Super Aguri sagt Formel 1 leise "Servus":
Sofortiger Rücktritt des Nippon-Rennstalls

Finanzielle Probleme schon vor laufender Saison Königsklasse damit nur mehr mit zehn F1-Teams

Super Aguri sagt Formel 1 leise "Servus":
Sofortiger Rücktritt des Nippon-Rennstalls © Bild: Reuters

Der finanziell angeschlagene Rennstall Super Aguri hat seinen monatelangen Überlebenskampf verloren und zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurück. 26 Monate nach dem Debüt am 12. März 2006 in Bahrain, nach 39 Grand Prix und vier WM-Punkten verkündete Teamchef Aguri Suzuki das Ende der Hinterbänkler-Truppe.

"Mit Bedauern muss ich mitteilen, dass das Team heute seine Rennaktivitäten stoppt", sagte der Japaner. Damit sind ab sofort und wie zuletzt 2005 nur noch zehn Teams in der "Königsklasse" vertreten. Schon beim Großen Preis der Türkei in Istanbul wird Super Aguri mit seinen Piloten Anthony Davidson und Takuma Sato nicht mehr dabei sein.

Noch vor Kurzem hatte der Vorstand des japanischen Automobil-Herstellers und Formel-1-Konkurrenten Honda über das Übernahmeangebot einer deutschen Unternehmensgruppe (Weigl-Gruppe) beraten, stimmte aber dem Verkauf an den potenziellen Investor nicht zu. Hondas Formel-1-Verantwortlicher Nick Fry hatte schon in den vergangenen Wochen nur noch wenig Interesse gezeigt, das Team mit Chassis, Motor und vor allem finanziell zu unterstützen. Angeblich soll auf sein Geheiß hin den Lkws von Super Aguri, mit denen Ersatzteile und das Motorhome in die Türkei gebracht worden waren, die Zufahrt zum Istanbul Speed Park verweigert worden sein.

Vertragsbruch löst Krise aus
Die Krise war ausgelöst worden, nachdem ein Großsponsor im vergangenen Jahr nicht wie vereinbart gezahlt haben soll. "Der Vertragsbruch durch unseren Partner SS United hat zum Verlust der finanziellen Unterstützung geführt und das Team in finanzielle Schwierigkeiten gebracht", sagte der 47-jährige Suzuki, der selbst von 1988 bis 1995 64 Grand Prix bestritten hat. Die Notlage verschärfte sich, als im vergangenen Monat eine Investoren-Gruppe (Magma) ihr Interesse an einem Kauf zurückzog.

Erschwerend wirkte für das Honda-"Juniorteam", dass künftig Kundenautos verboten werden sollen. Ein Problem, das über kurz oder lang auch zum Red-Bull-Verkauf von Toro Rosso und hoffentlich dank des Wohlwollens des Geldgebers Dietrich Mateschitz nicht zu so einem Ende führen wird.

Eigener Wagen zu kostspielig
Auch Super Aguri hätte künftig einen eigenen Wagen entwickeln müssen, was wiederum sehr kostspielig ist. Die veränderten Rahmenbedingungen für das Team hatten sich negativ auf die Möglichkeit ausgewirkt, Partner zu finden. "Wir haben es mit Hilfe von Honda irgendwie geschafft, das Team am Laufen zu halten, aber wir finden es schwer, einen Weg zu finden, um unsere Tätigkeiten in Zukunft innerhalb der Formel 1 fortzusetzen", meinte Suzuki.

Super Aguri war trotz der Geldnöte in den ersten vier Rennen 2008 an den Start gegangen. Die Präsentation des neuen Wagens hatte vor der Saison wegen der fehlenden Mittel abgesagt werden müssen, Suzuki war fast ausschließlich mit der Suche nach Sponsoren beschäftigt.

Private Rennställe haben's schwer
Super Aguri ist das vorerst letzte in einer langen Reihe von Teams, die im Milliarden-Zirkus Formel 1 mangels Geld nicht mehr auftreten können. Nachdem immer mehr Automobil-Hersteller eigene Teams in der Formel 1 unterhalten, ist es für private Rennställe immer schwieriger, finanziell mitzuhalten. Rund 100 Millionen Dollar pro Saison muss man aufbringen, um bei dem PS-Spektakel dabei zu sein. Etliche Rennställe wie Prost, Jordan, Jaguar oder Arrows zogen sich in den vergangenen Jahren zurück oder wurden übernommen. (apa/red)