Sutherland im NEWS.at-Talk: "Schauspieler gehen nicht in Pension, sondern sie sterben"

Der Weltstar über die Romy und seine Fehler Wie es für ihn war, dass Kiefer den 1. Stern bekam

Hollywood-Star Donald Sutherland stattete Wien einen Besuch ab. Nicht zum Sightseeing, sondern um sich eine der begehrten Romys abzuholen. Gemeinsam mit seinen Kollegen nahm er die ein Kilo schwere Trophäe für den mehrteiligen TV-Film „Säulen der Erde“ in der Wiener Hofburg entgegen: "Alles, wo Romy Schneiders Name draufsteht ist wichtig für mich", so ein Argument für seine Freude. NEWS.at traf den kanadischen Schauspieler schottischer Abstammung und die Münchner Filmproduzentin Rola Bauer im Sofitel in Wien zum Interview.

Von unserer Hauptstadt hat Donald Sutherland bisher noch nicht viel gesehen. Auch bei den Dreharbeiten zu „Säulen der Erde“, die teilweise auch in Österreich stattfanden, hatte er keine Möglichkeiten für ausgedehnte Ausflüge: „Ich war erst einmal hier, und das, um zu drehen. Und wenn ich arbeite, sehe ich gar nichts. Ich habe etwa ein Jahr lang mit Fellini in Rom gedreht und nicht einmal die Sixtinische Kapelle gesehen. Man glaubt immer, als Schauspieler kommt man herum und sieht die ganze Welt. Meine Frau, sie kann Ihnen alles über Wien erzählen. Ich kann Ihnen nichts darüber sagen. Nur ein bisschen Oper – aber das war toll.“

„Säulen der Erde“
Und nun durfte er zumindest auch einen Blick in die Hofburg werfen. Was das Auszeichnungswürdige an „Säulen der Erde“ ist? Für Rola Bauer nur schwer kurz zusammenzufassen: „Die ganze Produktion war speziell. Es war eine Palette vieler verschiedener Farben. Es begann bei unserem Drehbuchautor, John Pielmeier, wir hatten so ein Glück mit dem Regisseur Sergio Mimica-Gezzan. Er ist so unglaublich talentiert. Und unser unglaubliches Talent Donald Sutherland. Alle haben mich gewarnt: Du hast so eine komplizierte Zusammensetzung an Schauspielern: Weltstars, dann einige Leute, die in ihren Ländern unglaublich bekannt sind, aber keine internationale Erfahrung hatten. Also viele Egos, die man zusammenbringen musste. Aber all diese Menschen haben ein einzigartiges Gefühl am Set entwickelt, und das ist sehr selten.“ Für Donald Sutherland war es viel schneller erklärt: „Sie vergisst das Wichtigste: Der Schlüssel war, dass sie über allem und jedem gestanden ist. Mit viel Leidenschaft, Intelligenz und harter Arbeit – sie will eine Produktion so gut wie möglich in Szene setzen. (…) Im Endeffekt war das alles ihr Verdienst.“

Lieblingsrollen? Gibt es nicht
War die Rolle als Bartholomäus von Shiring eine seiner Liebsten? „Ich habe keine Lieblingsrolle. Wenn ich über eine Rolle sagen würde – ‚die war mir am liebsten’ wäre gleich mindestens einer der anderen Regisseure der 150 Filme, die ich bisher gemacht habe, beleidigt. Eine Schriftstellerin hat einmal gemeint: 'Ich war in meinem ganzen Leben nicht richtig verliebt.' Da bekam sie von mehr als nur einem Liebhaber ein 'Aber ich dachte schon, dass wir...' Das ist eher schwierig.“

Von wegen in-Rente-gehen
Ans Aufhören denkt der Schauspieler auch im stolzen Alter von 74 Jahren noch nicht. „Schauspieler gehen nicht in Pension. Sie sterben. Oder sie sitzen im Rollstuhl – aber selbst dann: Es gibt Rollen für Rollstuhlfahrer.“

Gibt es etwas, das er gerne anders gemacht hätte im Zuge seiner Karriere? „John Booreman wohnte ein paar Monate im Haus neben meinem und wollte mich überreden, in 'Beim Sterben ist jeder der Erste' mitzuspielen. Ich habe gesagt ‚Ich spiele in keinem gewaltsamen Film mit’, und so hat er John Voight gefragt. Sam Peckinpah wollte, dass ich in 'Wer Gewalt säht' mitspiele – ich hab abgesagt und dann hats Dustin (Hoffman, Anm. der Redaktion) gespielt. Theoretisch gibt es Fehler. Aber wenn ich etwas anders gemacht hätte, hätte sich mein Leben in anderen Bahnen bewegt und ich hätte vielleicht nicht die Frau getroffen, mit der ich die letzten 40 Jahre verbracht habe. Und glauben Sie mir: Das würde ich mehr bereuen als alles andere. Das einzige, dass ich in den letzten 40 Jahren ändern würde wäre vielleicht, dass ich netter zu meiner Frau sein würde.“

Kiefers Stern, Donalds Stern
2011 freute sich Donald Sutherland über einen Stern am „Walk of Fame“ – drei Jahre nachdem sein Sohn sich in der Reihe der ganz Großen verewigen durfte. War das seltsam für ihn? Donald Sutherland (lacht): „Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht.“ Rola Bauer springt ein, während er sich immer noch nicht beruhigt hat: „Die Veranstalter haben sich sogar größte Mühe gegeben, dass die beiden Sterne beieinander liegen können.“

„Wissen Sie was, wenn Sie noch jung sind und Sie bekommen den Stern, ist es toll. Sie haben noch ihre ganze Zukunft vor sich. Es ist ein Sprungbrett. Wenn Sie in meinem Alter sind, und den Großteil Ihres Lebens bereits hinter sich haben, ist es eher eine Markierung. Wenn Sie in meinem Alter an einem Friedhof vorbeigehen und Sie betrachten die Mausoleen und die Grabsteine - auch sie sind Markierungen. Das tolle an dem Stern am Walk of Fame ist, dass ich zurückkommen und ihn besuchen kann. Für mich war es eine große Ehre. Ich habe nie erwartet, ihn zu bekommen. Ich war begeistert, dass mein Sohn einen erhalten hat. Bei meiner Verleihung war Kiefer gerade bei Dreharbeiten in New York. Aber er hat mir einen fantastischen Brief geschrieben, Colin Farrell hat ihn vorgelesen – ich liebe Colin Farrell. Das war sehr bewegend."

Beatrix Konrader