Das System der Apartheid

Nelson Mandela widmete sein Leben dem Kampf gegen das System der Unterdrückung

Das System der Apartheid, das Nelson Mandela (auf dem Bild mit dem letzten weißen Präsidenten Frederik Willem de Klerk, mit dem er gemeinsam den Friedensnobelpreis erhielt) maßgeblich zu überwinden half, hat über Jahrzehnte das Leben in Südafrika bestimmt. Die Politik der Rassentrennung wurde seit der Machtübernahme der rassistischen Nationalpartei 1949 systematisch ins Gesetz geschrieben.

von Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk. © Bild: imago/Anka Agency International

Doch bereits bei der ersten Besiedlung des Landes durch europäische Kolonialisten waren diese darauf bedacht, sich von den Einheimischen abzugrenzen. So mussten sich die Hottentotten seit 1797 für Reisen eine Sondergenehmigung verschaffen und die Stadt Johannesburg verbannte seit 1886 die schwarzen Einwohner in die Randgebiete.

Wörtlich bedeutet Apartheid auf Afrikaans die Trennung zweier Dinge, doch wird es allgemein als "getrennte Entwicklung" übersetzt. Dies drückte sich in der Diskriminierung der Schwarzen, Mestizen und anderen Farbigen aus. Auch Mahatma Gandhi musste dies erfahren, als er bei seiner Ankunft in Südafrika 1893 aus einem Waggon erster Klasse verwiesen wurde, da dieser den Weißen vorbehalten war. Ihren bildlichen Ausdruck fand die Apartheid in Schildern, die Parkbänke, Toiletten, Schalter, Strände und Restaurants für Weiße reservierte.

Regime mit Nazi-Anleihen

Als das moderne Südafrika 1910 aus dem Zusammenschluss der britischen Kolonialherren und der Buren, den Nachfahren holländischer Siedler, entstand, wurde die schwarze Bevölkerungsmehrheit einfach ignoriert. Die Schwarzen reagierten darauf mit der Gründung des Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Dieser konnte jedoch nicht verhindern, dass den Schwarzen in den folgenden Jahren etwa die Ausübung höherer Berufe oder der Kauf von Land außerhalb bestimmter Reservate verboten wurde.

Systematisch umgesetzt wurde die Apartheid von der offen rassistischen Nationalpartei, die bei der Wahl 1948 getragen von der Furcht vor der Bedrohung durch die Schwarzen an die Macht gelangte. Da die "schwarze Gefahr" rasch mit der "roten Gefahr" des Kommunismus gleichgesetzt wurde, war sich das Apartheidsregime im Kalten Krieg der Sympathie westlicher Staaten sicher. Und das obwohl die Regierung offen Anleihen bei der Nazi-Ideologie machte und sich als Auserwählte Gottes präsentierte.

Schwarze vertrieben und ausgesiedelt

Erste Gesetze verboten gemischte Ehen (1949) und sexuelle Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Rassen (1950). Mit dem Population Registration Act wurde im selben Jahr dann die Einteilung in vier "Rassen" (Weiße, Inder, Metizen und Schwarze) offiziell. Diese Einteilung auf dem Papier wurde mit den folgenden Gesetzen auch auf das Land übertragen. So wurden die Viertel in den Städten nach Rassen aufgeteilt, was den Abriss ganzer Stadtteile der Schwarzen und deren Umsiedlung in entlegene Townships zur Folge hatte.

Insgesamt wurden während der Apartheid rund 3,5 Millionen Menschen aus ihren Häusern oder Farmen vertrieben und ihr Besitz an Weiße vergeben. Eigentlich waren die Townships nur als Übergangslösung gedacht, denn langfristig sollten alle Schwarze in sogenannte Homelands ausgesiedelt werden - unabhängige Staaten, die jedoch international nie anerkannt wurden. Ein weiteres Problem war auch, dass es den Weißen nie gelang, sich aus der Abhängigkeit von der billigen Arbeitskraft der Schwarzen zu lösen.

Ende durch Wahlsieg Mandelas

Über die Jahre geriet das System der Apartheid zudem immer mehr unter Druck. Während im Innern die Schwarzen angeführt vom ANC zunehmend selbstbewusst für ihre Rechte eintraten, verhängte die internationale Gemeinschaft immer schärfere Sanktionen. In den 1980er-Jahren begann die weitgehend isolierte Regierung, die Rassengesetze nach und nach aufzuheben. Doch tatsächlich zu Ende ging das System der Apartheid erst mit dem Sieg Mandelas bei den ersten gemischten Präsidentenwahlen 1994.

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