sousse 38 Urlauber, bevor er selbst erschossen wurde. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.

Über 1200 Durchsuchungen seit Anschlägen

Seit Verhängung des Ausnahmezustandes in der Nacht der Anschläge von Paris sind in Frankreich 1.233 Wohnungen oder Häuser durchsucht, 165 Menschen vorübergehend festgenommen und 230 Waffen beschlagnahmt worden. Dies gab Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Dienstag bekannt. Unter den Waffen seien auch "Kriegswaffen".

Frankreichs Präsident François Hollande hatte den Ausnahmezustand am Morgen des 14. November verhängt, am Abend zuvor hatten islamistische Attentäter bei Anschlägen und Schießereien 130 Menschen getötet. Das Parlament hat inzwischen der Verlängerung des Ausnahmezustandes bis zum Februar zugestimmt. Dieser autorisiert unter anderem nächtliche Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss.

Verdächtiger Abdeslam in Deutschland?

Nach einem Polizeieinsatz auf der Suche nach dem Terrorverdächtigen Salah Abdeslam in Ostwestfalen gibt die Polizei Entwarnung. Ein Hinweis, dass der international gesuchte Mann und Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris sich in Rahden im Kreis Minden-Lübbecke aufhalten könnte, bestätigte sich am Dienstag nicht, wie die Behörden mitteilten.

Mehrere Personen seien am Dienstag überprüft worden. Der Gesuchte sei jedoch nicht darunter gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Mit Spezialeinheiten war die Polizei am Dienstagvormittag in der kleinen Stadt am nördlichen Rand Nordrhein-Westfalens angerückt. Einige Straßen im Ortsteil Varl waren abgesperrt worden.

Die Sicherheitsbehörden wissen nach Angaben des deutschen Innenministers Thomas de Maiziere auch eine Woche nach dem abgesagten Fußball-Länderspiel nicht, ob es in Hannover eine tatsächliche Bedrohung gab. Es habe an dem Tag sich verdichtende Hinweise auf eine "große Gefährdung" gegeben, die zur Absage des Spiels geführt hätten, sagte de Maiziere am Dienstag im Bundestag.

Österreich könnte Cobra zu EM schicken

Österreich könnte angesichts der Terrorismusgefahr Cobra-Leute zur Fußball-EM 2016 nach Frankreich schicken. Sportminister Gerald Klug (SPÖ) bezeichnete dies am Dienstag in Brüssel als "in dem Fall wahrscheinlich". Klug erinnerte daran, dass Österreich schon zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi Sicherheitspersonal geschickt habe.

"Wenn es die konkrete Lage 2016 für die Fußball-Europameisterschaft erfordern sollte, werden wir das wieder tun", sagte Klug. Er sei "felsenfest davon überzeugt, dass auch die französischen Behörden alles unternehmen werden, um die Sicherheit unserer Athleten zu gewährleisten". Österreichs Fußball-Nationalteam hat sich erstmals auf sportlichem Weg für eine EM-Endrunde qualifiziert. Die EURO 2016 findet von 10. Juni bis 10. Juli statt, gespielt wird in zehn Städten.

Verdächtige Aktivitäten per App melden

Eine Mobiltelefon-App, mit der verdächtige Aktivitäten schnell der Polizei gemeldet werden können, hat der US-Bundesstaat New York veröffentlicht. Mit "See something, send something" ("Siehst Du etwas, schicke etwas") können Fotos und Texte rasch an die Behörden übermittelt werden. An einer zentralen Stelle würden sie dann geprüft und gegebenenfalls der Polizei weitergeleitet.

Gouverneur Andrew Cuomo rief die New Yorker auf, auf diese Weise bei der Verhinderung von Terroranschlägen zu helfen. "Wir haben unsere Aufmerksamkeit nach den Terrorangriffen von Paris verstärkt und wir bleiben weiter wachsam gegen die, die Angst und Gewalt sähen wollen", sagte Cuomo. "Trotz des unbeschreiblichen Schmerzes und Verlustes, unter denen die Menschen in diesem Staat durch Terrorangriffe zu Leiden hatten, ist die Familie der New Yorker stärker als je zuvor."

Bombendrohung in Paris

Der Platz der Republik in Paris ist laut Medienberichten wegen einer Bombendrohung am Dienstagmittag evakuiert worden. Es sei ein verdächtiges Paket gefunden worden, berichtete ein Journalist der französische Zeitung "Le Monde" vor Ort. Zudem seien auch vier Metrolinien eingestellt worden.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten einige Journalisten Fotos von dem abgesperrten Platz. Der Platz der Republik ist seit den Attentaten am 13. November eine der Haupt-Anlaufstellen für Menschen, die in der französischen Hauptstadt der Mordserie vom Freitag gedenken.

Mittlerweile soll es aber wieder Entwarnung geben und auch die gesperrten Metro-Linien wurden wieder geöffnet.

Islamist Abaaoud in Metro mit Begleiter gefilmt

Die Video-Aufnahmen des mutmaßlichen Drahtziehers, Abdelhamid Abaaoud, in der Metro von Paris kurz nach den Anschlägen, zeigen offenbar auch einen Begleiter. Ein Mann sei mit Abaaoud am späten Abend des 13. Novembers in der Station Croix-de-Chavaux in die Metro eingestiegen, berichtete die Zeitung "Le Parisien" am Dienstag.

Der Mann konnte anhand der Aufnahmen der Verkehrsgesellschaft RATP jedoch noch nicht identifiziert werden. "Jetzt überprüfe man, ob es sich bei dem Mann um jene Leiche handelt, die nach der Anti-Terror-Razzia in der Pariser Vorstadt Saint-Denis gefunden wurde", zitierte die Zeitung einen mit dem Fall betrauten hochrangigen Beamten. "Wenn er das nicht ist, dann haben wir neben Salah Abdeslam einen weiteren Terroristen auf der Flucht."

Nach der Erstürmung der Wohnung in Saint-Denis am Mittwoch wurden die Leichen von zwei Männern und einer Frau gefunden. Neben den Körpern des mutmaßlichen Hintermanns der Anschläge, den 28-Jährigen Abaaoud, und seiner 26 Jahre alten Cousine Hasna Aitboulahcen wurde die Leiche eines noch nicht identifizierten Mannes entdeckt.

Sprengstoffgürtel in Paris gefunden

Eineinhalb Wochen nach den Anschlägen in Paris ist in einem Vorort der französischen Hauptstadt ein Sprengstoffgürtel gefunden worden. Ein Müllmann habe den verdächtigen Gegenstand am Montagnachmittag in Montrouge, einem Pariser Vorort im Süden der Hauptstadt, entdeckt, verlautete aus Polizeikreisen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den brisanten Fund. Der Gegenstand weise offenbar "die gleiche Anordnung" auf wie die Sprengstoffwesten, die mehrere Jihadisten bei den Pariser Anschlägen vom 13. November gezündet hatten, hieß es von einer anderen Polizeiquelle.

Ecke in Paris
© APA/EPA/Ian Langsdon An dieser Ecke wurde der Sprengstoffgürtel gefunden

Das Telefon des nach wie vor flüchtigen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam war am Abend der Anschläge in der Gemeinde Chatillon geortet worden, die an Montrouge grenzt. Der Anwalt von einem der zwei Verdächtigen, die Abdeslam am Tag nach den Anschlägen nach Brüssel gebracht haben sollen, hatte gesagt, Abdeslam sei "vielleicht bereit, sich in die Luft zu sprengen". Nach Angaben des Pariser Staatsanwalts François Molins bestanden die Sprengstoffgürtel der Attentäter aus dem Sprengstoff TATP, Batterien und einem Zünder in Tastenform sowie Schraubenbolzen, um die Wucht der Explosion zu verstärken.

Bombenanschlag am Sinai

Bei einem Bombenanschlag vor einem Hotel im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel sind mindestens vier Polizisten getötet worden. Zwölf weitere Menschen seien verletzt worden, teilten Ärzte und Sicherheitskräfte weiter mit. Ein Selbstmordattentäter habe versucht mit dem sprengstoffbeladenen Fahrzeug in das Hotel zu fahren, bevor Polizisten das Feuer eröffneten und das Auto explodierte.

Wenige Minuten später sei eine zweite Bombe detoniert. In dem Hotel in der Stadt Al-Arish seien Vertreter der Wahlbehörde untergebracht gewesen. Mindestens zwei von ihnen seien verletzt worden. Am Sonntag war die zweite Runde der Parlamentswahl zu Ende gegangen.

Niemand bekannte sich zunächst zu dem Anschlag. Der ägyptische Ableger der Extremistenmiliz IS hat seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 bereits mehrere Anschläge in der Region verübt.

Reisewarnung für die ganze Welt

Die US-Regierung hat unterdessen eine Reisewarnung für alle Weltregionen herausgegeben. Angesichts einer verstärkten "terroristischen Bedrohung" ergehe eine allgemeine Reisewarnung an alle Landsleute, teilte das US-Außenministerium am Montag in Washington mit.

Die derzeit vorliegenden Informationen ließen den Schluss zu, dass extremistische Organisationen wie der "Islamische Staat" (IS), Al-Kaida oder Boko Haram weitere Anschläge "in vielen Regionen" der Welt planten. Das Ministerium verwies dabei auf die jüngsten Anschläge in Frankreich, in der Türkei, in Mali und in Nigeria. "US-Bürger sollten wachsam sein, wenn sie sich an öffentlichen Plätzen aufhalten oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen", hieß es in der Reisewarnung weiter. Größere Menschenmengen sollten gemieden werden, und besondere Wachsamkeit sei während der Ferienzeit geboten.

Bei der Anschlagsserie in Paris, zu der sich der IS bekannte, wurden am 13. November 130 Menschen getötet. Frankreich versucht seither, eine breite Militärallianz zu schmieden, um den IS in Syrien und im Irak zu bekämpfen.

Kommentare

wenn putin diese "rattenplage" endlich wegballert steht der ami ziemlich blöd da, denn er muss sich ne neue bedrohung für die welt ausdenken um weiter krieg zu schüren! denn das bringt dollars in die staatskasse!

Roland Mösl

Erdogan ist der beste Verbündete des IS. Er kämpft gegen die Kurden, um die kurdischen Kräfte gegen den IS zu schwächen. Er rächt russiche Luftangriffe gegen den IS.

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Paris, Pariser Vororte, Brüssel, Brüsseler Vorort und jetzt irgendwo in einem deutschen Kaff - und da bezweifelt noch irgendjemand die bestehende Parallelgesellschaft? Eine Sprache, ein Clan, eine Religion, verstreut weit und breit. Welcher österreichische Terrorist könnte in Nigerien Anschläge verüben und dann in ganz Afrika Verbündete finden und untertauchen?

neusiedlersee melden

Die Parallelgesellschaft im Untergrund baut sich eben mit Hilfe

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intellektuell überforderter öst. + deutscher Politiker auf. Die wissen sehr wohl was sie tun. Doch sie wagen es - möglicherweise nicht einmal sich selbst - einzugestehen. Die Folgen tragen alle. Jene die willkommen rufen, jene die meinen wir schaffen das und die Mehrheit, die diese Art von Zuwanderen ablehnt. Egal aus welchen Gründen.


Die USA geben - für ihre Bürger!? - eine Reisewarnung für die DIE GANZE WELT aus.
Bleibt ihnen nur mehr die Fahrt zum Mond.
Und wo bleiben wir, alle die anderen?


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Das hat bisher noch gefehlt: Die Türkei ein pseudodemokratischer Nato-Partner schießt ein russ. Flugzeug ab. Russland wird in irgendeiner Form "zurückschießen."
Wir kennen das ja: "...und seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!"
Tritt dann der Bündnisvertrag in Kraft und wir haben Krieg in Europa?



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Man muss zugeben, Putin war bisher sehr geduldig. Ist er überlegt, friedliebend, verständnisvoll? Oder ist Russland doch nicht die Supermacht, die es immer vorgibt zu sein? Ich hoffe natürlich auf Ersteres. Ich kann Putin nicht durchschauen.

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