WM 2014 von

"Sündenbock" Suarez

Uruguay-Coach Tabarez holt nach Beiß-Attacke zum Rundumschlag aus

Suarez © Bild: Reuters/Carlos Barria/Files

Uruguay-Trainer Oscar Tabarez hat den Fußball-Weltverband (FIFA) wegen der gegen Luis Suarez verhängten Sperre scharf kritisiert. Auf einer Pressekonferenz sprach der 67-Jährige von einer "überzogenen" Strafe und einem "rücksichtslosen" Vorgehen. Die FIFA hat den Stürmer wegen seiner Beißattacke für neun Länderspiele gesperrt und ein viermonatiges Fußballverbot ausgesprochen.

Auf der bemerkenswerten Pressekonferenz in Rio de Janeiro einen Tag vor dem Achtelfinalspiel seiner Mannschaft gegen Kolumbien (Samstag, 22.00 Uhr MESZ) meinte Tabarez in einem fünfzehnminütigen Monolog, die FIFA habe Suarez zum "Sündenbock" gemacht. Am Donnerstag war der 27-jährige Liverpool-Star Suarez von der Disziplinarkommission des Weltverbandes sanktioniert worden, nachdem er am Dienstag im WM-Spiel gegen Italien seinen italienischen Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter gebissen hatte.

Tabarez sagte, er und sein Trainerstab wären davon ausgegangen, dass für die Aktion sowohl Suarez als auch Chiellini bestraft würden. "Aber wir haben nie mit der Entscheidung gerechnet, wie sie jetzt getroffen wurde, und dass sie so überzogen hart sein würde", erklärte er. Dann griff er die internationalen Medien frontal an: "Die Medien haben sich nur darauf konzentriert, was in der Vergangenheit passiert ist, und so die Entscheidung beeinflusst."

Tabarez kritisiert Blatter

Auch FIFA-Boss Sepp Blatter wurde von Tabarez indirekt angesprochen: "Wir alle wissen, wo die Macht liegt - in den Händen des Organisators", sagte er.

"Ich verteidige nichts, und ich sage nicht, dass es keine Strafe geben sollte", so Tabarez. "Aber ich bin nicht damit einverstanden, dass man einen zum Sündenbock macht." Der Trainer betonte, dass Suarez auf die volle Unterstützung des uruguayischen Fußballverbandes zählen könne. Der Spieler habe "einen Fehler" begangen, aber "kein Verbrechen".

© REUTERS/Tony Gentile Der gebissene Giorgio Chiellini

Bevor er die Pressekonferenz im Maracana-Stadion verließ, ohne eine Frage zum anstehenden Spiel zu beantworten, teilte Tabarez mit, dass er als Reaktion auf die Sperre außerdem seine Ämter in der Strategie-Kommission und der Technischen Studien-Gruppe der FIFA niederlegen werde. Er könne nicht mehr mit Leuten zusammenarbeiten, die andere Werte vertreten würden als er, sagte er. Von den uruguayischen Journalisten bekam der Coach Applaus für seinen Auftritt.

Maduro verteidigte "Sohn des Volkes" Suarez

Indes hat sich auch Venezuelas Präsident Nicolas Maduro zu Wort gemeldet. "Uruguay wird nicht verziehen, dass ein Sohn des Volkes zwei Große des Fußballs ausgeschaltet hat", schimpfte der Staatschef in einer Fernsehansprache mit Blick auf das WM-Aus für England und Italien. Die vom Weltverband (FIFA) verhängte Strafe sei unverhältnismäßig. "Luis Suarez ist ein Sohn des Volkes, der Sohn einer einfachen Frau, die als Haushaltshilfe arbeitete, er hat in der größten Armut gelebt", sagte Maduro.

Ghigga: "FIFA hat sich geirrt"

Das uruguayische Fußball-Idol Alcides Ghiggia übte unterdessen Kritik an Suarez. "Was er gemacht hat, war falsch", sagte der 87-Jährige dem kolumbianischen Radiosender La FM am Freitagabend. Suarez hätte sich bewusst sein müssen, dass er bei der WM sein Land repräsentiert und für eine solche Aktion bestraft werden könnte.

Allerdings sei die von der FIFA verhängte Sperre zu hart ausgefallen. "So schlimm war es nicht. Ich meine, die FIFA hat sich geirrt", sagte Ghiggia, der Uruguay 1950 im Maracana-Stadion gegen Brasilien zum WM-Titel geschossen hat. Im Achtelfinale gegen Kolumbien am Samstag könnte die Sanktion das Team aus Uruguay aber zusätzlich motivieren, glaubt er.

Pele hält Strafe gegen Luis Suarez für "gerecht"

Brasiliens Fußball-Idol Pele hingegen hält die Strafe gegen Uruguays Stürmer Luis Suárez für korrekt. "Die Entscheidung der FIFA war gut, sie war richtig, weil man ein Beispiel geben muss. Wenn dieses Beispiel nicht am Anfang gegeben wird, dann kann sich das (Attacken wie von Suarez) verbreiten", sagte der 73-Jährige nach lokalen Medienangaben am Freitag. "Ich denke es war gerecht, weil es (die FIFA-Entscheidung) von jetzt an als Parameter dienen wird", stellte Pele bei einer Veranstaltung in Rio de Janeiro.

Der frühere Fußball-Weltstar und Pelé-Rivale Diego Maradona hatte die WM-Rekordsperre gegen Suarez dagegen als eine "eine unfaire Strafe, ein unglaubliches Mafia-Ding" bezeichnet. Im venezolanischen Fernsehen griff Marardona den Fußball-Weltverband hart an. "Was glauben sie, wer sie sind?", fragte er rhetorisch in Richtung FIFA. "Warum schickt ihr ihn nicht gleich nach Guantanamo?" Suarez ist für seine Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini von der FIFA-Disziplinarkommission für neun Pflicht-Länderspiele gesperrt und für vier Monate von allen Fußball-Aktivitäten verbannt worden.

Blatter kritisiert Suarez-Attacke

FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte indes die Suarez-Attacke, eine Bewertung der drastischen Strafe lehnte er dagegen ab. "Ich kämpfe für Fair Play, besonders auf dem Platz. Und das ist nicht fair, was er getan hat", sagte der Weltverbandschef über das Vergehen des uruguayischen Stürmers.

"Die Entscheidung zu diskutieren, die von einem Gremium aus sieben Richtern getroffen wurde, ist nicht meine Aufgabe", betonte Blatter. "Aber sie haben offensichtlich die Vorgeschichte des Spielers in Betracht gezogen, der bereits für die gleiche Aktion gesperrt war." Er könne nicht sagen, "ob es zu viel oder zu wenig war. Es ist eine unabhängige Organisation in der FIFA."

© REUTERS/Tony Gentile Suarez unmittelbar nach der Beiß-Attacke

Schwere Last für Suarez-Familie

Die Familie des uruguayischen Skandal-Fußballers Luis Suarez ist nach der Sperre für den beißenden Sprössling "sehr bekümmert". Dies sagte Rodolfo Suarez, der Vater des Stürmers, in einem Interview des kolumbianischen Radiosenders "La FM". "Wir sind sehr müde und haben die ganze Nacht nicht geschlafen", sagte Rodolfo Suarez, der seinen Sohn in Montevideo in Empfang genommen hat.

"Fragt die FIFA, wie es uns geht. Es geht uns schlecht, sie sollen sich vorstellen, sie wären an unserer Stelle", sagte er weiter. Und: "Über das, was passiert ist, können wir mit niemandem reden."

Kommentare

Oliver-Berg

Luis Suarez ist kein Unbekannter. Er hat in England in der Premier League schon 2 mal Sperren wegen seiner Beißattacken bekommen. Die Strafe ist zwar hart aber letztendlich helfen nur harte Strafe Unsportlichkeiten dieser Art zu verhindern.

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