Ausland von

Der Sturz der Diktatoren...

...und ihr Leben danach

Ausland - Der Sturz der Diktatoren... © Bild: APA/AFP/JEKESAI NJIKIZANA

Was Langzeit-Despot Robert Mugabe jetzt droht, haben andere gefallene Herrscher schon hinter sich. Aber wie leben die Diktatoren von gestern heute?

Im 37. Jahr seiner Herrschaft schien der greise Despot zunehmend entrückt. In den seltenen Momenten, in denen sich Robert Mugabe seinem Volk noch zeigte, plapperte er wirres Zeug oder schlief auf dem Podium einfach ein. Seine Frau, der die Weltpresse den Namen "Gucci Grace" verliehen hatte, da sie bei Shoppingtouren schon mal 80.000 Dollar am Tag ausgab, strebte offensiv nach seiner Macht. Deren gemeinsamer Sohn, Chatunga, postete auf Instagram derweil Bilder seiner diamantbesetzten Uhr und schrieb dazu: "60.000 Dollar am Handgelenk, wenn dein Daddy das ganze Land führt!" Später stellte er ein Video online, in dem er sich Champagner für 400 Dollar die Flasche über eben jenes Handgelenk samt Uhr schüttete. Die Nationalbank des Landes musste da schon Schuldscheine ausgeben, nachdem die Hyperinflation aus 35 Milliarden Simbabwe- Dollar zuletzt nur mehr einen US-Dollar werden ließ. In der Garage des Despoten parkte zu jenem Zeitpunkt weiterhin ein Rolls-Royce Phantom IV, von dem weltweit nur achtzehn Stück gefertigt wurden und dessen Wert höher lag als das Bruttoinlandsprodukt des gesamten Staates.

Diktator a.D.

Simbabwe, einst eines der reichsten Länder Afrikas, ist bankrott. Robert Mugabe mit 93 Jahren am Ende seiner Herrschaft angelangt. Und die Hoffnung auf bessere Tage für das Volk kaum angebracht. "Sein potenzieller Nachfolger ist Teil des tief korrupten und von Gewalt zusammengehaltenen Patronagegeflechts, welches das Land prägt", sagt Christoph Marx. Er hat mit "Mugabe. Ein afrikanischer Tyrann" eine Biografie verfasst, die den Aufstieg des Lehrers zum marxistisch angehauchten Revolutionär und späteren Despoten nachzeichnet (C.H.Beck Verlag). Auf die Diktatorendämmerung folgt in Simbabwe kaum Besseres nach. Ein System, das Staaten von innen aushöhlt und zu Außenstellen eines Mafiaclans werden lässt, hört durch den bloßen Austausch der Person an der Spitze selten zu bestehen auf.

Eine Regel, die in den sogenannten "arabischen Frühling" zurückführt, auf den meist ein harter, noch immer andauernder Winter folgte. Damals stürzten im Norden Afrikas Diktatoren -und das reihenweise. Der Funke für den Flächenbrand fand sich Anfang 2011 in Tunesien, dem Reich des Zine el-Abidine Ben Ali, der das Land seit 24 Jahren beherrschte. Seine Familie, besonders der Clan seiner Frau, Leïla, hatte ein Maß an Korruption erreicht, das ein Drittel des Staatshaushaltes aufsaugte. Als der Volksaufstand Tunis erfasste, überraschte es daher kaum, dass das Despotenpaar nicht mittellos die Flucht antrat. Der bereitstehende Jet konnte anfangs kaum abheben, da die First Lady eineinhalb Tonnen an Goldbarren in die Maschine hatte einräumen lassen. Als der Start schließlich gelang, befanden sich der Präsident, dessen Frau, die beiden Kinder, zwei Nannys und ein Butler an Bord. Um ein Uhr nachts setzte der Flieger bei strömendem Regen in der saudischen Millionenstadt Dschidda am Roten Meer auf. Dort verlor sich anfangs die Spur des Kleptokratenclans.

© FETHI BELAID / AFP / APA

Nachrichten, Ben Ali habe einen Hirnschlag erlitten, sollten später die Aufgebrachten daheim besänftigen. Ebenso, dass ihm und der einstigen First Lady in Tunis der Prozess gemacht wurde und sie in Abwesenheit zu jeweils 35 Jahren Haft verurteilt wurden. Doch die Geschichte vom todkranken Diktator im Exil entpuppte sich als Mär. In Dschidda lebt der heute 81-Jährige in einer Luxussiedlung unter dem Schutz des saudischen Königshauses, das den Gästen, wie es heißt, "islamische Barmherzigkeit" erweist. Erst kürzlich veröffentlichte die arabische Zeitung "Al-Mijhar" Fotos, die den Gefallenen bei der Verlobung seiner Tochter Halima zeigen. Er, das Haar wie eh und je gefärbt, gewährte so Einblick in den goldenen Käfig an jenem Ort, an dem einst schon Ugandas Idi Amin seinen Lebensabend verbrachte.

Gaddafis letzte Tage

In Tunesiens Nachbarland Libyen meinte es die Geschichte weniger gut mit dem Herrscherclan der Gaddafis. Über vier Jahrzehnte hatte der "König der Könige", wie Muammar Gaddafi genannt wurde, das Schicksal des Landes bestimmt und sein Volk brachial unterjocht. Umso elendiger nahm sich sein eigenes Ende aus, als aufgebrachte Rebellen ihn auf der Flucht aus einem Abflussrohr zerrten. Die Bilder der Handykameras, die später um die Welt gingen, zeigten einen Blutüberströmten, der von Kämpfern verprügelt und malträtiert wurde, bevor er auf der Ladefläche eines Pick-ups starb. Auch zwei seiner Söhne kamen bei den Kämpfen ums Leben. Seiner Frau, der Tochter Aischa und zwei weiteren Söhnen gelang hingegen erst die Flucht nach Algerien und von dort weiter nach Oman, wo sie heute auf einem geschützten Gelände leben. Mysteriös bleibt das Schicksal von Gaddafis Lieblingssohn, Saif al-Islam. Der hatte einst in Wien studiert und guten Kontakt zu Jörg Haider und dessen FPÖ gepflegt. Ein vom Döblinger Balkon gestürztes Model und die später in Schönbrunn gelandeten weißen Tiger des Diktatorensprosses gruben sich als Erinnerung an die damaligen Tage ein. Als die Herrschaft des Vaters ins Wanken geriet, stand Saif an dessen Seite, hielt aufrüttelnde Reden und setzte sich vor dem Fall von Tripolis ab. Erst ein halbes Jahr später spürten ihn Rebellenbrigaden mitten in der Wüste auf und brachten ihn ins westlibysche Zintan, wo ihm die standrechtliche Erschießung drohte. Bald kursierten Bilder, die ihn mit einbandagierten Fingern zeigten, die als Beleg für die Folter galten. Nach fünf Jahren Haft dann die überraschende Wende: Saif al-Islam wurde im Juni 2017 begnadigt. Das Libyen seines Vaters gibt es jedoch nicht mehr. Das einst reiche Land ist ins Chaos abgedriftet, das konkurrierende Banden und Milizen befeuern. Darin verliert sich Saifs Spur.

Der auferstandene Pharao

Auch beim Nachbarn Ägypten blieb lange unklar, wie es um das Schicksal des Herrschers Hosni Mubarak bestellt ist. Der Aufstand auf Kairos Tahrir-Platz wurde im Frühjahr 2011 zur Ouvertüre für dessen Abschied von der Macht. Die Familie des unangreifbaren Pharaos schätzte man auf 30 Milliarden Dollar, die sie dem Land abgepresst hatte. Vorgeblich drängten die Massen auf den Straßen den Diktator zum Rücktritt, wenngleich Kennern Ägyptens stets klar war, dass der wahre Machthaber am Nil, die Armee, ihn fallengelassen hatte. Als er vor Gericht stand, sah das Volk einen zum Zwergen gewordenen Gefallenen, der gleich einer Mumie auf der Bahre in den Saal getragen wurde. Hinter Brillen verborgen, vor Gitterstäben stehend, wirkte der einst überlebensgroße Landesvater kränklich und klein. Das Schauspiel seines Prozesses sollte ihn für den Rest seines Lebens in den Kerker bringen. Das Urteil schien schon gesprochen, als das Militär gegen den neuen islamistischen Herrscher putschte. Und sich so auch eine zweite Chance für Mubarak ergab. Denn nach der Rückkehr eines Generals an die Spitze des Staates hoben Gerichte etliche Urteile gegen Mubarak auf. Schlagartig schien sich auch der Gesundheitszustand des für schwer krank Befundenen zu verbessern. Jüngere Aufnahmen zeigen den heute 88-Jährigen im Golf-Buggy auf einer Residenz in Sharm el-Sheik. Und so folgt so mancher Despotendämmerung tatsächlich späte Wiederauferstehung.