Wetter von

Sturmtief "Niklas" fegt über Österreich

Feuerwehreinsätze in Niederösterreich - Probleme bei Stromversorgung in Tirol

Sturmschäden © Bild: APA/DPA/Peter Kneffel

Sturmtief "Niklas" hat am Dienstagnachmittag auch Niederösterreich erreicht. Im Westen des Bundeslandes gab es mehrere Feuerwehreinsätze. "Die Einsätze der Feuerwehren werden minütlich mehr", teilte Franz Resperger vom Landeskommando NÖ mit. Außerdem gibt es bereits ein Todesopfer.

Wegen abgedeckter Häuser, auf Straßen, in Telefon- und Stromleitungen gestürzter Bäume oder wegen Kaminen, die einzustürzen drohten, rückten Helfer vorerst in den Bezirken Amstetten, Melk und St. Pölten aus. Der Sturm zog Richtung Osten weiter. Ausläufer von "Niklas" seien jedoch auch im nördlichen Niederösterreich zu erwarten, sagte Resperger. Vorerst waren 36 Feuerwehren aufgeboten. Die Landeswarnzentrale empfahl Fenster und Türen zu schließen sowie Gegenstände im Freien zu sichern. Fahrten durch Waldgebiet sollten vermieden werden, besondere Vorsicht war auf exponierten Straßenabschnitten und Brücken geboten.

Mann tödlich verunglückt

Ein 63-jähriger ist am Dienstag in Mauthausen (Bezirk Perg) tödlich verunglückt, als er versuchte wegen des Sturmtiefs "Niklas" seine Terrassenüberdachung zu sichern. Der Pensionist stürzte von einer Leiter und fiel mit dem Kopf gegen eine Steckdose. Dann schlug er auf dem Steinboden auf, teilte die Polizei mit. Er erlitt schwere Kopfverletzungen. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg.

Auto von Baum getroffen

In Sooß (Bezirk Melk) ist am Dienstagnachmittag ein Auto von einem Baum getroffen worden, berichtete Feuerwehrsprecher Franz Resperger. Der Lenker blieb unverletzt, erlitt aber einen schweren Schock. Der Mann wurde per Notarztwagen in ein Krankenhaus transportiert. An dem Auto entstand Totalschaden, sagte Resperger.

In Ybbs a.d. Donau stürzte ein Baum auf ein Fachmarktzentrum. Außerdem wurde das Dach des ARBÖ-Stützpunktes teilweise abgedeckt.

Schäden und Stromausfälle in Salzburg

Sturmtief "Niklas" hat am Dienstagnachmittag wie vorhergesagt das Bundesland Salzburg erreicht und zu Schäden und Verkehrsbehinderungen geführt. Bis ca. 16.00 Uhr rückten vorwiegend im Flachgau 26 Feuerwehren zu 34 Einsätzen aus. Ebenfalls im Norden des Bundeslandes kam es zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen, die Bahnverbindung über das Deutsche Eck war unterbrochen.

SALZBURG: SCHÄDEN DURCH STURMTIEF "NIKLAS"
© APA/FMT-PICTURES/T.A.

Schwerpunkt der Sturmschäden waren laut Landesfeuerwehrkommando der nördliche Flachgau sowie das nördliche Seengebiet. Die Helfer mussten umgestürzte Bäume von Straßen entfernen, bei Anthering war ein Lkw-Zug von einer Böe erfasst und von der Fahrbahn geschleudert worden. Die Feuerwehr barg das Fahrzeug. Vereinzelt wurden auch Dächer abgedeckt, Pool-Abdeckungen oder frei stehende Trampoline weggerissen. Auf der L207 zwischen Lamprechtshausen und Michaelbeuern wurde ein Wagen von einem umstürzenden Baum getroffen, der Lenker dürfte unverletzt geblieben sein.

SALZBURG: SCHÄDEN DURCH STURMTIEF "NIKLAS" =
© APA/FMT-PICTURES/T.A.

Umgestürzte Bäume oder schwere Äste fielen auch auf Stromleitungen und führten dadurch mehrfach zu meist kurzen Stromausfällen, sagte der Sprecher der Salzburg AG, Sigi Kämmerer. Betroffen waren vor allem die Bereiche von Lamprechtshausen, Arnsdorf, über Obertrum, Mattsee und Thalgau bis Köstendorf und Schleedorf. Die Bereitschaftstrupps seien vor dem Sturm noch aufgestockt worden. "Sofern es die Sicherheit zulässt, sind alle Kräfte im Einsatz." Betroffen war auch die Salzburger Lokalbahn. Ab Oberndorf waren beide Stränge Richtung Lamprechtshausen und Ostermiething unterbrochen. Die Salzburg AG hat zwar einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, doch auch der funktionierte nicht, weil in beiden Richtungen die Straßen gesperrt waren, so Kämmerer.

Flugverkehr eingeschränkt

"Niklas" schränkte auch den Flugverkehr in Salzburg ein. Ab Mittag wurden einige Flugverbindungen gestrichen, wie der Sprecher des Flughafens Salzburg, Alexander Klaus, erklärte. Betroffen waren bisher vier Flüge von und nach Frankfurt, eine Verbindung nach Berlin und eine nach Düsseldorf. "Wir haben momentan Windverhältnisse von knapp unter 100 km/h", sagte Klaus gegen 16.00 Uhr.

Laut Klaus könnte es in den nächsten Stunden noch zu weiteren Streichungen von Flügen kommen. Meteorologen zufolge zieht von Bayern eine Gewitterfront herein. "Die letzte Entscheidung liegt aber beim Piloten", erklärte der Flughafen-Sprecher.

Einsätze in Oberösterreich

In Oberösterreich standen am Nachmittag rund 4.000 Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Durch das Sturmtief "Niklas" wurden Dächer abgedeckt und Bäume umgerissen, die Straßen blockierten und Stromleitungen lahmlegten. Tausende waren ohne Strom. Ein Pensionist verunglückte tödlich, als er versuchte, seine Terrassenüberdachung sturmfest zu machen.

Die Energie AG berichtete von 25.000 Haushalten in den Bezirken Ried, Schärding und Vöcklabruck, die vorübergehend keine Stromversorgung hatten. Am späten Nachmittag waren es noch 12.000. Die Linz AG verzeichnete 16.500 betroffene Haushalte, vor allem im Mühlviertel.

LKW von Straße gefegt

Der Sturm fegte sogar mehrere Lkw von der Straße: Auf der Innkreis-Autobahn (A8) zwischen der Raststation Aistersheim und dem Parkplatz Weibern, auf der Kobernaußer Straße bei Lohnsburg, der Lamprechtshausener Straße zwischen Lamprechtshausen und der Landesgrenze zu Salzburg, der Mauthausener Straße (B123) zwischen Mauthausen und Wartberg ob der Aist und der Steyrer Straße (B309) zwischen Kronstorf und Enns wurden Lastwagen verblasen. Die A8 wurde teilweise, die übrigen betroffenen Verbindungen komplett gesperrt, wie der ÖAMTC mitteilte.

Probleme bei Stromversorgung in Tirol

Das Sturmtief "Niklas" hat am Dienstag auch in Tirol seine Spuren hinterlassen. Bei Windspitzen von bis zu 120 km/h wurden zahlreiche Bäume umgerissen und Dächer abgedeckt. In den Bezirken Landeck, Imst und Innsbruck-Land kam es zu Stromunterbrechungen durch umgestürzte Bäume. Außerdem mussten einige Straßen gesperrt werden.

SCHÄDEN DURCH STURMTIEF "NIKLAS"
© APA/ZOOM-TIROL

Vorübergehend unpassierbar waren am Nachmittag laut ÖAMTC etwa die Ötztal Straße zwischen Umhausen und Längenfeld, die Paznauntal Straße zwischen Pians und See, die Pitztalstraße und die Planseestraße. Die "Tinetz AG" registrierte gegen 17.00 Uhr rund 70 unversorgte Trafostationen in neun Gemeinden.

Am Innsbrucker Flughafen lief hingegen alles nach Plan. "Wir haben Böen bis zu 100 km/h verzeichnet, aber die Landungen verliefen alle ohne Probleme", sagte Flughafendirektor Marco Pernetta der APA.

In Reutte wurde das Dach eines Mehrparteienhauses durch orkanartige Sturmböen abgedeckt. In Absam nahe Innsbruck zog der starke Wind das Dach der Pfarrkirche in Mitleidenschaft.

Zudem ließ das Sturmtief am Dienstag auch in den Skigebieten Bahnen still stehen. Unter anderem wurden die Liftfahrten am Stubaier Gletscher eingestellt. Eingeschränkten Betrieb gab es etwa auch am Arlberg, in Sölden, in Obergurgl, bei den Kitzbüheler Bergbahnen, im Kühtai und in Ischgl.

Kommentare