Südeuropa sucht Urlauber: Wie wichtig
die Touristen für Italien, Portugal & Co sind

Gäste machen 10 - 20 % der Wirtschaftsleistung aus Fremdenverkehr Chance zur finanziellen Gesundung

 Südeuropa sucht Urlauber: Wie wichtig
die Touristen für Italien, Portugal & Co sind

Was haben Griechenland, Italien, Spanien und Portugal gemeinsam? Ganz klar: einen horrenden Schuldenberg, der selbst die traumhaftesten Landschaften verdeckt. Viele Einsparungen haben diese Länder bereits beschlossen, um diesen Missstand zu beheben. Doch oft reicht selbst der härteste Sparkurs nicht. In diesem Fall müssen die gebeutelten Länder auf Hilfe von außen hoffen. Auf Hilfe der Touristen.

Vier Prozent trägt der Tourismus im EU-Durchschnitt zur Wirtschaftsleistung eines Landes bei. Nicht so in Südeuropa: Dort geht ohne den Fremdenverkehr nichts. Logisch, dass die Staatenlenker der gebeutelten südeuropäischen Staaten daher nun umso mehr auf Gäste aus In- und Ausland setzen.

Gerade Griechenland hat's wirklich nötig! Bei einer Neuverschuldung von knapp 13 Prozent der Wirtschaftsleistung ist jeder Euro, der ins Land fließt, unentbehrlich. Derzeit steuert der Tourismus rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung bei. Zwar sind angekündigte Streiks und Proteste gegen Sparmaßnahmen der Regierung für Urlauber alles andere als erfreulich - immerhin aber hat Athen zugesagt, alle daraus resultierenden Kosten der Touristen zu übernehmen.

Weltmeisterlicher Werbeeffekt
Hart erwischt hat es auch das langjährige Wirtschaftswunder Spanien. Explodierende Staatsverschuldung, Massenarbeitslosigkeit, Immobilienkrise - doch die Iberer setzen in der Krise mehr denn je auf die Karte Tourismus: Immerhin stammt jeder zehnte Euro, den Spanien verdient, aus dem Fremdenverkehr. Und es soll mehr werden: Bereits vergangenes Jahr brachte die Regierung den Fremdenverkehr mit einer Milliarde auf Vordermann, nun erwägt Barcelona die Einführung einer Touristensteuer von einem Euro pro Besucher.

An Besuchern dürfte es jedenfalls nicht mangeln. Dafür sorgen auch der sportliche Erfolg bei der Fußball-WM: „Der Werbeeffekt für Spanien als Reiseland ist unermesslich“, wie Jose Luis Zoreda, Vize-Präsident des spanischen Tourismusverbands Exceltur, bestätigt.

Entdecke Italien!
In Italien hat es Regierungschef Berlusconi verstanden, sein Land lange aus der Debatte um Europas Pleitekandidaten herauszuhalten. Doch die hohe Verschuldung Italiens konnte er nicht verheimlichen. Nun will Berlusconi zumindest die eigenen Landleute dazu auffordern, Urlaub in der Heimat zu machen und predigt per Werbe-Spot: "Italien ist ein einmaliges Land, das du noch entdecken musst". Aber auch aus dem Ausland sollen die Gäste wieder in Scharen ins Land strömen: Dank vom Staat finanzierter günstiger Kredite soll der Fremdenverkehr rund ein Fünftel zur Wirtschaftsleistung beitragen. Derzeit steuert er nur ein Zehntel bei.

Die Rettung soll der Tourismus auch in Portugal bringen, wo er fast zehn Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Laut nationalem Tourismus-Strategieplan soll die Zahl der Gäste bis 2015 nahezu verdoppelt werden. Ob das gelingt? An den natürlichen und von Menschenhand geschaffenen Sehenswürdigkeiten wird es jedenfalls nicht scheitern.
(red)