Syrien-Konflikt von

Aleppo unter schwerem Beschuss

Die Schlacht um Aleppo geht weiter - Lage der Zivilbevölkerung immer katastrophaler.

Syrien-Konflikt - Aleppo unter schwerem Beschuss © Bild: Reuters/Bensemra

In der umkämpften syrischen Millionenmetropole Aleppo wird die Lage der Zivilbevölkerung immer katastrophaler. Den vierten Tag in Folge lieferten sich Aufständische und Regimetruppen am Dienstag erbitterte Gefechte. Hunderttausende sind bereits geflohen, viele andere sitzen fest. Die unübersichtlichen Fronten ziehen sich mitten durch Wohngebiete. Nach UNO-Angaben leiden mindestens zwei Millionen Menschen unter der Gewalt im Land. Die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, forderte Gefechtspausen, damit sich Zivilisten ohne Furcht um ihr Leben aus den Kampfgebieten retten können. "Syrien gleitet in eine humanitäre Tragödie gewaltigen Ausmaßes ab", sagte sie in Brüssel.

Die Aufständischen kämpften sich in Aleppo nach eigenen Angaben Richtung Stadtzentrum vor. Das Militär beschoss die Viertel in Rebellenhand mit Artillerie und Hubschraubern. Nach Angaben von Aktivisten droht eine humanitäre Katastrophe. Mindestens 70 Menschen starben in Syrien binnen weniger Stunden. Allein etwa 40 Polizisten sollen nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter in Aleppo getötet worden sein, als Hunderte Rebellen in mehrstündigem Kampf zwei Polizeistationen eroberten.

Kaum glaubwürdige Berichte aus der Stadt
"Wir schieben nun die Front in Richtung Stadtzentrum vor", sagte Abu Omar al-Halebi, ein örtlicher Anführer der oppositionellen "Freien Syrischen Armee" (FSA), der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Nach Halebis Darstellung attackierten die Kämpfer weitere zentrale Einrichtungen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad, darunter das Militärkrankenhaus und das Hauptquartier der herrschenden Baath-Partei. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil Journalisten und andere Beobachter unter den Kriegsbedingungen kaum arbeiten können. Die in der Stadt Zurückgebliebenen suchten zu Tausenden Schutz in Moscheen und öffentlichen Gebäuden, sagte die Sprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), Melissa Fleming, in Genf.

Übergangsregierung geplant
Der syrische Dissident und Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh erklärte, ein neues Oppositionsbündnis habe ihn mit der Bildung einer syrischen Exilregierung mit Sitz in Kairo beauftragt. Er werde "mit allen Kräften der Opposition sprechen", sagte der 81-Jährige konservative Muslim auf einer Pressekonferenz in der ägyptischen Hauptstadt. Zuvor hatte bereits der oppositionelle "Syrische Nationalrat" (SNC) Gespräche zur Bildung einer Übergangsregierung angekündigt.

Erdogan warnt vor kurdischen Autonomiebestrebungen
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Kurden davor, in Syrien einen autonomen Staat anzustreben. "Das ist wie Güter aus einem brennenden Haus zu stehlen", sagte Erdogan in einer Fernsehansprache. Ein Eingreifen türkischer Streitkräfte schloss er nicht aus, sollte sich die Entwicklung im Nachbarland gegen nationale Interessen richten. Laut Medienberichten sollen sich verschiedene Kurdenorganisationen darauf geeinigt haben, gemeinsam mit Assad über einen Kurdenstaat in Nordsyrien zu verhandeln.

"Zeit": Sturz von Assad vergrößert Katastrophe
Nach Ansicht der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" würde der Sturz von Präsident Assad den Krieg möglicherweise noch lange nicht beenden. Denn "in Syrien kämpfen die Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran um die Vorherrschaft" , wird in einem Kommentar in der Online-Ausgabe des Blattes betont. Wörtlich heißt es darin: "Hier ist ein Bürgerkrieg in vollem Ausmaß entbrannt. Er wird möglicherweise noch länger, blutiger und verheerender als der im Irak seit 2003." Der Leiter der letzten UN-Mission in Syrien, General Robert Mood, habe Recht mit der Warnung, dass "ein Kollaps des syrischen Staates Folgen haben kann 'wie der Untergang des osmanischen Reichs'".