Südafrika von

Ausschreitungen vor Wahlbeginn

Große Unzufriedenheit - Trotzdem regierender ANC um Präsident Zuma Favorit

Wahllokal im Bekkersdal-Township. © Bild: MARCO LONGARI/AFP/Getty Images

In Südafrika hat am Mittwoch in der Früh die Parlamentswahl friedlich begonnen. Demoskopen sagen einen klaren Wahlsieg des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) von Präsident Jacob Zuma voraus. Etwa 25 Millionen Südafrikaner sind aufgerufen, das Parlament in Kapstadt und den Nationalrat der Provinzen zu wählen. Der Präsident wird vom Parlament gewählt, Amtsinhaber Zuma ist Spitzenkandidat seiner Partei.

Die Parlamentswahlen in Südafrika haben ohne Zwischenfälle begonnen. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich am Vormittag lange Warteschlangen. Allerdings rechnen die Demoskopen angesichts großer Unzufriedenheit im Land über die soziale und politische Lage mit einer weiter sinkenden Wahlbeteiligung.

Mehr als 25 Millionen Südafrikaner sind aufgerufen, das nationale Parlament in Kapstadt und den Nationalrat der Provinzen zu wählen. Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) und ihr Spitzenkandidat, Präsident Jacob Zuma, können trotz großer sozialer Probleme und zahlreicher Korruptionsskandale mit einem Stimmenanteil von über 60 Prozent rechnen. 2009 erhielt die Partei des im Dezember gestorbenen Nationalhelden Nelson Mandelas 66 Prozent.

Die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) mit ihrer deutschstämmigen Spitzenkandidatin Helen Zille kann der Umfrage der "Sunday Times" zufolge mit einem Anstieg von 16,6 auf etwa 23 Prozent rechnen. Die neue, linksradikale Partei "Kämpfer für Wirtschaftsfreiheit" (EFF) des Populisten Julius Malema kommt demnach auf fünf Prozent.

Die Wahllokale schließen um 21.00 Uhr Ortszeit, Ergebnisse werden erst am Donnerstag erwartet, das Endergebnis kaum vor Freitag.

Ausschreitungen nahe Johannesburg

Vor der Parlamentswahl hat es nahe Johannesburg gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Im Township Bekkersdal südwestlich der Metropole hätten Einwohner Straßen mit brennenden Reifen blockiert, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Medien berichteten, auf mindestens ein Wahllokal sei ein Brandanschlag verübt worden. Polizeiautos wurden mit Steinen beworfen.

Der Grund für die Ausschreitungen sei unklar, sagte der Polizeisprecher. Verletzte gebe es offenbar nicht. Der nationale Rundfunksender SABC berichtete, dass in der Gegend ein Wahllokal niedergebrannt wurde. Andere Medien meldeten bis zu drei solcher Vorfälle. In Bekkersdal hatte es in den vergangenen Monaten Proteste wegen mangelhafter öffentlicher Dienstleistungen gegeben. Die Ortschaft will die Parlamentswahl boykottieren, sie ist einer der Brennpunkte, in die vor der Wahl die Armee entsandt wurde, um Unruhen zu verhindern.

Zuma trotz Kritik vor Wahlsieg

Die Wahl am Mittwoch ist die fünfte seit dem Ende der Rassentrennung vor 20 Jahren. Erstmals dürfen viele Südafrikaner abstimmen, die nie selbst die Apartheid erlebten. Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) und der von ihm gestellte Staatschef Jacob Zuma können trotz schlechter Wirtschaftslage und Korruptionsaffären mit einer Zustimmung von mehr als 60 Prozent rechnen. Die oppositionelle Demokratische Allianz hofft auf etwa 22 Prozent der Stimmen, die Partei des früheren ANC-Jugendführers Julius Malema auf vier bis fünf Prozent.

Allerdings dürfte es für den ANC auch die zweite Wahl in Folge werden, in der er an Zustimmung verliert. Schuld daran sind auch die hohe Arbeitslosigkeit, Vorwürfe von Freunderlwirtschaft und Kritik an Staatschef Zuma. Seine ersten fünf Amtsjahre waren überschattet von schweren Skandalen, darunter der sündhaft teure Umbau seiner Privatresidenz in Nkandla im Osten des Landes auf Kosten der Steuerzahler.

Schwarze weiter benachteiligt

Auch die Rassen-Ungleichheit besteht 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid weiter. Weiße verdienen häufig ein Vielfaches von dem, was ein Schwarzer bekommt, sie sind deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen und haben noch immer einen besseren Zugang zur Bildung.

Die landesweit 22.263 Wahllokale öffnen am Mittwoch um 07.00 Uhr und schließen rund 14 Stunden später. Ein landesweites Ergebnis wird voraussichtlich erst am Freitag erwartet. Der 72-jährige Zuma steht seit dem Jahr 2009 an der Spitze des Landes. Nach einem ANC-Sieg ist seine Wiederwahl durch das Parlament sicher.

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