Südafrikas gefürchtete Taxifahrer: Im
Streit um Vormachtstellung WM im Visier?

Blutiger Kampf gegen neue Verkehrsmittel eskaliert Schüsse auf Bus-Passagiere kurz vor Fußball-WM

Südafrikas gefürchtete Taxifahrer: Im
Streit um Vormachtstellung WM im Visier? © Bild: APA/EPA

Mit den Taxifahrern Südafrikas legt sich niemand gerne an. Ihr Image: Sie rasen, ignorieren rote Ampeln, fahren aggressiv, stoppen unvermittelt, um Passagiere aufzunehmen. Die Schüsse aus dem Hinterhalt auf Passagiere öffentlicher Busse in Soweto demonstrieren erneut die Militanz mancher Taxifahrer in ihrem Kampf gegen neue öffentliche Verkehrsmittel. Der Streit wird im schlimmsten Fall auch die Fußball-WM berühren. Die jetzt attackierten Busse verkehren zwischen der City und dem Stadtteil Soweto, ein Stopp ist "Soccer City", Schauplatz des WM-Eröffnungsspiels am 11. Juni.

Zwar zeigte sich Südafrikas Präsident Jacob Zuma in einem Interview der "City Press" optimistisch: "Auch das Taxigewerbe wird (bei der WM) boomen, da sollten sie dann Geld machen!" Aber genau aus Sorge um ihre Geschäfte rebelliert das Heer der Taxifahrer in Südafrika. Vergangene Woche protestierten in der Hauptstadt Pretoria vor Zumas Amtssitz tausende Taxifahrer mit Blockaden und Steinwürfen gegen das neue Bussystem. "Wir verurteilen auf Schärfste alle, die mit Gewalt und Einschüchterung vorgehen", hatte der Bürgermeister von Johannesburg, Amos Masondo, die Taxifahrer kürzlich gewarnt.

Sogar Ricter haben Angst
Selbst Verkehrsrichter fürchten Taxifahrer. Manchmal trauen sich Richter nicht aus dem Justizgebäude: "Sie bedrohen uns ohne Scheu, manchmal lauern sie einem auf", berichtete ein Richter in Kapstadt über seine Erfahrungen mit Taxifahrern, die wegen Fahrens ohne Führerschein, überhöhter Geschwindigkeit oder Trunkenheit verurteilt worden waren.

"Taxifahrer" ist allerdings eine eher irre führende Bezeichnung, weil damit in Südafrika nicht die Lenker von Limousinen gemeint sind, wie sie Touristen und Geschäftsleute benutzen. Als Taxifahrer gelten die Heerscharen der Lenker kleiner Busse, in denen in der Regel zwischen zehn und 16 Passagiere Platz finden. Oft genug befinden sich die Fahrzeuge in miserablem, zuweilen lebensgefährlich schlechtem Zustand. Taxi-Unfälle mit zahlreichen Toten gehören zum Alltag.

Diese Klein-Busse erfüllen aber eine wichtige Aufgabe, da Südafrikas Metropolen kein vernünftiges Nahverkehrsnetz haben. In den Zeiten der Apartheid hatte sich die Regierung kaum um Verbindungen in die Townships, die Vororte der meist bitterarmen Schwarzen, gekümmert. Sie nutzten für den Weg zur Arbeit die Taxis - ein System, das sich bis heute im wesentlichen gehalten hat. Es ist nur rasant gewachsen. Experten glauben, dass kriminelle Gruppen Einfluss nehmen, Schutzgelder kassieren oder sich lukrativer Strecken bemächtigen. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Konflikten zwischen Taxifahrern.

Strukturschwaches Nahverkehrs-System
Das überholte Nahverkehrs-System, das vor allem in den Abend- und Nachtstunden mangels Nachfrage kaum noch angemessen funktioniert, wollte Südafrikas Regierung auch im Blick auf die Fußball-WM ändern. Im Großraum Johannesburg, wo etwa sieben Millionen Menschen leben, war das neue Bus- und Schnellbahnsystem "Rea Vaya" von Anfang an heftig umkämpft. Schon im September wurden zwei Bus-Passagiere von Heckenschützen verletzt. Allerdings fragte auch die Zeitung "The Times" skeptisch, ob das neue System angemessen sei, "nur weil sie das in Europa auch so machen?".

Regierung und Behörden versuchen zwar, auf die Taxifahrer und - Unternehmen zuzugehen, denn schließlich fürchten diese nicht ganz zu Unrecht um ihre Existenz. Aber natürlich werden nicht alle als Busfahrer oder Subunternehmer übernommen werden können. Allein in Johannesburg gibt es etwa 120.000 Taxifahrer.

Gut fünf Wochen vor der WM droht dem Nahverkehr aber noch ein anderer Konflikt: Die Beschäftigten der Eisenbahngesellschaft Metrorail wollen für höhere Löhne streiken. Betroffen wären rund zwei Millionen Fahrgäste, die täglich die Vorortzüge benutzen. Auch die 50.000 Frachtarbeiter des nationalen Transnet-Unternehmens haben Streiks angekündigt. Es könnte sein, dass der Appell von Südafrikas Polizeichef Bheki Cele, "die WM nicht für Arbeitskämpfe zu missbrauchen", fruchtlos bleibt.

(apa/red)