Syrien-Konflikt von

Türkei rollt mit Panzern an

Türkisches Militär stationiert schwere Waffen an syrischer Grenze

Türkische Armee-Fahrzeuge rollen in Richtung syrische Grenze. © Bild: APA/EPA/MUSLUM ETGU/ANADOLU AGENCY

Der Konflikt zwischen Syrien und der Türkei verschärft sich: Das türkische Militär hat Medienberichten zufolge gepanzerte Fahrzeuge und schwere Waffen an der Grenze aufgefahren. Der Aufmarsch fand demnach gestern in der Nähe eines Grenzübergangs statt, an dem türkische Zivilisten vor einigen Tagen Schusswunden erlitten, während auf der syrischen Seite gekämpft wurde. Es wird befürchtet, dass der Konflikt die gesamte Region erfassen könnte.

Unterdessen hat die syrische Armee nach Angaben eines Kommandanten der Rebellen mittlerweile die Kontrolle über den Großteil des Staatsgebiets verloren. Einzig die Überlegenheit des Militärs in der Luft halte die Führung noch an der Macht, sagte der Rebellenoberst Ahmed Abdel Wahab in der Ortschaft Atma nahe der türkischen Grenze. Er ist nach eigenen Angaben Kommandant einer Brigade von rund 850 Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA). "Ob mit oder ohne ausländische Hilfe - der Fall des Regimes ist eine Frage von Monaten, nicht von Jahren", sagte er.

Würden die Rebellen über effiziente Panzerabwehr- und Flugabwehrgeschütze verfügen, würden sie "sehr schnell überlegen sein", sagte Wahab. Doch auch, wenn das Ausland die Aufständischen nicht mit solchen Waffen unterstütze, würden sie letztlich siegen: "Dann dauert es nur länger, das ist alles." Den Angaben des Kommandanten zufolge kontrollieren die Aufständischen mittlerweile die meisten Regionen des Landes, wo die Soldaten nur noch "Gefangene in ihren Kasernen" seien und diese nur selten verließen. Zudem könnten sich die Aufständischen außer im Großraum Damaskus "frei bewegen".

120 Menschen an einem Tag getötet

Unterdessen erlebt das Bürgerkriegsland eines seiner blutigsten Wochenenden. Allein am Samstag wurden mindestens 210 Menschen getötet, darunter 145 Zivilisten, wie die Syrischen Menschenrechtsbeobachter mitteilten. Die meisten Toten gab es demnach im Großraum Damaskus und in der nordsyrischen Millionenmetropole Aleppo. Auch am Sonntag wurden wieder Gefechte gemeldet. Nach Angaben von Aktivisten brachen erneut Kämpfe in Aleppo sowie in der Provinz Daraa aus.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana verkündete die Freilassung von 121 Regimekritikern aus Aleppo, die "keinen Mord begangen" hätten. Auch in den Protesthochburgen Homs und Hama seien in den vergangenen Tagen Dutzende Gefangene auf freien Fuß gesetzt worden. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

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