"Suchen keine Ausreden": ÖSV-Desaster gibt Herrenchef Giger einiges zu knabbern!

"Jetzt auf Hosenboden setzen und seriös analysieren" Und: "Svindal ist ein absolut würdiger Weltmeister"

"Das war ein Debakel." Österreichs Herrenchef Toni Giger hat nach der heftigen Schlappe in der WM-Abfahrt der Herren in Aare nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. "Svindal ist ein absolut würdiger Weltmeister. Und mit Hudec und Järbyn haben es zwei Außenseiter dank toller Leistungen aufs Stockerl geschafft. Es war ein faires Rennen, wir suchen keine Ausreden. Die Leistung dieser drei Leute gehört gewürdigt", erklärte der Salzburger schwer enttäuscht, aber fair.

ÖSV-intern gibt es nun folgende Vorgangsweise. "Wir werden uns auf unseren Hosenboden setzen und seriös analysieren. Wir müssen schauen, wo wir die Zeit verloren und wo wir Fehler gemacht haben. Und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, auch für den Rest der WM. Denn der Berg und der Schnee werden sich ja nicht verändern." Vor den letzten drei Bewerben RTL, Slalom und Team-Event betonte Giger aber auch: "Wir haben ja schon etwas erreicht, zwei Silbermedaillen in drei Bewerben. Andere Nationen haben im Herren-Bereich noch gar nichts."

Gemeint ist damit vor allem das US-Team rund um Bode Miller. Die ÖSV-Herren haben durch Fritz Strobl im Super G und Benjamin Raich in der Super-Kombi zweimal Silber gewonnen. Wie so oft im laufenden Weltcup hatten die vier ÖSV-Abfahrts-Starter Mario Scheiber (8.), Hermann Maier (13.), Michael Walchhofer (15.) und Strobl (22.) teilweise hervorragende Teilzeiten - nur ein durchgehend guter Lauf gelang keinem. Warum es stattdessen durchgehen in die Hose ging, hatte "sehr individuelle Gründe". "Bei jedem Läufer bisschen andere", so Giger nach der ersten Video-Analyse.

Der Mathematik-Professor verwies auch darauf, dass es neben Walchhofer auch die vier weiteren Saison-Stärksten Didier Cuche, Marco Büchel, Miller und Peter Fill nicht aufs Stockerl geschafft haben. "Außenseiter spielen hier bei der WM in Aare eine große Rolle. Das muss man akzeptieren." Die bisherigen Weltmeister Patrick Staudacher (Super G), Daniel Albrecht (Super G) und Svindal (Abfahrt) sprechen natürlich für Gigers These, genauso wie die Medaillengewinne am Sonntag von Jan Hudec und Patrik Järbyn.

Emotional sahen sich die Trainer und Läufer in einer ähnlichen Situation wie die hunderttausenden enttäuschten Skifans in Österreich. "Die Emotionen von uns sind gleich mit denen der Fans. Wir sind enttäuscht, keiner fühlt sich gut", erklärte Giger, der sich aber sicher ist, dass sein Team weiter die Unterstützung der "Skination" hat: "Es gibt so viele treue Fans und so viel Unterstützung in ganz Österreich. Und das wird auch so bleiben."

Dass es nach der klaren Niederlage in der "Königsdisziplin" ähnlich wie im Fußball nun auch im Skisport zu einer öffentlichen Trainerdiskussion kommen könnte, sieht Giger relativ gelassen. "Keine Nation hat in den vergangenen zehn Jahren im Herren-Bereich annähernd solche Erfolge gefeiert. Ich glaube, wir sollten auf unsere Stärken vertrauen. Entscheidend ist, wie innerhalb des Teams gearbeitet wird. Diskussionen von außen sind nicht interessant." Rochaden im Team seien laut Giger derzeit kein Thema. "Die laufende Saison wird ganz sicher mit dem derzeitigen Trainer-Team beendet."

Dass die 30-er-Regel den ÖSV-Stars auf Grund der schlechter werdenden Pistenverhältnisse natürlich schadet, daran besteht kein Zweifel. Der erste Österreicher am Sonntag, Maier, startete mit Nummer 22. Die Podestnummern in den WM-Speed-Rennen waren im Super G 12, 20 und 17 und in der Abfahrt 21, 2 und 5.

Doch eine diesbezügliche Diskussion wollte Giger keinesfalls vom Zaun brechen. "An einem Tag, an dem Medaillen vergeben worden sind, übers Reglement zu diskutieren, halte ich für falsch und unfair. Weil da automatisch mitschwingt, die Leistung der Medaillengewinner zu schmälern." Eine prinzipielle Diskussion über dieses Reglement zu Saisonende erachtet er jedoch als sinnvoll.
(APA/Red)