Syrien von

Lösung ist "fast unmöglich"

Neuer UN-Gesandter Lakhdar Brahimi ist nicht sehr zuversichtlich gestimmt

Syrien - Lösung ist "fast unmöglich" © Bild: Reuters/Karam

Eine Lösung des Syrienkonfliktes mit diplomatischen Mitteln ist für den neuen UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi "nahezu unmöglich". "Ich weiß wie schwierig es ist - nahezu unmöglich. Ich kann nicht sagen unmöglich - nahezu unmöglich", sagte der algerische Diplomat in einem Interview mit dem britischen Nachrichtensender BBC. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte stufte unterdessen den August als bisher blutigsten Monat ein - 5.440 Menschen seien in diesem Zeitraum in Syrien getötet worden.

Brahami, der Ende August dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan nachgefolgt war, gab auch zu bedenken, dass auf diplomatischer Ebene zu wenig getan werde: "Die Leute sagen bereits: 'Menschen sterben und was tut ihr?' Und wir tun nicht sehr viel. Das alleine ist eine unglaubliche Belastung", erklärte der 78-Jährige. Die Verantwortung, die er nun trage, mache ihm Angst, so Brahimi, er fühle sich als ob er "vor einer Ziegelwand stehe" und nach Sprüngen suche, die eine Lösung bringen könnten.

In Kürze wird der UN-Sondergesandte in Damaskus erwartet, wie das syrische Außenministerium am Sonntag bekanntgab. Außenamtssprecher Jihad Makdissi erklärte auch, dass der Grund für das Scheitern der Mission von Brahimis Vorgänger Kofi Annan läge nicht bei Syrien, sondern im "fehlenden Konsens im Kreis der internationalen Gemeinschaft". Erst am Samstag hatte Brahimi der syrischen Regierung die Hauptverantwortung für die Beilegung des Konfliktes zugewiesen.

Immer mehr Opfer
Unterdessen steigt die Opferzahl in Syrien täglich an. Alleine im August wurden 5.440 Menschen getötet, gab die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) am Sonntag bekannt, seit Beginn des Konfliktes seien es mindestens 26.283 gewesen. Die ebenfalls auf Seite der Aufständischen stehenden "Lokalen Koordinierungskomitees" sprachen von 4.933 toten Zivilisten, zu denen sie die Rebellen, nicht jedoch die Soldaten des syrischen Machthabers Bashar al-Assad zählen. Die Daten beider Organisationen beruhen auf Berichten von Aufständischen, eine unabhängige Überprüfung der Zahlen ist nicht möglich.

Allerdings stellt auch das UN-Kinderhilfswerk UNICEF ähnliche Trends fest. Allein in der vergangenen Woche seien in Syrien mindestens 1600 Menschen ums Leben gekommen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf die UN-Organisation. UNICEF-Sprecher Patrick McCormick sagte demnach am Sonntag (Ortszeit), die vergangene Woche sei die bisher tödlichste in dem seit März 2011 tobenden Bürgerkrieg in Syrien gewesen.

Aleppo unter Beschuss
Auch am Montag nahm die syrische Luftwaffe erneut mehrere Viertel der Wirtschaftsmetropole Aleppo unter Beschuss, berichtete die SOHR. Bei einem Angriff eines syrischen Kampfflugzeugs auf die Stadt Al-Bab in der Provinz Aleppo starben demnach mindestens 18 Menschen, darunter sechs Frauen und zwei Kinder. In einem religiös durchmischten Außenviertel von Damaskus explodierte am Montag eine Autobombe und verwundete zahlreiche Zivilisten, wie Oppositionelle sowie die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichteten. Wer hinter den Angriffen steckte war vorerst nicht klar. Bereits seit Sonntag belagern Rebellen zudem die Stadt Harem nahe der Grenze zur Türkei und liefern sich dort Gefechte mit Regierungstruppen.

Am morgigen Dienstag soll in Berlin ein neues Treffen der Syrien-Freundesgruppe stattfinden, wie das deutsche Außenamt am Montag bekanntgab. Thema soll der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes nach einem erwarteten Sturz Assads sein. Teilnehmen sollen rund 60 Delegationen, darunter auch Vertreter der syrischen Opposition, wie der Präsident des Syrischen Nationalrates Abdelbasset Sida und ein Gesandter des syrischen Wirtschaftsforums. Für Österreich wird der stellvertretende politische Direktor des Außenministeriums, Friedrich Stift teilnehmen, der auch die Nahost-Abteilung leitet.

Wie das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) am Montag bekanntgab, wird auch der neue IKRK-Präsident Peter Maurer am Montag in Damaskus erwartet. Er wird während seines dreitägigen Besuchs unter anderem Assad treffen und versuchen, einen erleichterten Zugang für humanitäre Helfer zu erreichen, hieß es.

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