"Wiener Strasse" von

"Jeder findet Wien toll, glaube ich. Alles andere ergibt ja keinen Sinn."

Sven Regener über Wien-Berlin, sein Buch und die 80er-Jahre

sven regener © Bild: APA/Jäger

Sven Regener hat mit "Wiener Straße" wieder einen Roman geschrieben, der in dem erfolgreichen wie amüsanten "Herr Lehmann"-Kosmos angesiedelt ist. Dabei spielen - nicht nur im Titel - auch Österreicher eine kleine Rolle. Der Autor im Gespräch über sein Buch, seine Liebe zu Wien und die 80er-Jahre.

News.at: Die Wiener Straße aus im Buch: Erkennen Sie sie heute wieder?
Sven Regener: Auf jeden Fall. Es ist zwar alles anders, aber das war es damals auch schon.

Sind Sie oft in der Gegend? Was fasziniert sie an Kreuzberg?
Ich bin da gerne und ich weiß nicht, ob Faszination das richtige Wort ist. Ich habe einen wichtigen Teil meines Lebens dort verbracht, da ist dann wohl auch ein Liebe im Spiel.

»"Ich wünsche mir nichts zurück"«

Das Buch spielt in den 80er-Jahren. Wie haben Sie die 80er erlebt? Wünschen Sie sich diese Zeit manches Mal zurück?
Nun ja, damals begann ich mit der Musik in Bands, erst "Zatopek", dann "Neue Liebe" und dann Element of Crime, das ergab im Ganzen fünf Langspielplatten und jede Menge Tourneen, Spaß, Alkohol, so Sachen halt. Ich war jung und hab das Beste draus gemacht, denke ich mal. Ich wünsche mir aber nichts zurück, das will man alles nur einmal erlebt haben.

Die Wiener Straße, die Figur des Österreichers Kacki in Ihrem Roman…: Haben Sie eine besondere Verbindung zu Wien/Österreich?
Ja, habe ich, seit 30 Jahren, seit wir das erste Mal mit Element of Crime in Wien spielten.

Inwiefern ähneln sich Wien und Berlin?
Es sind beides große Städte, in denen viel los ist. Alles andere ist verschieden und das finde ich gut.

Berlin ist für Wiener oftmals wie der „große, coole Bruder“. Wie ist das in Berlin? Wie wird Wien gesehen?
Ich weiß es nicht genau. Jeder findet Wien toll, glaube ich. Alles andere ergibt ja auch keinen Sinn.

„Wiener Straße“ hat ja nicht nur gute Kritiken bekommen. Lesen Sie Kritiken? Wie sehr treffen sie negative?
Nein, ich lese keine Kritiken, sie wurden ja auch nicht für mich geschrieben sondern für potentielle Leser. Als Künstler muss man das alles hinnehmen, wie es ist.

Was denken Sie, würden Ihre Figuren Erwin, Kacki und Co. heute machen?
Manche sind vielleicht schon tot. Andere machen irgendwie weiter, keine Ahnung.

Sven REgener
© APA/DPA/Dedert

"Herr Lehmann" ist inzwischen für viele der „ultimative Berlin-Roman“ und die Leute machen sich auf die Such enach den beschriebenen Orte. Wie fühlt sich das für Sie an?
Das finde ich gut. Es gibt auch "Neue-Vahr-Süd"-Führungen in Bremen, das ist auch toll. Das hat was, das kann man ruhig zugeben.

Einige Ihrer Bücher sind bereits verfilmt worden. Hat man da beim Schreiben weiterer Romane – wie jetzt bei "Wiener Straße" – die Schauspieler im Kopf?
Nein, seltsamerweise nicht. Sobald ich von ihnen schreibe, aber auch wenn ich aus den Büchern lese, sind die Filmbilder wieder weg. Und umgekehrt. Gottseidank.

Sie waren auf der Longlist für den deutschen Buchpreis: Wie wichtig, denken Sie, sind solche Preise?
Für mich nicht so wichtig, zumal ich sie ja meist nicht bekomme.

»"Auserzählt ist alles doch erst, wenn die Erde in die Sonne fällt"«

Glauben Sie, wird es noch weitere Bücher aus dem Herr Lehmann-Kosmos geben? Könnte darin Herr Lehmann auch mal wieder die Hauptrolle spielen oder ist seine Figur für Sie „auserzählt“?
Das Wort "auserzählt" finde ich ja eher abtörnend, das würde ich nicht benutzen wollen. Auch nicht denken. Nein, auserzählt ist alles doch erst, wenn die Erde in die Sonne fällt.

Was sagen Sie zu dem Wahlausgang in Österreich?
Nichts, ich mische mich da nicht ein. Ich habe genug damit zu tun, über den Wahlausgang in Deutschland nachzudenken.

Sie lesen bald in Wien: Macht eine Lesung Spaß oder ist es eher ein „notwendiges Übel“ um das Buch zu bewerben?
Mir machen die Lesungen Spaß. Sie haben viel mit Sound zu tun, das gefällt mir!

Info:
Sven Regener liest aus "Wiener Straße" am 17., 18. und 19. November im Wiener Rabenhof Theater.
"Wiener Straße": Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern: Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.