Suche nach Mladic läuft auf Hochtouren: Serbien will Ex-Militärchef bald ausliefern

Laut Medien soll Mladic bis September gefasst sein Verwandten sind sich sicher: "Mladic ergibt sich nie"

Suche nach Mladic läuft auf Hochtouren: Serbien will Ex-Militärchef bald ausliefern © Bild: EPA

Nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic hat Belgrad nun auch die Fahndung nach dessen früheren Militärchef Ratko Mladic intensiviert. Wie die Tageszeitung "Blic" berichtete, wollen die Behörden den gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher noch bis Monatsende an das UNO-Tribunal in Den Haag überstellen. Dass sich Mladic freiwillig stellt, wird von seinen Verwandten stark bezweifelt.

Nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic hat Belgrad laut Medien nun auch die Fahndung nach dessen früheren Militärchef Ratko Mladic intensiviert. Wie die Tageszeitung "Blic" berichtete, soll der gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher angeblich noch bis Monatsende an das UNO-Tribunal in Den Haag überstellt werden. Die serbische Regierung dementierte eine Großfahndung nach Mladic und dem ebenfalls flüchtigen Haager Angeklagten Goran Hadzic.

Oberste Priorität
Es handle sich nur um alltägliche Aktionen der Fahnder, erklärte der serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic, der auch für die Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) zuständig ist. Der Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, bezeichnete die Festnahme von Mladic und Hadzic als oberste Priorität. Wie dieses Ziel erreicht werde, "werde ich bestimmt nicht im Voraus ankündigen", sagte Vukcevic.

Der zivile und der militärische Geheimdienst (BIA und VBA) wüssten sicher, wo sich Mladic versteckt halte, sagte der frühere General Ninoslav Krstic der Zeitung "Press": "Ich glaube, dass sie ihn bald verhaften." Die Aufforderung von zwei serbischen Ministern am Vortag, Mladic solle sich freiwillig stellen, sei vermutlich als Vorbereitung der Öffentlichkeit auf einen solchen Schritt zu verstehen, sagte der frühere General weiter. Demgegenüber behauptete der Mladic-Neffe Goran, sein Onkel werde sich niemals stellen. "Ich weiß, wie er denkt und bin sicher, dass er sich umbringen wird, bevor er verhaftet wird", sagte er der Zeitung "Press".

Mladic hatte trotz Haager Anklage bis Anfang 2002 in Belgrad gelebt. Später versteckte er sich sowohl in Westserbien als auch in der bosnischen Republika Srpska. Laut jüngsten Erkenntnissen der serbischen Behörden hielt sich der Haager Angeklagte mindestens bis Anfang 2006 erneut in der serbischen Hauptstadt auf, wo er auch weiterhin vermutet wird. "Ebenso wie Karadzic vor der Festnahme führt Mladic ein normales Leben, tritt aber nicht so offen in der Öffentlichkeit auf. Er verlässt seine Wohnung nur selten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden", zitierte "Blic" eine gut informierte Quelle.

Schwierige Suche
Man geht dem Blatt zufolge davon aus, dass die Festnahme Mladics schwieriger als jene Karadzics sein dürfte, weil dieser über enge Kontakte zu früheren Kollegen bei den serbischen Streitkräften verfüge. Außerdem wird vermutet, dass sich der 66-jährige General in einem gesundheitlich schlechteren Zustand als Karadzic befindet. Er wurde wegen Nierensteinen behandelt. Und es heißt, seit dem Selbstmord seiner Tochter Ana im Frühjahr 1994 leide er an Depressionen.

(apa/red)