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Schwere Gefechte in Damaskus

In der syrischen Hauptstadt sind bereits im Stadtzentrum Schüsse zu hören

Syrien - Schwere Gefechte in Damaskus © Bild: EPA/SHAAM News Networl

In der syrischen Hauptstadt Damaskus haben Regierungstruppen und Rebellen ihre heftigen Kämpfe am Dienstag fortgesetzt. Wie Anrainer der Nachrichtenagentur AFP sagten, waren sogar im Stadtzentrum Schüsse zu hören. Im Weltsicherheitsrat blieben die Fronten im Syrien-Konflikt unterdessen offenbar verhärtet.

Die Vetomacht Russland will im Streit mit dem Westen über härtere Sanktionen gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad nicht einlenken, wie die Moskauer Zeitung "Kommersant" berichtete. Kurz vor einem Treffen mit dem internationalen Sondergesandten Kofi Annan habe Präsident Wladimir Putin eine "harte Linie" angekündigt. Der Sicherheitsrat könnte am Mittwoch über die Zukunft der UNO-Beobachtermission entscheiden, deren Mandat am Freitag ausläuft.

Panzer und Kampfhubschrauber in der Hauptstadt
"Syrische Truppen versuchen mit Hilfe von Panzern, das Viertel Tadamon zu stürmen", sagte der Aktivist Haytham al-Abdallah aus Damaskus am Dienstag. Am Stadtrand setze das Regime auch Kampfhubschrauber ein. Die bewaffnete Opposition habe ihrerseits eine breit angelegte Offensive gegen Regierungseinheiten in der Hauptstadt begonnen, sagte Abu Omar, ein Kommandant der Freien Syrischen Armee, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Berichte von unabhängigen Beobachtern über die Lage in Damaskus lagen zunächst nicht vor.

Oppositionelle erklärten am Dienstag zudem, im Stadtteil Midan seien Sicherheitskräfte mit Panzern in Stellung gegangen. Bewohner berichteten von Scharfschützen auf Dächern. "Überall sind Soldaten. Ich kann Rettungswagen hören", sagte ein Anrainer. Man fühle sich wie im Krieg.

Jagd auf "Terrorgruppen"
Die Regierung hält sich bei Äußerungen über die Kämpfe in Damaskus bedeckt. Das amtliche Fernsehen berichtete am Montag, dass Sicherheitskräfte auf der Jagd nach "Terrorgruppen" seien, die sich in einigen Vierteln versteckt hielten. Einer der Oppositionellen berichtete in Tadamon, die Rebellen verteilten sich über die Stadt, um eine Niederlage wie in der Stadt Homs zu umgehen. Dort konzentrierten sich die Kämpfer im Viertel Baba Amr, das von Truppen des Staatschefs schließlich gestürmt wurde.

In Peking und Moskau wollten Annan und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon die Blockadehaltung der Vetomächte aufweichen. China und Russland zeigten jedoch keine Bereitschaft, den vom Westen geforderten Sanktionen gegen Assad zuzustimmen. Putin sehe in dem Konflikt einen "Modellfall" für künftige innerstaatliche Unruhen, schrieb "Kommersant". "Heute Syrien, morgen jedes andere Land", laute die Befürchtung im Kreml. Außenminister Sergej Lawrow hatte dem Westen am Montag "Erpressung" vorgeworfen, weil man Russland zwingen wolle, Sanktionen gegen Assad zu billigen.

Verlängerung der Beobachtermission
Einigkeit herrschte zwischen Annan und Lawrow hingegen in der Frage einer Verlängerung der UNO-Beobachtermission in Syrien. Annan habe zugestimmt, dass die Beobachter eine wichtige und konstruktive Rolle spielen würden, sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow laut der Agentur Interfax. Das Mandat der UNSMIS-Mission läuft am Freitag aus. Russland will dem Sicherheitsrat voraussichtlich am Mittwoch eine Resolution vorlegen, nach der die Mission um drei Monate verlängert wird.

Der Westen kritisiert den Entwurf als "zahnlos". Hingegen kündigte Russland bereits Blockade gegen ein britisches Dokument an, das Sanktionen gegen Assad vorsieht, falls der Präsident weiter gegen die Zivilbevölkerung vorgehe. Russland unterstützt nach eigenen Angaben keine Seite in dem Konflikt.

UNO-Generalsekretär Ban traf am Dienstagabend (Ortszeit) in Peking ein. Am Mittwoch sollte er von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao empfangen werden. Wie Russland hat China bisher eine härtere Haltung des UNO-Sicherheitsrates gegen Damaskus verhindert. Das Zentralorgan der Kommunistischen Partei, "Renmin Ribao" (Volkszeitung), plädierte erneut gegen eine ausländische Intervention in Syrien.

Flüchtlingswelle
Unterdessen suchen immer mehr Syrer in Nachbarländern Schutz vor der Gewalt in ihrer Heimat. Allein seit April habe sich die Zahl der im Ausland offiziell registrierten syrischen Flüchtlinge auf 112.000 nahezu verdreifacht, teilten die Vereinten Nationen am Dienstag in Genf mit. Drei Viertel von ihnen seien Frauen und Kinder, berichtete Adrian Edwards vom Flüchtlings-Hochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR). Das UNHCR vermutet, dass tatsächlich jedoch bereits weit mehr Syrer ins Ausland geflohen sind.