Syrien von

Der Türkei reicht's bald

Man habe die Macht zu sagen: "Nun ist aber genug", erklärte Außenminister Davutoglu

Syrien - Der Türkei reicht's bald © Bild: Reuters/Stringer

Die Türkei lässt gegenüber Syrien die Muskeln spielen. Wenn die Regierung gegen das eigene Volk vorgehe, sei nicht nur seine eigene Sicherheit, "sondern auch die der Türkei" gefährdet, so Außenminister Ahmet Davutoglu in Ankara. Man habe die Verantwortung und die Macht zu sagen: "Nun ist aber genug." Welche Schritte das Land unternehmen könnte, sagte der Minister aber nicht.

An der türkisch-syrischen Grenze spielen sich dramatische Szenen ab. Leichen und ausgebrannte Militärfahrzeuge lägen unbeachtet am Straßenrand, berichteten Lastwagenfahrer, die kürzlich in Syrien waren. Die syrischen Grenzposten schössen auf alles, was sich bewege, sagten Einwohner und Flüchtlinge.

Die Türkei und das Regime in Syrien behindern nach dem vorläufigen Ende ihrer gemeinsamen Freihandelszone seit Donnerstag gegenseitig den grenzüberschreitenden Handel. Die türkische Armee hatte zuletzt laut unbestätigten Berichten von syrischer Seite Rebellenkämpfern nach Zusammenstößen mit der syrischen Armee Unterstützung gewährt.

Türkei reagiert auf Gewalt
Der frühere Verbündete Türkei ist unter dem Eindruck der Gewalt gegen Demonstranten zu einem scharfen Kritiker der Regierung in Damaskus geworden. Beobachter gehen davon aus, dass Assad-Gegner aus der Türkei Waffen und Kämpfer nach Syrien schmuggeln, um Regierungstruppen anzugreifen.

Die international weitgehend isolierte Regierung Syriens ließ ihre Sicherheitskräfte nach den Freitagsgebeten erneut gegen Kritiker von Präsident Bashar al-Assad vorgehen. Aktivisten zufolge wurden dabei bis zu 30 Menschen getötet. Neun Menschen sollen allein in der Protesthochburg Homs ums Leben gekommen sein, wo Regierungsgegner "Syrien will Freiheit" und "Baschar ist ein Menschenfeind" riefen, wie der TV-Sender Al-Jazeera berichtete.

Die Vereinten Nationen drängten Syrien mit Nachdruck, ins Land gelassen zu werden. Die UNO sei kaum in der Lage, sich ein Bild der Lage zu machen, sagte die Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in Stockholm. So könne die Organisation schlecht einschätzen, ob etwa Pufferzonen helfen würden, in die sich Oppositionelle zurückziehen könnten. Die Regierung geht seit neun Monaten gewaltsam gegen die Opposition vor und hat unabhängige Beobachter ausgewiesen.

Schon 4.000 Tote
Nach UNO-Schätzungen sind bisher mindestens 4.000 Menschen getötet worden. Der mit Wirtschaftssanktionen belegte Präsident Assad hat "Fehler" eingeräumt, sieht die meisten Toten aber bei seinen Streitkräften, die Opfer "bewaffneter Terroristen" seien.