"Suffolk Ripper" - fünf Prostituierte in England getötet: Polizei sucht Serienmörder

Behörden: Täter verfügt über gute Ortskenntnisse Prostituierte sollen sich von Rotlichtszenen fernhalten

Mit Hochdruck hat die britische Polizei nach dem Serienmörder gefahndet, der vermutlich fünf Prostituierte auf dem Gewissen hat. Die Mordserie in der Umgebung der südostenglischen Stadt Ipswich, wo seit Anfang des Monats bereits fünf nackte Frauenleichen gefunden wurden, beschäftigte sogar das Parlament. Premierminister Tony Blair sagte im Unterhaus, in der Bevölkerung gebe es nun eine "vollkommen verständliche Angst". Auf die Ergreifung des Täters wurden inzwischen mehr als 250.000 Pfund (rund 370.000 Euro) Belohnung ausgesetzt.

Trotz des Großeinsatzes der Polizei brachte die Fahndung zunächst keinerlei Erfolg. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der genauen Obduktion der Leichen, zu der Spezialisten des Innenministeriums aus London in die Grafschaft Suffolk kamen. Vermutet wird, dass es sich bei dem Täter um einen Mann von weißer Hautfarbe handelt, der gute Ortskenntnisse hat. Zugleich sichtete die Polizei die Aufnahmen von Überwachungskameras, um auf die Spur des Mörders zu kommen.

Drei der Leichen sind zweifelsfrei als Prostituierte im Alter von 19 bis 25 Jahren identifiziert, die im Rotlichtviertel von Ipswich ihr Geld verdienten. Bei den beiden anderen Frauen ist sich die Polizei noch nicht endgültig sicher. Vermutet wird aber, dass es zwei vermisste Frauen im Alter von 24 und 29 Jahren sind, die ebenfalls als Strichmädchen unterwegs waren. Chefermittler Stewart Gull berichtete von "verblüffenden Übereinstimmungen" an den Fundorten der Leichen. Auch die Möglichkeit, dass es sich um verschiedene Täter handelt, schließt die Polizei aber nicht völlig aus.

Fundorte nicht Tatorte
Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Orten, an denen die toten Frauen entdeckt wurden, nicht um die Tatorte. "Wir haben nichts gefunden, was auf die Schauplätze der Morde hinweist", sagte der Gerichtsmediziner Nat Carey. Die Leichen seien dort vermutlich nur "abgelegt" worden. Die Sonntagszeitung "News Of The World" setzte derweil eine Belohnung von 250.000 Euro aus. Ein Geschäftsmann aus der Region will Hinweise auf den Täter ebenfalls mit einer größeren Summe belohnen.

Blair sagte der Polizei die uneingeschränkte Unterstützung der Regierung für die Aufklärung der Morde zu. Das gesamte Parlament empfinde Anteilnahme vor allem mit den Hinterbliebenen der fünf ermordeten Frauen. Der konservative Oppositionsführer David Cameron sagte: "Wir alle wollen, dass dieses Monster gefasst und weggeschlossen wird."

Prostituierte sollen sich von Rotlichtszenen fernhalten
Die Polizei wiederholte in mehreren Städten der betroffenen Region ihren Aufruf an Prostituierte, sich von den Rotlichtszenen fern zu halten. Der Stadtrat von Ipswich bot derweil Prostituierten sofortige Unterstützung an, die möglicherweise drogenabhängig und deshalb trotz der enormen Gefahr auf zahlende Freier angewiesen sind. Auf den Straßen der 140.000-Einwohner-Stadt sind seit Bekanntwerden der Mordserie deutlich weniger Menschen unterwegs als früher. (apa/red)