Südkorea will mit Geiselnehmer direkt ver- handeln: Seoul eventuell zu Treffen bereit

"Ziel ist nicht Treffen selbst, sondern Fortschritte" Taliban fordern weiter Freilassung von Genossen

Drei Wochen nach Beginn des Geiseldramas um entführte südkoreanische Christen in Afghanistan versucht die Regierung in Seoul weiter, die Entführer aus den Reihen der Taliban zu einem begrenzten Einlenken zu bewegen. Die koreanische Delegation in Afghanistan stehe in täglichem Kontakt mit den Geiselnehmern, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS.

Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf Informanten, Südkorea sei eventuell zu einem Treffen mit den Taliban in einem von den Rebellen kontrollierten Gebiet bereit. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

"Das Ziel ist nicht das Treffen selbst, sondern Fortschritte zu erzielen, wenn beide Seiten sich treffen", zitierte Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul. Die Taliban fordern die Freilassung von Gesinnungsgenossen in afghanischer Haft im Austausch gegen die noch überlebenden 21 Geiseln. Südkorea hatte jedoch erklärt, dass die Erfüllung dieser Forderung außerhalb der eigenen Macht stehe. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte wiederholt Zugeständnisse in dieser Frage abgelehnt. Laut Yonhap bot Seoul an, Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen für die afghanische Bevölkerung zu bauen, um die Taliban umzustimmen.

Die Gruppe von ursprünglich 23 Koreanern, die einer Freikirche angehören und in Afghanistan medizinische und andere Hilfe leisten wollten, wurde am 19. Juli im Süden des Landes verschleppt. Zwei der männlichen Geiseln wurden später von ihren Entführern erschossen.

(apa/red)