Syrien von

Ex-Premier: Assad-Regime vor Aus

Laut Hijab nur mehr 30 Prozent des Staatsgebietes unter Kontrolle

Syrien - Ex-Premier: Assad-Regime vor Aus © Bild: Reuters

Der zur Opposition übergelaufene syrische Ex-Ministerpräsident Riyad Hijab sieht das Regime von Präsident Bashar al-Assad vor dem Zusammenbruch. Es kontrolliere nur noch 30 Prozent des Staatsgebietes, sagte Hijab am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Amman. Es war sein erster öffentlicher Auftritt, seit er in der Vorwoche zu den Rebellen übergelaufen war und sich dann nach Jordanien abgesetzt hatte.

Der Kollaps des Regimes sei ein "moralischer, finanzieller und militärischer", sagte Hijab weiter. Er rief alle "ehrlichen" Staatsbeamten und Kommandeure der Sicherheitskräfte dazu auf, sich vom Regime abzuwenden und sich der Opposition anzuschließen. Der Sunnit Hijab war zum Zeitpunkt seines Bruchs mit dem Assad-Regime Ministerpräsident. Das Amt hatte er erst seit zwei Monaten inne. Der Assad-Clan und die meisten Spitzen der Sicherheitskräfte gehören der alawitischen Minderheit an.

Blutvergießen in mehreren Städten
Ungeachtet dessen nimmt das Blutvergießen in Syrien kein Ende. Regierungstruppen sind am Dienstag in Vorstädten von Damaskus, Aleppo und Homs und anderen Orten gegen Stellungen der bewaffneten Rebellen vorgegangen. Dabei wurden auch schwere Waffen, Kampfflugzeuge, Panzer und Artillerie eingesetzt, wie Aktivisten berichteten. In Aleppo gingen die Kämpfe in den Stadtvierteln Saif al-Daula und Salaheddin weiter.

Vorwürfe gegen beide Seiten
Der Chef der UNO-Beobachtermission, der Senegalese Babacar Gaye, hat Regierungstruppen und Aufständischen gleichermaßen vorgeworfen, für den Tod von Zivilisten verantwortlich zu sein. "Es ist offensichtlich, dass der wahllose Einsatz schwerer Waffen seitens der Regierung und gezielte Angriffe der Opposition in städtischen Zentren einen hohen Blutzoll unter unbeteiligten Zivilisten anrichten", sagte Gaye am Montag in Damaskus. Das Mandat der UNO-Beobachter, die eine von Beginn an nicht eingehaltene Waffenruhe überwachen sollten, läuft am 20. August aus.

Druck von außen steigt
Inzwischen steigt der äußere Druck auf das Regime. Die Mehrheit der Mitglieder der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) will nun die Mitgliedschaft Syriens suspendieren. Dies werde auf dem am Dienstag in Mekka beginnenden Gipfeltreffen der 57-Staaten-Organisation beschlossen werden, berichteten Medien. Der türkische OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu wurde mit den Worten zitiert: "Das Assad-Regime hat einen dunklen Tunnel ohne Ausgang betreten, indem es die legitimen Forderungen und Wünsche des Volkes ignoriert hat."

Iranischer Appell an Israel-Feindschaft
An dem von Saudi-Arabiens König Abdullah einberufenen Treffen nimmt auch der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad teil, der engste Verbündete Assads in der Region. Eine Aussetzung der Mitgliedschaft Syriens löse keine Probleme, sagte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi in Jeddah. Der iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi versuchte im Vorfeld, an die Israel-Feindschaft in der muslimischen Welt zu appellieren. Der Westen unterstütze die Aufständischen in Syrien nur, weil er glaube, dass ein Sturz der Regierung die "Widerstandsfront gegen Israel" stoppen würde, sagte Vahidi am Dienstag. "Doch sie ignorieren die Tatsache, dass diese Front gegen Israel auf dem Glauben von mehr als einer Milliarde Muslimen gründet."

Kommentare