Syrien von

Tausende auf der Flucht

Gefechte in Damaskus und Aleppo - Situation wird für Menschen immer unerträglicher

Syrien - Tausende auf der Flucht © Bild: APA/EPA/Abbas

Die Situation wird für die Menschen in Syrien immer unerträglicher: Millionen Syrer saßen am Wochenende zwischen den Fronten fest, Zehntausende waren auf der Flucht. Am Sonntag griffen die Truppen von Präsident Assad drei Bezirke der Hauptstadt Damaskus mit Hubschraubern an, berichteten Einwohner. Die Gefechte griffen auch auf die Metropole Aleppo über.

Assad selbst halte sich nach wie vor in der umkämpften Hauptstadt Damaskus auf; er genieße angesichts der auf dem Vormarsch befindlichen Aufständischen auch nach wie vor die Loyalität der Streitkräfte, sagte ein israelischer Militär am Sonntag.

In Damaskus, das eine Woche nach Beginn der Kämpfe teilweise einer Geisterstadt glich, erzielten die Regierungstruppen nach Berichten von Oppositionellen Geländegewinne. So hätten sie die Rebellen aus dem Diplomatenviertel vertrieben. Einheiten der vom Präsidentenbruder Maher al-Assad kommandierten 4. Division umzingelten den Stadtteil Barzeh, der ebenfalls aus der Luft angegriffen wurde. Die Lage für die Menschen werde immer schwieriger, warnte das Rote Kreuz.

Rebellen nehmen Grenzposten ein
An der Grenze zur Türkei konnten die Aufständischen indes erneut einen Grenzposten unter ihre Kontrolle bringen. Bereits am Freitag hatten die Rebellen die syrisch-türkischen Grenzposten in Bab al-Hawa und Jarabulus eingenommen, an der Grenze zum Irak hatten sie den Ort Abu Kamal unter ihre Kontrolle gebracht. Am Samstag hatte die Türkei aufgrund von Plünderungen durch Aufständische den Grenzübergang Cilvegözu schließen lassen.

In zwei Lagern für syrische Flüchtlinge in der Türkei sind Flüchtlinge und Polizisten am Sonntag zusammengestoßen. Nach türkischen Angaben setzten die Beamten Tränengas gegen steinewerfende Syrer in der südtürkischen Provinz Kilis ein. Die türkische Armee hat indes einem Medienbericht zufolge mehrere Boden-Luft-Raketen an der Grenze zu Syrien installiert.

30.000 auf der Flucht
Die eskalierende Gewalt treibt zudem immer mehr Menschen in die Flucht. Binnen 48 Stunden hätten mehr als 30.000 Syrer die Grenze zum westlichen Nachbarland Libanon überquert, sagte eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR am Freitag.

Unterdessen hat der neue Generalstabschef der syrischen Armee sein Amt angetreten. General Ali Ayub wurde am Sonntag von Präsident Assad empfangen und legte seinen Amtseid ab.

Gewalt am Golan
Auch auf den Golan-Höhen droht die Gewalt zu eskalieren. In der Nähe eines Stützpunktes der österreichischen Soldaten, die mit rund 370 Mann im Rahmen einer UNO-Mission auf dem Golan vertreten sind, kam es am Sonntag zu zwei Einschlägen von "vermutlich Granaten", wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, der APA mitteilte. Verletzte gab es bei dem Zwischenfall keine.

Die EU-Außenminister beraten am Montag in Brüssel über den blutigen Konflikt in Syrien und wollen die Sanktionen gegen die Führung in Damaskus erneut verschärfen. Neben Einreiseverboten und Vermögenssperren für rund 25 Vertreter oder Unterstützer der Regierung ist auch die strengere Kontrolle von Schiffen und Flugzeugen auf Waffen mit dem Ziel Syrien im Gespräch.