Sturm droht ein weiterer Punkteabzug:
Kartnig soll Bilanz massiv gefälscht haben

Es besteht der Verdacht des schweren Betrugs Geltendes Lizenzrecht sieht einen Punkteabzug vor

Sturm droht ein weiterer Punkteabzug:
Kartnig soll Bilanz massiv gefälscht haben

Dem österreichischen Fußball-Bundesligisten SK Sturm Graz droht wegen der diversen Delikte seines ehemaligen Präsidenten Hannes Kartnig neuerlich Ungemach. Die Steirer könnten eine gefälschte Bilanz, die Kartnig der Bundesliga im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens im Jahr 2005 vorgelegt hatte, mit einem Punkteabzug bezahlen.

Kartnig war im Juli nach zwei Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Kaution von 1,2 Mio. Euro war dem ehemaligen Sturm-Präsidenten nach einem OGH-Urteil zurückerstattet worden. Dem 55-Jährigen werden von der Staatsanwaltschaft Graz Steuerhinterziehung, Untreue und Veruntreuung sowie betrügerische Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vorgeworfen. Laut Informationen der Tageszeitung "Kurier" dürfte nun auch der Verdacht des schweren Betrugs bestehen.

Die entsprechende Bilanz mit Abschluss des Spieljahres zum 30. Juni 2004 soll um rund fünf Millionen Euro nachjustiert sein. Kartnig verbuchte laut "Kurier" 1,4 Millionen an Transferrechten, die nicht bei Sturm, sondern bei Austria-Mäzen Frank Stronach lagen, sowie 3,8 Millionen an verschobener Steuerlast als "außerordentlichen Ertrag" auf der Habenseite. "Laut dem geltenden Lizenzrecht droht Sturm Graz nun sogar ein Punkteabzug für die laufende Meisterschaft", schrieb die Zeitung. Lizenzverletzungen verjähren nicht.

Bereits letzte Saison drei Punkte abgezogen
"Sanktionen obliegen dem Senat 5 der Bundesliga", betonte deren Lizenzmanager Reinhard Herovits. Sturm waren bereits in der vergangenen Saison drei Punkte wegen Verfehlungen im Lizenzierungsverfahren aberkannt worden. In Folge eines Insolvenzverfahrens, das im Jänner 2007 mit dem Zwangsausgleich geendet hatte, wurden die Grazer wegen "Nichterfüllung von Kriterien" mit zehn weiteren Minuspunkten bestraft.

Bilanzfälschungen werden in der Regel strafrechtlich verfolgt. Durch die 2005 unter diesen Umständen unrechtmäßig an Sturm erteilte Lizenz seien allerdings andere Vereine zu Schaden gekommen. Der SV Kapfenberg wäre beim Zwangsabstieg der Grazer als Zweiter der Red Zac Erste Liga zum Aufstieg in die höchste Spielklasse berechtigt gewesen. Kartnig hatte von 1992 bis 2006 als Sturm-Präsident fungiert und mit dem Club 1998 und 1999 unter anderem zwei Meistertitel geholt. Von 1998 bis 2000 spielten die Grazer zudem durchgehend in der Champions League.

(apa/red)