Südtirol wählt heute einen neuen Landtag: SVP muss um ihre absolute Mehrheit bangen

Oppositionsparteien sind laut Umfragen im Aufwind 471 Kandidaten auf 15 Listen hoffen auf Landtagssitze

Südtirol wählt heute einen neuen Landtag: SVP muss um ihre absolute Mehrheit bangen © Bild: APA/Ebner

Bei der heutigen Südtiroler Landtagswahl muss die seit 1948 mit absoluter Mehrheit regierende Südtiroler Volkspartei (SVP) um ihre absolute Mehrheit bangen. Zumindest nach Umfragen liegt sie unter 50 Prozent. Bereits bei der Parlamentswahl im April dieses Jahres war die SVP auf ein historisches Tief abgestürzt. Von dieser Entwicklung wollen die Oppositionsparteien profitieren, allen voran die Freiheitlichen, die "Süd-Tiroler Freiheit" und die Grünen. 471 Kandidaten auf 15 Listen machen sich Hoffnungen auf 35 Landtagssitze. 2003 eroberte die SVP 21 dieser Mandate.

Wieder einmal setzt die SVP bei diesem Urnengang auf den amtierenden Landeschef Luis Durnwalder, der bereits zum vierten Mal Spitzenkandidat seiner Partei ist. 2003 erhielt er 110.000 Vorzugsstimmen, das mit Abstand beste Ergebnis aller Landeshauptleute in der Geschichte des Landes. Auch angesichts der jüngsten Wahl in Bayern bleibt abzuwarten, ob die Landtagswahl in Südtirol auch für die SVP zu einer Denkzettelwahl wird. Im nun in die Intensivphase gehenden Wahlkampf gibt es so manche Parallele, nicht zuletzt lässt sich die SVP von derselben Agentur coachen, auf die auch die bayerische CSU gesetzt hat.

Ethnische Grenzen zwischen Volksgruppen
Nach wie vor werden die ethnischen Grenzen zwischen den drei Volksgruppen eingehalten. Die mittlerweile aus der SVP-Fraktion ausgetretene italienische Bozner Gemeinderätin Elena Artioli kandidiert nach ihrem (gescheiterten) Versuch, auf die SVP-Landtagsliste zu kommen, gemeinsam mit dem wegen seiner Aussagen über Roma als SVP-Regionalrat heftig kritisierten Roland Atz bei der Lega Nord. Die SVP sieht sich weiter als Partei der deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppe, auch wenn laut Untersuchungen 2003 etwa 7.000 Italiener ihr die Stimme gaben.

Eigene Ladiner-Liste
Auch eine wieder ins Leben gerufene Ladiner-Liste versucht, speziell diese Volksgruppe zu vertreten und mit ehemaligen SVP-Mitgliedern in den Landtag zu kommen. Auf ehemalige SVP-Mitglieder setzen auch die Freiheitlichen mit Parteichef Pius Leitner und Ulli Mair an der Spitze, die ihre beiden Sitze nicht nur verteidigen, sondern zulegen wollen.

Nach der Spaltung gehen die für Selbstbestimmung kämpfende Eva Klotz und Andreas Pöder getrennte Wege. Beide hoffen auf den Wiedereinzug. Pöder kandidiert als Spitzenkandidat der Union für Südtirol, Klotz mit ihrer "Süd-Tiroler Freiheit".

Grünen kandidieren mit Bürgerlisten
Nicht ganz geglückt ist das Experiment der Grünen, die eine Verschränkung mit den Bürgerlisten suchten. Ein Teil kandidiert auf der Grünen-Liste, auf der es deutsch-, ladinisch- und italienischsprachige Kandidaten mit Landtagspräsident Riccardo Dello Sbarba gibt. Ein weiterer Teil tritt selbstständig als "Bürgerbewegung" rund um Johann Rieder an.

Getrennt marschiert auch die italienische Mitte mit dem Bozner Stadtrat Sandro Repetto (UDC) und LR Luigi Cigolla (Di Pietro). Forza Italia und AN präsentieren sich mit der wegen nationalistischer Aussagen umstrittenen Kammerabgeordneten Michaela Biancfiore auf einer gemeinsamen Plattform "Il Popolo della Liberta". Das Abschneiden auch dieser Listen ist nicht unwesentlich für die Regierungsbildung nach der Wahl. Laut Autonomiestatut steht jeder Volksgruppe eine entsprechende Vertretung in der Landesregierung zu. Sind Grüne oder Mitte-Parteien dafür zu schwach, könnte die SVP gezwungen sein, mit Kandidaten der Rechtsparteien zusammenarbeiten zu müssen.

(apa/red)