Supermarkt in Moskau eingestürzt: 64 Menschen sterben - Geschäftsführer in Haft!

Keine Hoffnung mehr auf weitere Überlebende <b>PLUS:</b> BILDER vom Schauplatz des Unglücks

Einen Tag nach dem Einsturz der Markthalle im Osten Moskaus hat die russische Polizei den zuständigen Geschäftsführer festgenommen. Der Mann stehe im Verdacht der fahrlässigen Tötung von insgesamt 64 Menschen, teilte der Leiter der Moskauer Staatsanwaltschaft, Anatoli Sujew, mit. Die Justiz leitete zudem, wie auch bei früheren Gebäudeeinstürzen in Russland üblich, eine Untersuchung auf mögliche Sprengstoffspuren ein.

Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow bekräftigte seine Version, wonach das Dach aus Stahlbeton unter einer tonnenschweren Schneelast eingebrochen sei. Bei der Tragödie in der Bauman-Straße kamen 57 Menschen ums Leben. Ein schwer verletzter Händler starb im Krankenhaus. Die Einsatzleitung beendete die Suche nach Opfern in dem eingestürzten Gebäude.

Es gebe "praktisch keine Chance" mehr, noch Überlebende zu finden, teilte der Zivilschutz mit. Man habe alle möglichen Aufenthaltsorte von Menschen in dem Trümmerberg durchsucht. "Bisher hat sich niemand bei uns gemeldet, der einen Bekannten oder Verwandten in der eingestürzten Markthalle vermisst", sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur Interfax.

Inzwischen sind Kräne und schweres Räumgerät hinzugezogen worden, um die Trümmerteile abzutransportieren. Am Ort der Tragödie solle so schnell wie möglich ein modernes Einkaufszentrum errichtet werden, kündigte die Stadtverwaltung an.

In mehreren Moskauer Krankenhäusern werden noch 15 Männer und sechs Frauen behandelt, die beim Einsturz verletzt worden waren, einige von ihnen schwer. Fast alle Opfer sind Gastarbeiter aus den ehemals sowjetischen Republiken im Kaukasus und in Zentralasien. Die Toten seien von Verwandten und Arbeitskollegen identifiziert worden.

Der Architekt der 1977 gebauten Markthalle, Nodar Kantscheli, hatte betont, die Marktleitung habe gegen die Nutzungsbestimmungen für das Gebäude verstoßen, indem in einer Zwischenetage Dutzende Marktstände eingerichtet worden seien. Als Hauptgrund für den Einsturz nannte Kantscheli ebenfalls die Schneelast.

Der landesweit bekannte Architekt hatte auch das vor zwei Jahren eingestürzte Erlebnisbad "Transvaal" im Süden Moskaus entworfen. Eine Kommission prüft bis heute die Umstände des Unfalls im Februar 2004, bei dem 28 Badegäste ums Leben kamen.

Das Dach der Markthalle an der Bauman-Straße war nach starkem Schneefall und einsetzendem Tauwetter auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern eingestürzt. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich nach Schätzungen der Marktleitung 100 bis 150 Händler in der Halle aufgehalten. In der Frühe war der Markt noch nicht für Kunden geöffnet. Einigen Händlern gelang es, unversehrt aus dem nicht vollständig zerstörten Gebäude zu fliehen.

Bürgermeister Luschkow kündigte schnelle Entschädigungszahlungen für die Überlebenden sowie die Angehörigen der Toten an. Auch die Familien von getöteten Ausländern hätten Anspruch auf die Entschädigungssumme von 100.000 Rubeln (etwa 3.000 Euro). Wer nach dem Einsturz der Markthalle im Krankenhaus behandelt werden musste, bekomme 50.000 Rubel. (apa/red)